Norika Creuzmann: „Hilfe muss erreichbar sein, schnell und wohnortnah“

Zum Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen im Landtag zu Kinderschutzambulanzen

Portrait Norika Creuzmann

Der Antrag „Die Kinderschutzambulanzen als eine Säule im Kinderschutzsystem stärken und Betroffene entlasten“

Norika Creuzmann (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Kinderschutz ist kein abstraktes Politikfeld. Es geht um Kinder, die Gewalt erlebt haben, um Kinder, die misshandelt, vernachlässigt oder sexuell missbraucht werden, und es geht um unsere Verantwortung, diesen Kindern schnell und wirksam zu helfen.

Ein zentraler Baustein im Gesamtbild des Kinderschutzes in Nordrhein-Westfalen sind die medizinischen Kinderschutzambulanzen. Nordrhein-Westfalen – der Kollege hat es gerade auch schon erwähnt – ist im Kinderschutz bereits gut aufgestellt. Wir haben in den vergangenen Jahren wichtige Strukturen geschaffen und weiterentwickelt.

Aber die aktuellen Entwicklungen zeigen auch: Wir müssen noch besser werden, wenn wir Kinder künftig wirksam schützen und auffangen wollen. Nicht zuletzt haben auch die erschütternden Fälle sexualisierter Gewalt – unter anderem im Bereich des Erzbistums Paderborn – deutlich gemacht, wie wichtig funktionierende, verlässliche und professionelle Kinderschutzstrukturen sind. Denn die Anforderungen steigen: über 4.500 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern allein im Jahr 2025 in Nordrhein-Westfalen – mit steigender Tendenz. Und wir wissen: Das Dunkelfeld ist deutlich größer.

Gerade deshalb sind die Kinderschutzambulanzen so wichtig. Dort wird hochspezialisierte Arbeit geleistet: interdisziplinär, sensibel und rechtssicher. Hier werden Verletzungen dokumentiert, Verdachtsfälle abgeklärt und Hilfen eingeleitet. Kurz gesagt: Hier entscheidet sich oft, ob Schutz rechtzeitig greift.

Umso unverständlicher ist es, dass genau dieser Bereich strukturell unterfinanziert ist. Die Realität ist: Ein erheblicher Teil der Arbeit in den Kinderschutzambulanzen wird heute nur durch überdurchschnittliches Engagement der Fachkräfte getragen.

Ich habe verschiedene Kinderschutzambulanzen besucht und dort mit Mediziner*innen und weiterem Fachpersonal gesprochen. Von ihnen wird unglaublich viel Menschliches geleistet. Hier wird allen Betroffenen ein wahnsinnig wichtiger Dienst erwiesen, ohne dass großes Aufheben darum gemacht wird. Die Vergütung insbesondere im ambulanten Bereich bildet den tatsächlichen Aufwand häufig nicht ab. Das ist kein tragfähiger Zustand. Denn Kinderschutz darf nicht vom Idealismus Einzelner abhängen. Kinderschutz braucht verlässliche Strukturen.

Nordrhein-Westfalen geht hier bereits voran. Wir fördern die Kinderschutzambulanzen und bauen diese Unterstützung weiter aus. Das ist richtig. Aber wir müssen den nächsten Schritt gehen.

Deshalb fordern wir mit diesem Antrag, die Finanzierung kinderschutzmedizinischer Leistungen grundlegend zu verbessern. Wir brauchen eine realistische Abbildung dieser Leistungen im Gesundheitssystem, insbesondere im ambulanten Bereich. Konkret heißt das: Eigene abrechenbare Leistungen oder Fallpauschalen, die den tatsächlichen Zeit- und Personalaufwand berücksichtigen. Und das ist bei Kindern ein deutlich anderer Aufwand als bei Erwachsenen.

Wir setzen einen klaren Maßstab: ambulant vor stationär. Es darf keine finanziellen Fehlanreize geben, die dazu führen, dass Kinder stationär aufgenommen werden, obwohl eine ambulante Versorgung oft möglich und in den meisten Fällen auch sinnvoller wäre.

Gleichzeitig müssen wir das Netz der Kinderschutzambulanzen weiterentwickeln. Hilfe muss erreichbar sein, schnell und wohnortnah.

Außerdem müssen wir die Zusammenarbeit der beteiligten Systeme weiter stärken: Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Polizei und Justiz.

Meine Damen und Herren, wir haben im Kinderschutz bereits viel erreicht. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Wenn sich Herausforderungen verändern, müssen sich auch unsere Strukturen weiterentwickeln. Genau darum geht es in diesem Antrag: Wir stärken einen zentralen Baustein im Kinderschutzsystem. Wir entlasten die Fachkräfte. Wir sorgen dafür, dass Kinder in Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft bestmöglich geschützt und aufgefangen werden. – Danke schön.

(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)

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