I. Ausgangslage
Kultur ist ein zentraler Bestandteil der Lebensqualität in ländlichen Räumen Nordrhein-Westfalens. Sie stiftet Identität, schafft Begegnung und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unter ländlichen Räumen werden dabei jene Regionen und Kommunen verstanden, die außerhalb der hochverdichteten urbanen Zentren liegen und in denen kulturelle Angebote maßgeblich durch lokale Initiativen und ehrenamtliches Engagement getragen werden.
Gemeinsame kulturelle Veranstaltungen – von Dorffesten über Konzerte und Theateraufführungen bis hin zu interkommunalen Projekten – sind zentrale Momente der Begegnung. Sie fördern den Dialog, stärken das Gemeinschaftsgefühl und wirken der Vereinsamung entgegen. Gerade in ländlichen Räumen bieten kulturelle Aktivitäten verlässliche Anlässe für soziale Teilhabe und sind damit ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Einsamkeit. Kultur schafft Netzwerke und fördert den Dialog zwischen Generationen sowie unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.
Eine tragende Säule der kulturellen Arbeit in ländlichen Räumen ist das ehrenamtliche Engagement. Unzählige Bürgerinnen und Bürger bringen ihre Zeit, ihre Kompetenzen und ihre Leidenschaft ein, um kulturelle Angebote zu ermöglichen, zu organisieren und weiterzuentwickeln. Ohne dieses Engagement wären zahlreiche Veranstaltungsformate nicht denkbar. Dieses Engagement verdient Anerkennung und gezielte Unterstützung und allen Akteurinnen und Akteuren gebührt unser Dank.
Zur Stärkung des Engagements vor Ort haben sich niedrigschwellige und bürokratiearme Förderinstrumente bewährt, beispielsweise die Europa-Schecks. Sie ermöglichen Vereinen, Organisationen und Initiativen eine unkomplizierte, niederschwellige finanzielle Unterstützung. Für kulturelle Veranstaltungen fehlt bislang eine vergleichbare Fördermöglichkeit, die insbesondere kleinere Projekte schnell, unbürokratisch und ohne hohen Verwaltungsaufwand unterstützt.
Da Kultur einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und kultureller Vielfalt leistet, soll mit der Einführung von Kultur-Schecks ein solches niedrigschwelliges Förderinstrument geschaffen werden, das kulturelles Engagement in ländlichen Räumen gezielt stärkt. Bei der Einführung von Kultur-Schecks ist darauf zu achten, dass die Umsetzung
bürokratiearm, also ohne komplexe Förderkriterien und Jury-Verfahren, und durchgängig digital erfolgt. Das grundsätzliche Ziel der Landesregierung, einen Aufwuchs von Förderprogrammen zu vermeiden, gilt nach wie vor. Daher sollte geprüft werden, wie in Zukunft bestehende Fördermaßnahmen und die Kultur-Schecks zusammengeführt werden können.
I. Beschlussfassung
Der Landtag stellt fest:
- Kultur ist ein zentraler Faktor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe in ländlichen Räumen.
- Kulturveranstaltungen in ländlichen Räumen benötigen niedrigschwellige und unbürokratische Unterstützungsmöglichkeiten.
- In diesem Zusammenhang haben sich die sogenannten Dritten Orte als erfolgreiches kulturpolitisches Instrument bewährt.
- Mit dem Regionalen Kulturprogramm (RKP) verfügt Nordrhein-Westfalen über ein etabliertes und bewährtes Förderinstrument, das gezielt regionale und kommunenübergrei-fende Kulturentwicklung unterstützt.
Der Landtag fordert die Landesregierung auf, aus bereiten Mitteln
- eine niedrigschwellige, durchgängig digitalgestützte und bürokratiearme Unterstützung von Kulturveranstaltungen in ländlichen Räumen in Form von Kultur-Schecks bereitzustellen;
- die Einführung der Kultur-Schecks zunächst auf ländliche Räume zu konzentrieren und auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen eine perspektivische Ausweitung auf ganz Nordrhein-Westfalen zu prüfen.
