Eileen Woestmann (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Lieber Herr Dr. Maelzer, ich habe ein anderes Verständnis von der Arbeit, die wir hier leisten. Ich finde, das Gesetz ist bei uns in guten Händen.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU – Andrea Busche [SPD]: Das denken aber nur Sie! – Rodion Bakum [SPD]: Wer denkt das noch? – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Sie verstehen auch den Unterschied zwischen Regierung und Parlament nicht!)
Die ersten Jahre im Leben eines Kindes legen den Grundstein für den gesamten Lebensweg. Die Bildung und Erziehung in Kitas und von Tagespflegepersonen hat nachweislich das Potenzial, ungleichen Startchancen von Kindern entgegenzuwirken. Daher ist frühkindliche Bildung so viel mehr als nur Betreuung. Sie ist das Fundament, auf dem das weitere Leben aufgebaut wird.
Wir sehen, dass die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung immer größer werden. Diesen müssen wir begegnen. Dabei ist der Fachkräftemangel die zentrale Herausforderung, über die wir hier auch immer wieder gesprochen haben. Auch wenn ich es mir wünschen würde, können wir uns keine Fachkräfte backen.
Die Stärkung der Ausbildung sowohl für Kinderpfleger*innen als auch für Erzieher*innen ist daher gut und wichtig. Mit der Stärkung der Praxisanleitung wird sichergestellt, dass die Ausbildung für die Azubis gut begleitet werden kann und Fragen und vielleicht auch Unsicherheiten während der Ausbildung in einem verlässlichen Rahmen besprochen werden können. Denn unser Ziel muss klar sein: Wir brauchen so viele qualifizierte Fachkräfte wie möglich im System der frühkindlichen Bildung.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
Gleichzeitig muss aber auch die Verlässlichkeit der Kitas sichergestellt werden. Die kurzfristigen Nachrichten am Morgen wie „Heute findet leider keine Betreuung statt.“ sind für Eltern, Kinder und auch die Fachkräfte eine Herausforderung. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist so kaum umsetzbar. Kindern fehlt die Kontinuität und auf den Fachkräften lastet ein riesiger Druck. Für uns Grüne ist daher klar: Verlässlichkeit und Qualität gehören untrennbar zusammen.
(Beifall von den GRÜNEN – Britta Oellers [CDU])
Wir hören die Kritik von Eltern, Personal und Trägern. Deswegen werden wir in den kommenden Wochen den bereits bestehenden intensiven Dialog über das KiBiz mit den Akteur*innen der frühkindlichen Bildung fortführen. Uns verbindet, dass wir gute Aufwachsbedingungen für unsere Kinder in den Kitas haben wollen.
Als Sozialpädagogin und als Grüne nehme ich vor allem die Familien und Kinder in den Blick, die einen größeren Unterstützungsbedarf haben, um das Leben gut gestalten zu können. Mehrsprachigkeit, Armut, Inklusion – für diese gesellschaftlichen Zustände müssen die Kitas in unserem Land in Zukunft entsprechend ausgestattet sein. Durch die Einführung eines Kita-Sozialindexes sowie der Schaffung von Chancen-Kitas wird genau das gestärkt. Es freut mich sehr, dass wir in NRW zukünftig Ungleiches ungleich behandeln können, um ungleiche Startbedingungen zu reduzieren.
Ungleiches ungleich behandeln – das gilt auch für viele hundert Elterninitiativen in NRW. Es ist gut, dass das Kabinett hier auf die Rückmeldung der Verbände eingegangen ist und somit viele Einrichtungen weiterhin ihre wertvolle Arbeit leisten können.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
Ein zentrales Thema, über das wir hier in den vergangenen Jahren auch immer wieder diskutiert haben, ist die Frage der Finanzierung von Einrichtungen. Mit dem Gesetzentwurf bekommen die Träger hier das richtige und wichtige Signal: Wir als Land stehen verlässlich an eurer Seite. Eine Erhöhung des Kindpauschalenbudgets um 200 Millionen Euro in Form von Transformationskosten ist gerade in Zeiten knapper Kassen kein leichter Schritt, aber wir gehen ihn, weil Kinder und Familien in unseren Haushaltsplanungen Priorität haben. Mit der ersten Lesung des Gesetzentwurfes zum Kinderbildungsgesetz beginnen wir nun die parlamentarische Befassung. Ich freue mich darauf, die begonnenen Dialoge weiterzuführen. Wir stimmen der Überweisung an den Ausschuss selbstredend zu. – Vielen Dank.
