Marc Zimmermann: „Nicht nur Bildungswege sollten gleichwertig sein, sondern auch die Menschen in den Betrieben“

Zum Antrag der "AfD"-Fraktion zur Fachkräftesicherung

Portrait Marc Zimmermann

Marc Zimmermann (GRÜNE): Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Bereits vor über drei Jahren habe ich an gleicher Stelle zum Thema „Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung“ meine erste Rede gehalten. Mit meiner vierten Rede haben wir dann den Antrag zur Fachkräfteoffensive eingebracht und ein ressortübergreifendes Zusammenspiel gefordert. Es folgten diverse Aufschläge zur Fachkräftesicherung in vielen relevanten Bereichen.

Dies hat in den vergangenen Jahren zu erheblichen Veränderungen beim Übergang von Schule in Beruf geführt. „Ausbildungswege NRW“ zum Beispiel holt die Schülerinnen und Schüler ab und bringt sie zielgerichtet in Betriebe, anstatt ein weiteres Jahr auf der Schulbank im Berufskolleg zu verbringen.

KAoA brauche ich nicht noch einmal zu erwähnen; das hat Frau Kollegin Fuchs-Dreisbach gerade schon ausgeführt.

Die dieses Jahr eingeführten Ferienpraktika waren sowohl für die teilnehmenden Betriebe als auch für die Schülerinnen und Schüler ein voller Erfolg. Über 80 % der Betriebe wollen sich in diesem Jahr wieder bewerben.

Wir haben den Meister- und Meisterinnenbrief durch die Meisterprämie noch attraktiver gemacht.

Wir setzen uns vehement für die Stärkung von Frauen in Selbstständigkeit ein und geben besondere Konditionen für Gründungen von Frauen in als männlich angesehenen Berufszweigen.

Wir setzen uns für eine bessere Versorgung von schwangeren Selbstständigen ein: zum Schutz von Mutter und Kind sowie zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen.

Das Projekt „Starke Frauen. Starkes Handwerk“ war heute mit einem Stand im Hause; da hätten Sie mit den Betroffenen gut sprechen können.

Sie, liebe AfD, haben mit diesem Antrag wieder einmal nichts Besseres zu tun, als das alles schlechtzureden und zu behaupten, es würde nichts gemacht. Meine Auflistung, die tatsächlich noch sehr unvollständig ist, zeigt ein anderes Bild.

„Gleichwertigkeit und Attraktivität von Ausbildung“, was ein Kernthema Ihres Antrags ist, entsteht aber nicht durch solche Maßnahmen allein. Gleichwertigkeit muss in unser aller Köpfen entstehen – auch in Ihrem; denn Sie zeigen mit diesem Antrag, dass Sie noch nicht begriffen haben, welche Chancen in einer handwerklichen Ausbildung liegen. Sie reduzieren die Ausbildung in Ihrem Antrag auf die Möglichkeit einer Betriebsübernahme und auf den Meister oder die Meisterin, wobei Sie Letztere sicher in erster Linie nicht mitgedacht haben.

Dabei gibt es so viel mehr. Wie wäre es mit einem Betriebswirt im Handwerk, berufsnahen Studiengängen, Weiterbildungen und Spezialisierungen oder internationalen Meister*innen, um nur ein paar Aspekte zu nennen?

Eines will ich noch festhalten, weil es gerade für Menschen Ihrer Partei leider nicht selbstverständlich ist: So wie die Bildungswege gleichwertig sein sollten, so sollte auch die Herkunft der Mitarbeitenden keine Rolle spielen. Deshalb setzen wir uns auch für eine Anerkennung ausländischer Abschlüsse ein und unterstützen mit einer internationalen Fachkräfteagentur aktiv die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland. Denn nicht nur Bildungswege sollten gleichwertig sein, sondern auch die Menschen in den Betrieben.

Wir lehnen den Antrag ab. – Danke.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU)

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