Tourismus in Nordrhein-Westfalen durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit stärken

Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen im Landtag

Portrait Jan Matzoll

I. Ausgangslage

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nordrhein-Westfalen. Mit einem Konsum­volumen von 45,9 Mrd. Euro trägt der Tourismussektor 4,8 Prozent zur gesamten Wirtschafts­leistung des Landes bei und bietet 650.000 Arbeitsplätze. Als Bundesland ist Nordrhein-West­falen nach Bayern das zweitbeliebteste Reiseziel in Deutschland. Die Herausforderungen der Branche sind jedoch groß: Es bestehen enorme Transformationsbedarfe in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Die Tourismusbranche steht vor enormen Herausforderungen, die teilweise auch aus Folgen der Corona-Pandemie resultieren, da durch Umsatzeinbußen Investitionen nicht getätigt wer­den konnten und finanzielle Reserven eingesetzt werden mussten. Die digitale und nachhal­tige Transformation ist entscheidend für die Stabilisierung der Branche, um Wettbewerbsfä­higkeit wiederherzustellen und den Kontakt zwischen Unternehmen und Kundinnen und Kun­den zu erleichtern.

Digitalisierung der Tourismus-Branche

In diesem Zusammenhang ist entscheidend, dass Informationen über das Reiseland NRW die Kundinnen und Kunden erreichen. Die Digitalisierung bietet hierbei viele Möglichkeiten. Open Data stellt einen zentralen Ansatzpunkt dar, um Daten über touristische Angebote frei zugäng­lich zu machen und Informationen gebündelt zur Verfügung zu stellen. Mit dem Data Hub NRW, das mit EU- und Landesmitteln gefördert wurde, wurde dazu bereits ein wichtiger Grund­stein gelegt. Die offen-lizenzierten Daten des Data Hub NRW sind frei für die Regionen und auch für Dritte zugänglich. Sie ermöglichen den Austausch sowie die Vernetzung von touristi­schen Daten innerhalb von Nordrhein-Westfalen und schaffen die Voraussetzungen für groß­flächigen und zielgerichteten Einsatz von KI. Offene, vernetzte Datenstrukturen bieten zugleich die Chance, eigene landesweite touristische Plattformen zu stärken und unabhängiger von großen internationalen Anbietern zu werden. So kann die regionale Wertschöpfung gestärkt, kleine und mittlere Betriebe sichtbar gemacht und nachhaltige, faire Tourismusangebote ge­fördert werden.

Zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen nutzen bereits die offenen Daten des Data Hub NRW. Der neue Erlebnisplaner der Landesregierung NRWow, ist zudem die erste Anwendung, die Open Data und KI kombiniert. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ermöglicht das Tool eine unkomplizierte und passgenaue Reiseplanung auf Basis von über 80.000 geprüften Daten – von Sehenswürdigkeiten über Aktivitäten bis hin zu praktischen Tipps. Damit wird das Erleben von den schönsten Ecken in Nordrhein-Westfalen fit für die digitale Zukunft gemacht. Vor allem kleinere Anbieter werden durch NRWow sichtbarer.

NRWow existiert jedoch nur in Form einer Web Browser Version. Dabei bieten gerade Apps den Kundinnen und Kunden den notwendigen Komfort, um sich mit Angeboten kurzfristig und mobil auseinanderzusetzen. Die sich abzeichnende Vielzahl von Angeboten kann mit einer Bündelung in einer App deutlich vereinfacht werden. Daher soll gemeinsam mit Tourismus NRW e.V. eine Tourismus-App, über die touristische Dienstleistungen gebucht und Reisepla­nungen vorgenommen werden können, entwickelt werden. Der mobile Reiseplaner NRWow soll in die App integriert sein.

Dabei sollte die digitale Souveränität des Landes gestärkt werden. Idealerweise führt dies gleichzeitig zu einer Stärkung regionaler Unternehmen und Initiativen. Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz sollte auf Transparenz geachtet werden. Darüber hinaus ist es essen­ziell, digitale Angebote barrierearm und intuitiv zu gestalten, damit alle Menschen – unabhän­gig von Alter, Einschränkungen oder technischer Ausstattung – teilhaben können. Aber auch analoge Informationswege sollten erhalten bleiben, um insbesondere ältere Menschen oder Personen ohne Smartphone den Zugang zu touristischen Angeboten zu ermöglichen.

Durch die fortschreitende Digitalisierung können Unternehmen effizienter werden. Vor allem Künstliche Intelligenz kann hier einen Beitrag zur Überwindung von Personalengpässen und zur Effizienzsteigerung von Angeboten leisten. Die Weiterentwicklung des Data Hub NRW zum KI-Hub im Rahmen des Projekts „Tourismus Data Intelligence Initiative NRW“ des Vereins Tourismus NRW e.V. schafft eine wichtige Grundlage für die Fortentwicklung der digitalen Transformation im Tourismussektor. Neben dem Bedarf an finanzieller Förderung und techni­scher Unterstützung, besteht auch ein großer Bedarf an Evaluierung und Beratung.

Bürokratieabbau und Verfahrensbeschleunigung in Verwaltungsprozessen

Schließlich sieht sich der Tourismus mit einer Vielzahl von Dokumentations- und Informations­pflichten sowie teils umfangreichen Verwaltungsverfahren konfrontiert. Diverse Dokumentati­onspflichten stellen eine hohe Qualität, beispielsweise im Lebensmittel- und Hygienebereich und gute Sozialstandards sicher, nehmen aber von den Unternehmen in der Branche entspre­chend viel Zeit und Personalressourcen in Anspruch. Daher sollten Potenziale für gezielten Bürokratieabbau identifiziert und solche Pflichten abgebaut werden, wo sie nicht zwingend für die Erfüllung der hohen Standards notwendig sind, für die die Tourismusbranche in NRW von den Gästen geschätzt wird. Hierbei sind insbesondere die Bedürfnisse von kleinen und mittle­ren Betrieben in den Blick zu nehmen. Digitale Verfahren und Once-Only Prinzipien, wie sie derzeit im WirtschaftsServicePortal.NRW deutlich ausgeweitet werden sollen, können eine deutliche Entlastung bringen.

Nordrhein-Westfalen bietet mit dem Wirtschafts-Service-Portal.NRW eine Gewerbe-Anmelde-Service aus einer Hand an und trägt somit zur Vereinfachung des Gründungsprozesses bereits entscheidend bei. Diesen Service gilt es als umfassenden One-Stop-Shop weiterzuentwickeln, damit Betriebe insgesamt eine zentrale Anlaufstelle für digitale Verwaltungsleistungen haben.

Nachhaltigkeit

Auch im Bereich Nachhaltigkeit lassen sich Transformationsbedarfe für die Tourismusbranche identifizieren. Durch Erhalt und Pflege der Natur sowie durch Klimaanpassungsmaßnahmen lässt sich langfristig die Attraktivität für Touristinnen und Touristen aufrechterhalten – insbe­sondere für diejenigen, die gezieltes Naturerleben und Erholung suchen. Naturschutz, Klima­anpassung und Regionalentwicklung gehen dabei Hand in Hand. Insbesondere National- und Naturparke erweisen sich als wahre Besuchsmagnete und setzen vielfältige Angebote für nachhaltiges Naturerleben um. Gerade diese wetterabhängigen Besucherströme können spontan recht große Ausmaße annehmen und bedürfen einer entsprechenden Lenkung, um die Natur möglichst zu schonen. Entscheidend ist außerdem, dass die Besucherinnen und Besucher eine gewisse Wertschätzung für die Natur mitbringen, in der sie Erholung suchen. Umweltbildung bzw. Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, bereits im Kinder- und Jugendalter Freude an und Wertschätzung für unsere natürliche Umgebung zu vermitteln und erlebbar zu machen.

Neben verbessertem Klimaschutz im eigenen Betrieb kann im Gastgewerbe auch den verän­derten Konsumbedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher Rechnung getragen wer­den, die zunehmend Wert auf nachhaltigen Konsum legen. Dabei können sich die Betriebe am Rahmen der Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) orientieren und selbst zur Zielerreichung beitragen. Das im Rahmen von EFRE geförderte Projekt “Nachhaltigkeitswerkstatt NRW” hat das Ziel, Nachhaltigkeit für den Tourismus zu operationalisieren und strategische Leitlinien zu definieren. So sollen unter anderem eine touristische Nachhaltigkeitsagenda für NRW erstellt, Transformationsprozesse auf Destinationsebene unterstützt und zielgruppengerechte Kom­munikation nachhaltiger Tourismusprodukte gewährleistet werden. Neben ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit ist dabei vor allem auch soziale Nachhaltigkeit wichtig, die si­cherstellt, dass die Wertschöpfung bei den Menschen vor Ort ankommt und regionale Identi­täten bewahrt und gefördert werden.

Durch eine Stärkung der Regionalität bei Auswahl von Vorprodukten sowie Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette können Ökologie und Ökonomie sinnvoll verbun­den werden und die regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Ebenfalls überzeugt die Kenn­zeichnung von Produkten z. B. in Gaststätten als „regional“ die Nachfrage bei den Touristinnen und Touristen, denn diese wollen beim Besuch einer Destination die dortige Kultur und lokale Spezialitäten erleben, um einen möglichst authentischen Eindruck der Region zu erhalten.

II. Beschlussfassung

Der Landtag stellt fest:

  • Ein nachhaltiger, vernetzter und digitalisierter Tourismussektor bietet Chancen für die nordrhein-westfälische Wirtschaft, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und zukunfts­fähige Strukturen zu schaffen.
  • Open Data ist ein zentraler Ansatzpunkt, um touristische Angebote zu bündeln und zu­gänglich zu machen, sowohl für Anbieterinnen und Anbieter als auch für Besucherinnen und Besucher.
  • Offene Datenstrukturen können regionale Plattformen stärken und die Abhängigkeit von großen internationalen Anbietern verringern, um Wertschöpfung und Wettbewerbsfähig­keit im Land zu sichern.