Der Streit um einen Auftritt der umstrittenen palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Düsseldorfer Kunstakademie im Januar war am heutigen Mittwoch Thema einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien im Landtag. Neben Vertretern der Jüdischen Gemeinde und der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Staatsministerin a.D. Sylvia Löhrmann, nahm auch die Rektorin der Kunstakademie, Professorin Donatella Fioretti, an der Sitzung teil.
„Die Düsseldorfer Kunstakademie hat trotz massiver und im Vorfeld bekannter Kritik an der umstrittenen Veranstaltung festgehalten. Jedes glaubhafte Engagement gegen Antisemitismus in Nordrhein-Westfalen wird durch solche Veranstaltungen konterkariert. Das Ansehen der Kunstakademie hat durch das Verhalten der Rektorin Schaden genommen – es wäre ihre Verantwortung gewesen, diesen zu verhindern. Wir haben kein Verständnis für ihr Verhalten“, sagen die kulturpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen von Grünen und CDU, Frank Jablonski (Grüne) und Heike Wermer (CDU).
Frank Jablonski: „Wir hätten uns eine klarere Distanzierung und Haltung vonseiten der Hochschulleitung gewünscht. Frau Fioretti hat die Chance verpasst, klarer zu sagen, welche Konsequenzen sie aus den letzten Wochen zieht, um in Zukunft allen Studierenden, auch jüdischen und israelischen, einen sicheren Raum zu bieten, an Veranstaltungen teilzunehmen. In der heutigen Sondersitzung sind viele unserer Fragen weiterhin offen geblieben und wurden von der Rektorin nicht zufriedenstellend beantwortet, beispielsweise die Frage, weshalb die Presse von der Veranstaltung ausgeschlossen wurde. Leider wurde weder vor noch nach der Veranstaltung der Dialog gesucht. Was bleibt, ist ein beschädigtes Vertrauensverhältnis zwischen der jüdischen Gemeinde und der Kunstakademie Düsseldorf, im schlimmsten Fall sogar ein Verlust des öffentlichen Rufs der Kunstakademie – und damit auch des Kunststandorts Nordrhein-Westfalen.“
Heike Wermer: „Während die Akademie auf die Kunstfreiheit verweist, bewertet die Jüdische Gemeinde die Positionen der Künstlerin als antisemitisch. Wir stehen klar an der Seite der jüdischen Gemeinde. Die Kunstfreiheit ist selbstverständlich und wird an keinem Punkt infrage gestellt, ebenso wenig wie die Wissenschaftsfreiheit. Es geht hier aber nicht um Kunstfreiheit und auch nicht um einen Eingriff in die Hochschulautonomie, sondern um Verantwortung. Die freie Meinungsäußerung ist das Herz der Demokratie und die Kunstakademie ein Ort der offenen Debatte. Künstlerische Freiheit hat genau wie die eines jeden Menschen und die von Institutionen auch Grenzen. Diese Grenze ist überschritten worden. Kunst- und Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass Antisemitismus relativiert werden darf.
Wenn Künstler sich zu Politik äußern, müssen sie damit leben, wenn das von anderen kritisiert wird. Wenn Vertreter der jüdischen Gemeinde antisemitische Narrative sehen, darf das nicht relativiert oder umgedeutet werden. Hier braucht es Klarheit, Sensibilität und Verantwortung. Hochschulleitung bedeutet auch, Haltung und Führung zu zeigen. Wer selbst von Pluralität spricht, darf den Dialog nicht verweigern. Der Versuch, Brücken zu schlagen, hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Deshalb bin ich dankbar für die heutige Sondersitzung, die wir beantragt haben, um die Vorwürfe zu diskutieren und Professorin Fioretti die Möglichkeit zu geben, sich öffentlich zu erklären. Es ist es gut, dass sie der Aufforderung von Ministerin Ina Brandes gefolgt ist und im Ausschuss zu Gast war.
Ich begrüße, dass Professorin Fioretti heute ausgedrückt hat, dass sie die Positionen von Basma al-Sharif nicht teilt und dass sie den Austausch mit der jüdischen Gemeinde früher hätte suchen sollen – leider aber erst auf Nachfrage. Ich hätte mir eine deutlichere Distanzierung gewünscht und bedauere sehr, dass sie auch nach dem heutigen Austausch nicht zu dem Schluss kommt, dass sie eine andere Entscheidung zu der Veranstaltung hätte treffen sollen.“
