Das heute im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Brücke“ (PUA III) thematisierte Schiedsgutachten zur Rheinbrücke Leverkusen bestätigt erneut: Die von der Baufirma PORR gelieferten Stahlbauteile waren fehlerhaft. Rund ein Drittel der Kopfbolzendübel seien nicht korrekt gefertigt worden, an vielen Schweißnähten habe man erhebliche Mängel festgestellt. Bereits frühere Untersuchungen hatten gravierende Mängel bei der Verarbeitung der Stahlsegmente aus China festgestellt, die weder den deutschen Normen noch den vertraglichen Anforderungen entsprachen. Der damalige Bauherr Straßen.NRW entschied sich vor diesem Hintergrund für den sichersten Weg, akzeptierte die mangelhaften Bauteile nicht und kündigte den Vertrag mit der Baufirma PORR. Dazu erklären Dr. Jörg Geerlings, Sprecher der CDU-Fraktion im PUA III, und Marc Zimmermann (Grüne), Mitglied im PUA III:
Marc Zimmermann: „Die heutigen Zeugenaussagen bestätigen, dass es eine hohe Zahl an Mängeln an den Bauteilen gab. Dies hat auch der CEO der Porr AG eingeräumt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Auftraggeber mit der Vertragserfüllung unzufrieden waren. Selbst wenn die einzelnen Mängel grundsätzlich behebbar waren und die Porr AG entsprechende Nachbesserungen vorgenommen hätte, so hätte man aufgrund der schieren Anzahl der Mängel wohl kaum mehr von Neubauteilen mit entsprechenden Laufzeiten sprechen können. Die Auftraggeber mussten aber genau diese Langlebigkeit der Bauteile im Blick behalten, um zukünftige Probleme und finanzielle Belastungen bestmöglich auszuschließen. Die Kündigung des Bauvertrags aus wichtigem Grund war das bedauerliche, aber alternativlose Ergebnis eines sorgfältig durchgeführten Abwägungsprozesses, bei dem das Wohl der Allgemeinheit immer im Vordergrund stand.”
Dr. Jörg Geerlings: „Die Bauteile für die Leverkusener Brücke waren fehlerhaft. Darüber sind sich alle Gutachten einig. Der einzige Streitpunkt ist, ob man sie hätte reparieren können. Ein Zeuge bekräftigte heute: Jede Schweißarbeit zur Nachbesserung der Stahlteile verschlechtert ihre Qualität und Haltbarkeit. Straßen.NRW hat damals die einzig richtige Entscheidung getroffen: Sicherheit vor Risiko. Nach den Erfahrungen mit der alten Leverkusener Brücke hätte niemand verstehen können, wenn man bei einer zentralen Verkehrsader unseres Landes auf unsichere Experimente setzt. Unverständlich bleibt vielmehr, wie ein internationaler Baukonzern überhaupt mangelhafte Stahlteile in China produzieren und Richtung Baustelle schicken konnte. Hier hat das Qualitätsmanagement von PORR komplett versagt. Wer Brücken für Millionen Menschen baut, muss höchste Standards liefern – und zwar von Anfang an.“
