Lena Zingsheim-Zobel (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lehrkräfte betreiben tagtäglich einen enormen Aufwand, um Schulen für die Schülerinnen und Schüler gerechter zu machen. Ja, Lehrkräfte brauchen Entlastung. Doch kann eine KI diese Last wirklich nehmen, oder entstehen dadurch bei aktuellen Herausforderungen nicht noch mehr Hürden und Herausforderungen?
Ich finde es ehrlicherweise schade, dass wir, wenn wir über Entlastung für Lehrkräfte durch KI sprechen, zuallererst von Klausuren und Klassenarbeiten reden. Der Lehrkräftejob ist doch bei Weitem sehr viel mehr als das Korrigieren von Klassenarbeiten und Klausuren.
(Beifall von den GRÜNEN und Annika Fohn [CDU] – Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP])
Während die FDP fordert, dass nun Klassenarbeiten und Klausuren mit KI vorkorrigiert werden sollten, ist die Nutzung von KI immer noch eine Herausforderung für Lehrkräfte. Dafür wurde die Initiative KI-Skilling für Lehrkräfte auf den Weg gebracht. Um Lehrkräfte hier flächendeckend und strukturell zu stützen, muss diese Maßnahme aber erst einmal Wirkung entfalten. Natürlich geht das bei einem so weiten und komplexen Thema wie KI nicht von jetzt auf gleich. Mit telli und KIMADU ermöglichen wir einen sicheren und kontrollierten Einstieg von KI in den Schulbereich – so weit, so gut.
Lassen Sie uns nun einen detaillierten Blick auf den Antrag werfen. Die FDP fordert in ihrem Antrag eine KI, die einen Standardkorrekturprozess haben soll.
Erstens. Die FDP behauptet, durch eine KI-Erstkorrektur würde das Vertrauen in die Leistungsbewertung gesteigert werden. Kurz darauf erwähnt sie aber auch, dass Schülerinnen und Schüler ein Recht auf zusätzliche menschliche Überprüfung hätten und dies gegebenenfalls einfordern könnten.
(Franziska Müller-Rech [FDP]: Ja, warum denn nicht?)
Bei einer stichpunktartigen Überprüfung der Lehrkräfte zum Ergebnis der KI könnten wir aber doch gar nicht sicherstellen, dass eine auf die Klausur angepasste Leistungsbewertung entsteht.
Liebe FDP, diese Einschätzung dient übrigens nicht nur der Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler, sondern auch dafür, darauf aufbauende Fördermaßnahmen zu entwickeln.
(Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP])
Diese wichtige Diagnosemöglichkeit würde bei einer stichpunktartigen Überprüfung einzelner Klausuren komplett wegfallen.
Zweitens. Wie können wir überprüfen, dass die Lehrkräfte schlussendlich die Note bestimmen? Wenn eine KI schon den Großteil der Arbeit übernimmt und so mit einer Erstkorrektur die Lehrkräfte beeinflusst, wie können wir dann von einer gerechteren Leistungsbewertung ausgehen? Auch wenn Künstliche Intelligenz immer besser wird, können wir ihr momentan trotzdem nicht völlig vertrauen. Die KI müsste Punkte wie Verständlichkeit, Wirkung, Abhängigkeit und Sortierung analysieren und bewerten.
(Franziska Müller-Rech [FDP]: Kann die alles!)
Das sind Dinge, die nur eine Lehrkraft kann.
(Franziska Müller-Rech [FDP]: Nein!)
Zu behaupten, dass die KI objektiver als eine Lehrkraft bewerten könne, ist gefährlich, auch wenn eine KI beispielsweise wiederkehrende Schriftbilder erkennen wird. Zudem dürfen wir nicht die fachliche Kompetenz unserer Lehrkräfte unterschätzen. Sie berücksichtigen Nachteilsausgleiche und bisherige Bildungsverläufe der Schülerinnen.
Drittens; das ist der Hauptpunkt. Wir wollen Schulen modern machen. Ja, aber das bedeutet für mich und für uns nicht, dass Klassenarbeiten und Klausuren von der KI korrigiert werden, sondern dass wir Prüfungsformate einführen, welche der modernen Realität entsprechen.
(Franziska Müller-Rech [FDP]: Genau!)
Schüler*innen sollen eine offene Lernkultur erfahren, die Kindern und Jugendlichen einen individuellen Weg ermöglicht. Anstatt einer klausurkorrigierenden KI brauchen wir verbesserte Prüfungsformate, die sich an die Lernenden und deren Entwicklung anpassen. Wir ebnen den Weg dafür mit neuen Prüfungsformaten in der Oberstufe. Das muss weitergedacht werden.
Es gibt viele Möglichkeiten, um Lernen zeitgemäßer zu gestalten und Lehrkräfte zu entlasten. KI kann da eine Menge bewirken und auch ein wichtiger Aspekt im nordrhein-westfälischen Schulsystem sein. Ich freue mich sehr auf eine spannende Debatte im Ausschuss. Wir stimmen der Überweisung natürlich zu.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
