Dennis Sonne (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich trage diesen Redebeitrag in Vertretung der Kollegin Lena Zingsheim-Zobel vor.
Ich denke, dass wir alle einen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen wollen. Wir alle wollen akzeptiert werden und miteinander leben. Deshalb ist es wichtig, dass wir aufeinander achten und jedem Menschen die Chance geben, einen Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen. Niemand möchte in einer Position sein, in der sich Menschen gegen einen stellen, in der man aufgrund seiner Herkunft nicht akzeptiert wird. Ausgrenzung diskriminiert Menschen nicht nur, sondern demotiviert sie auch.
Das sieht die AfD wohl anders. Formulierungen wie „schädliche Diversitätsideologien“ geben einen ersten Vorgeschmack auf den Inhalt Ihres Antrags.
Die einwandfreie Beherrschung der deutschen Sprache wird als wichtigster Aspekt der Bildung dargestellt. Natürlich ist Sprache wichtig, denn sie ermöglicht Austausch, Teilhabe und Zukunftschancen.
(Dr. Christian Blex [AfD]: Grundvoraussetzung!)
– Hören Sie zu, Herr Kollege,
(Dr. Christian Blex [AfD]: Grundvoraussetzung!)
dann lernen Sie noch was.
Jedoch bedeutet Bildung noch viel mehr.
(Dr. Christian Blex [AfD]: Lesekompetenz!)
Wenn Schüler*innen die Schule abschließen, sollten sie gelernt haben, wie man in unserer Gesellschaft zurechtkommt, wie man sich mit anderen austauscht und wie man auf andere achtet.
(Dr. Christian Blex [AfD]: Auf Deutsch!)
Der Wunsch, Schüler*innen nach ihren Deutschkenntnissen zu trennen, widerspricht dem.
Die AfD-Fraktion spricht in ihrem Antrag von der Förderung von Parallelgesellschaften durch die Vernachlässigung der deutschen Sprache. Sehen Sie nicht, dass die andauernde Spaltung der Kinder und Jugendlichen der wahre Grund für die Bildung von Parallelgesellschaften ist?
Kinder mit Migrationshintergrund werden in Ihrem Antrag pauschal als Problem dargestellt.
(Dr. Christian Blex [AfD]: Meine Kinder haben auch einen! Was ein dummes Zeug! – Silvia Gosewinkel [SPD]: Noch schlimmer! – Zurufe von der CDU und den GRÜNEN)
Das ist nicht nur unfair, es ist falsch, genauso wie Ihre Kommentare von der rechten Bank.
(Beifall von den GRÜNEN, der SPD und Matthias Kerkhoff [CDU])
Viele dieser Kinder sind mehrsprachig, bereichern den Unterricht und bringen neue Perspektiven in unsere Gesellschaft ein. Vielfalt ist keine Schwäche; sie ist eine Stärke, wenn wir richtig mit ihr umgehen.
Die ABC-Klassen können uns dabei helfen. Sprachförderung vor der Einschulung ermöglicht Kindern einen erfolgreichen Schulstart unabhängig vom Elternhaus. Dabei werden nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, sondern alle, die Unterstützung benötigen, gefördert.
Ja, Sie haben richtig gehört: Nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund benötigen Unterstützung. Laut IT.NRW sprechen Stand 2024 nur 18,4 % der Schüler*innen in NRW zu Hause kein Deutsch. Und Achtung: Hier wird sogar nur auf den Anteil der Kinder mit Migrationsgeschichte geschaut. Jedoch wird bei 30 % der angehenden Schüler*innen insgesamt in NRW bei der Schulanmeldung ein zusätzlicher Bedarf an Sprachförderung festgestellt. Wer eins und eins zusammenzählen kann, merkt, dass dementsprechend auch eine Vielzahl von Kindern trotz deutschsprachiger Erziehung einen Anspruch auf Förderung haben sollte.
Aus diesem Grund halten wir es für richtig …
(Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD])
– Mit Statistiken und Wissenschaft haben Sie es auch nicht so.
(Dr. Christian Blex [AfD]: Als Mathematiker kenne ich mich da aus!)
Das machen Sie immer wieder deutlich.
(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU und der SPD – Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD])
Aus diesem Grund halten wir es für richtig, dass wir die ABC-Klassen in unsere Bildungslandschaft integrieren und dafür auch Ressourcen investieren. Die ABC-Klassen können die Grundlage für ein gerechtes Bildungssystem sein. Das heißt in Ihren Worten: Parallelgesellschaften werden verhindert.
Ich hoffe – auch wenn mein Wunsch wahrscheinlich unerfüllt bleibt –, dass Sie verstehen, dass Ihr Vorschlag genau das Gegenteil von dem bewirkt, was Sie in Ihrem Antrag als Ihr vermeintliches Ziel deklarieren. Ich hoffe, dass Sie einsehen, wie sinnvoll eine vielfältige Gesellschaft ist und wie sehr Sie die Umsetzung einer solchen blockieren.
Ehrlicherweise aber glaube ich, dass Ihr eigentliches Ziel die Schaffung von Parallelgesellschaften ist. Dieser Antrag wäre ein kleiner Schritt dahin. Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab. – Danke sehr.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD)
