Dagmar Hanses (GRÜNE): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Einen wunderschönen guten Morgen! Junge Menschen, die sich freiwillig engagieren und einsetzen, übernehmen Verantwortung. Sie übernehmen Verantwortung für Mitmenschen, für unsere Gesellschaft, für unsere gemeinsame Zukunft.
Genau dieses Engagement würdigen wir heute – in einer Zeit, in der junge Menschen massiv unter Druck stehen, Pflichtdienste diskutiert werden und hohe Anforderungen an junge Menschen gestellt werden. Das Engagement von Freiwilligendienstleistenden möchten wir mit diesem Antrag in den Mittelpunkt stellen.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, was junge Menschen für uns alle leisten. Freiwilligendienste sind weit mehr als nur ein Jahr zwischen Schule und Ausbildung oder Studium. Sie sind Bildungszeit, Orientierungsphase, Persönlichkeitsentwicklung und noch viel mehr.
Wer ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, einen Bundesfreiwilligendienst oder einen internationalen Freiwilligendienst leistet, sammelt nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern stärkt auch soziale Kompetenzen, Eigenverantwortung und gesellschaftliches Bewusstsein. Das prägt oft ein Leben lang. Viele Freiwilligendienstleistende erzählen im weiteren Verlauf ihres Lebens immer wieder von diesem Jahr.
Besonders erfreulich ist, dass sich jedes Jahr rund 100.000 junge Menschen in Deutschland freiwillig engagieren – etwa ein Fünftel davon in Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützen Pflegeeinrichtungen und Schulen, schützen unsere Umwelt, fördern Kultur oder unterstützen hier im Hohen Haus, zum Beispiel auch die konkrete Arbeit unserer Fraktion. Dieser Einsatz ist unverzichtbar für eine aktive Bürgergesellschaft.
Aber wir wissen auch, dass es Herausforderungen gibt. Wir beobachten einen leichten Rückgang bei der Inanspruchnahme der Plätze von Freiwilligendiensten. Wir sehen, dass einige gesellschaftliche Gruppen – wie Menschen aus Arbeiter*innenfamilien oder junge Menschen mit Migrationsgeschichte – noch nicht ausreichend in Freiwilligendiensten repräsentiert sind. Denn es kann sich nicht jeder einen Freiwilligendienst leisten: Für ein Jahr Vollzeit im Einsatz für die Gesellschaft gibt es nur ein Taschengeld – ja, so heißt es wirklich –, und das reicht nicht für den Lebensunterhalt. Um das leisten zu können, brauchen junge Menschen, die einen Freiwilligendienst übernehmen, einen hohen ideellen Anspruch. Deswegen müssen wir die Bedingungen für Freiwilligendienste Stück für Stück verbessern.
Von Freiwilligendienstleistenden hören wir, sie wünschten sich mehr gesellschaftliche Anerkennung. Genau hier setzt unser Antrag an. Ich bin sicher, dass wir mit Ministerin Schäffer eine hohe Wertschätzung für Freiwilligendienste erreichen können, weil auch ihr das ein Anliegen ist.
Wir sagen deutlich: Euer Engagement ist uns wertvoll. Es verdient Respekt und konkrete Wertschätzung im Alltag. Mit Maßnahmen wie der stärkeren Bekanntmachung des Freiwilligenausweises und dessen Gleichstellung etwa mit der Ehrenamtskarte bei Bibliotheken und Museen machen wir Anerkennung sichtbar und spürbar. Es lohnt sich also.
Ein Blick nach vorn: Wir möchten junge Menschen frühzeitig informieren, Hemmschwellen abbauen und neue Zugänge schaffen. Wer die Chancen eines Freiwilligendienstes kennt, kann sich bewusst dafür entscheiden. So stärken wir das Engagement über alle gesellschaftlichen Milieus hinweg. Freiwilligendienstleistende investieren Zeit, Energie und Herzblut in unsere Gesellschaft. Wir geben heute Anerkennung zurück und bieten Unterstützung sowie Perspektiven. Das ist richtig und ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen.
An dieser Stelle herzlichen Dank an alle jungen Menschen, die diese wichtige Aufgabe leisten. – Danke.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
