I. Ausgangslage
Der Straßenverkehr ist ein elementarer Bestandteil unseres täglichen Lebens. Ob mit dem Auto, dem Bus, mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem motorisierten Zweirad. Die Verkehrsinfrastruktur wird von allen genutzt. Dabei hat die Sicherheit im Straßenverkehr eine herausragende Bedeutung.
Die aktuellen Unfallstatistiken belegen erneut, dass insbesondere Motorradfahrerinnen und -fahrer ein erhöhtes Risiko tragen. Laut der Verkehrsunfallbilanz 2024 des Landes Nordrhein-Westfalen ist der höchste Anstieg von Verunglückten bei dieser Gruppe zu verzeichnen. Im Jahr 2024 wurden bei 3.063 Motorradunfällen insgesamt 3.160 Menschen verletzt – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.827 Verletzten im Vorjahr. Die Zahl der getöteten Motorradfahrenden stieg von 58 im Jahr 2023 auf 86 in 2024. Diese Zahlen verdeutlichen, dass gezielte Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit unerlässlich sind. Prävention, Sensibilisierung, technische Innovation sowie straßenbauliche und straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen müssen hierbei Hand in Hand gehen, um dieser Entwicklung wirkungsvoll entgegenzuwirken, um der “Vision Zero” näher zu kommen.
Mit seiner gut ausgebauten Infrastruktur und seiner vielfältigen Landschaft bietet Nordrhein-Westfalen zahlreiche Möglichkeiten für Ausflüge mit dem Motorrad. Beliebte Routen entlang von Flusstälern, durch Mittelgebirge und über kurvige Landstraßen laden nicht nur bei gutem Wetter zu ausgedehnten Motorradtouren ein. Diese landschaftliche Attraktivität macht Nordrhein-Westfalen zu einem Hotspot für Freizeit-Motorradverkehr – sowohl bei Einheimischen als auch bei touristischen Besucherinnen und Besuchern. Gerade an Wochenenden und Feiertagen sind manche Strecken stark frequentiert, was neben dem Spaßfaktor auch eine erhöhte Unfallgefahr mit sich bringt. Neben der Verkehrssicherheit ist insbesondere der Motorenlärm für viele Anwohnerinnen und Anwohner eine Belastung. Einzelne Strecken oder Streckenabschnitte werden während der Saison bereits aus Sicherheitsgründen und wegen des Lärmschutzes für Motorradfahrer vollständig oder nur an Wochenenden und Feiertagen gesperrt.
An der Panoramastraße L 218 im Kreis Düren wird in einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt von Straßen.NRW aufgezeigt, wie mehr Sicherheit auf unseren Straßen ohne mehr Verbote und Vorschriften gelingen kann. Mittels innovativer Fahrbahnmarkierungen ist es gelungen, die Zahl der Unfälle auf der beliebten Strecke deutlich zu reduzieren. Das hat Vorbild-charakter für ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Konkret wurden optische Fahrbahnelemente eingesetzt, um die Aufmerksamkeit und das Fahrverhalten – insbesondere in Kurven – positiv zu beeinflussen. Die bisherigen Auswertungen zeigen: Die Maßnahme wirkt unfallpräventiv, ohne dabei die individuelle Mobilität oder den Fahrspaß einzuschränken. Solche smarten Ansätze verdienen eine landesweite Überprüfung und, bei entsprechender Eignung, eine breitere Anwendung in anderen Gefahrenbereichen.
Dieses erfolgreiche Pilotprojekt ist dazu geeignet, das Portfolio von Maßnahmen für mehr Sicherheit auf Straßen mit hohen Unfallzahlen von Motorradfahrenden zu ergänzen. So werden bereits an einigen Stellen sogenannte Rüttelstreifen oder Fahrbahnteiler eingesetzt, um die Sicherheit zu erhöhen. Dazu zählen ebenso Leitplanken mit Unterfahrschutz oder Anpralldämpfer, um Unfallfolgen zu mindern.
Um die Sicherheit für Motorradfahrende zu erhöhen, ist je nach Örtlichkeit und Unfallgeschehen seitens der zuständigen Stellen die passende Maßnahme auszuwählen. Hinzu tritt eine entsprechende Kontrolltätigkeit der Polizei. Im 2023 seitens der Landesregierung erarbeiteten “Verkehrssicherheitsprogramm Nordrhein-Westfalen 2030” (LT-DS Vorlage 18/2104) werden die verschiedenen Maßnahmen und das Vorgehen auf Strecken mit hohem Motorradverkehrsaufkommen beschrieben.
Darüber hinaus setzt die Landesregierung mit ihrer Initiative #sicherimstraßenverkehr bereits heute wichtige öffentliche Impulse für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Die Initiative bringt Akteure aus Politik, Verwaltung, Polizei, Verkehrswachten und Zivilgesellschaft zusammen und setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz: Prävention durch Aufklärung, gezielte Verkehrserziehung, technische Innovationen und infrastrukturelle Maßnahmen. Insbesondere durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen werden Risikogruppen direkt angesprochen – etwa junge Fahranfänger, ältere Verkehrsteilnehmer oder eben Motorradfahrende. Die positive Resonanz zeigt: Solche Initiativen haben großes Potenzial, wenn sie langfristig und ressortübergreifend gedacht werden. Diese wichtige Arbeit gilt es weiterzuführen.
II. Beschlussfassung
Der Landtag stellt fest:
- Um die “Vision Zero” zu erreichen ist es wichtig, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, insbesondere jedoch dort, wo Unfallschwerpunkte liegen.
- Insbesondere im Motorradverkehr sind die Unfallzahlen im vergangenen Jahr gestiegen.
- Rüttelstreifen, Fahrbahnteiler, Unterfahrschutz und Anpralldämpfer können je nach Örtlichkeit und Gefahrensituation sinnvolle Maßnahmen sein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
- Gerade zu Zeiten hohen Motorradverkehrsaufkommens sind gezielte Verkehrsüberwa-chungsmaßnahmen notwendig.
- Das Pilotprojekt an der L 218 im Kreis Düren hat Vorbildcharakter für vergleichbare Strecken, nicht nur in Nordrhein-Westfalen.
- Mit der Initiative #sicherimstraßenverkehr leistet die Landesregierung bereits wichtige Arbeit für mehr Sicherheit auf unseren Straßen.
Der Landtag beauftragt die Landesregierung aus vorhandenen Mitteln,
- die Ergebnisse des Pilotprojekts auf der L218 im Kreis Düren zu nutzen und auf eine breitere Anwendung in Nordrhein-Westfalen, insbesondere an Unfallschwerpunkten, hinzuwirken,
- sich im Bund dafür einzusetzen, dass die erprobte Fahrbahnmarkierung aus dem Pilotprojekt auf der L218 als Möglichkeit der Fahrbahnmarkierung in die StVO aufgenommen wird,
- bei weiteren Kommunen, Organisationen und Interessenverbänden für die Initiative #si-cherimstraßenverkehr zu werben,
- gemeinsam mit den Verkehrswachten verstärkt auf Fahrsicherheitstrainings aufmerksam zu machen,
- die im Verkehrssicherheitsprogramm Nordrhein-Westfalen 2030 aufgeführten Maßnahmen für Straßen mit hohem Motorradverkehrsaufkommen konsequent weiter zu verfolgen,
- die Maßnahmen zur Verkehrsüberwachung an gefährlichen Strecken kontinuierlich zu überprüfen und fortzuentwickeln.
