Norwich Rüße (GRÜNE): Herr Präsident! Liebe Damen und Herren! Herr Schalley, ich antworte Ihnen einmal. Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass solche Menschen wie Sie Misstrauen, Zweifel in die Gesellschaft reinsäen. Genau das ist in Großbritannien auch passiert. Da ist entgegen wissenschaftlicher Erkenntnis behauptet worden, die Milch sei ungenießbar. Es haben Menschen die Milch in den Ausguss gekippt und behauptet, die sei nun giftig. All das entspricht nicht den Tatsachen. Das ist das Problem, dass Menschen wie Sie so etwas auch noch hier im Parlament machen.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD – Zuruf von Christian Loose [AfD])
Es gibt drei Punkte, die man zu Ihrem Antrag sagen muss.
Erstens. Ja, Landwirtschaft hat einen Anteil am Klimawandel, und deshalb hat Landwirtschaft auch die Aufgabe, ihren Anteil dazu beizutragen, die Emissionen zu senken. Das nimmt die Landwirtschaft auch als Aufgabe an.
Zweitens. Wer sich wie Sie an Quellen wie Blackout News, die Sie zitiert haben, entlanghangelt,
(Beifall von Julia Kahle-Hausmann [SPD])
muss sich nicht wundern, wenn dabei nichts Vernünftiges herumkommt.
(Zuruf von der AfD)
Sie hätten ja einmal andere Quellen lesen können, die alle verfügbar sind. Wenn man das abwägt und so einen Antrag schreibt, dann guckt man doch nicht nur, was in mein Konzept passt, was in meinen Kram reinpasst, sondern man guckt, was die Mehrheitsmeinung ist.
(Christian Loose [AfD]: 97 %!)
Die Mehrheitsmeinung der Wissenschaft ist, dass dieser Stoff kein Problem darstellt, dass er untersucht worden ist, dass er in vielen Studien als ungefährlich eingestuft wurde und deshalb auch die Zulassung in vielen Ländern hat.
Vizepräsident Christof Rasche: Trotzdem hat Herr Schalley den Wunsch nach einer Zwischenfrage.
Norwich Rüße (GRÜNE): Nein, die gibt es nicht.
(Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN und der SPD – Zuruf von der AfD: Dann kommt eine Zwischenintervention!)
- Das macht mir nichts. Die kann ich nicht verhindern, aber ich kann Ihnen hier keine Frage zugestehen; das kann ich machen, das tue ich auch.
Anstatt Unsicherheit zu streuen und Bäuerinnen und Bauern irgendwie auf eine falsche Fährte locken zu wollen, sollten Sie, bevor Sie so einen Antrag stellen und sich damit auch ein Stück weit lächerlich machen, bessere Quellenexegese betreiben, sich hier seriöser aufstellen. Denn sonst kann ich Ihnen den Vorwurf nicht ersparen, dass Sie das Ganze nur machen, um hier Klamauk zu veranstalten, um hier politisches Theater zu machen, und sagen, dass es Ihnen gar nicht um die Sache geht.
Ganz zum Schluss, das wäre mein dritter Punkt, hätte ich für alle hier im Raum noch eine Leserempfehlung. Nehmen Sie mal Anita Idels Buch „Die Kuh ist kein Klimakiller!“ zur Hand –
(Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE])
ein hochinteressantes Buch zur Kuh, zu Wiederkäuern an sich.
(Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
Daraus kann man viel entnehmen. Das ist viel interessanter, als sich nur zwei Sekunden mit Ihrem Antrag zu beschäftigen. – Vielen Dank.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD)
Vizepräsident Christof Rasche: Jetzt kommen wir zur Kurzintervention. – Herr Schalley, wie vorhin, 60 Sekunden, bitte.
Zacharias Schalley (AfD): Vielen Dank, Herr Präsident. – Ja, Herr Kollege Rüße, mit der Wissenschaft ist das so eine Sache. Die einen sagen so, die anderen so. Das kennen wir ja von der Coronaimpfung.
(Widerspruch von der SPD und den GRÜNEN)
Wenn Sie zugehört hätten
(Zuruf von den GRÜNEN)
– und auch wenn Sie da einmal zuhören würden –, wüssten Sie, dass ich in meiner Rede Quellen zitiert habe wie zum Beispiel das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, was Sie offenbar nicht zur Kenntnis nehmen wollen, weil da nämlich etwas steht, was Ihnen nicht passt.
Da kann ich gerne auch die Quelle inklusive Seite nennen, weil ich mir nämlich schon gedacht habe, dass Sie hier mit so einer Nummer kommen: die Publikation „Tierwohl und Umweltschutz – Zielkonflikt oder Win-Win-Situation“, Seite 30 bis 32. Da steht genau das drin, was ich gerade eben beispielhaft an der Schweinehaltung vorgetragen habe, dass tierwohlförderliche Maßnahmen häufig zu mehr Emissionen führen, die klimaschädlich sind.
(Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Dazu hat er doch gar nichts gesagt!)
Also gibt es diesen Zielkonflikt, und den wollen Sie hier wegreden durch das übliche Auftreten. Das gelingt Ihnen nicht, weil die Fakten sogar von Behörden und Ministerien, die Ihnen nahestehen, schwarz auf weiß da sind.
(Beifall von der AfD)
Vizepräsident Christof Rasche: Jetzt kommen wir zur Antwort. – Bitte sehr.
Norwich Rüße (GRÜNE): Ihr Problem ist, Sie fangen mit Bovaer an, mit Milch, und enden im Schweinestall. Sie werfen alles durcheinander. So kann man nicht Politik machen. Das geht einfach nicht.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD – Zuruf von Bianca Winkelmann [CDU])
Noch entscheidender ist: Es reicht nicht aus, hier Kolleginnen zu fragen: Haben Sie denn nicht agrarheute gelesen? – Auf agrarheute kommt dann ein kleiner Artikel, in dem steht, möglicherweise – Konjunktiv – könnte es sein, dass in Dänemark eine Kuh umgefallen ist – was aber längst widerlegt ist; es ist in Dänemark keine Kuh irgendwie zusammengebrochen.
(Julia Kahle-Hausmann [SPD]: Korrelation – Kausalität!)
Selbst das hätten Sie wissen können. Aber das ist eben der Unterschied zwischen einer kleinen Notiz im Internet und 150 wissenschaftlichen Studien, die sich tatsächlich mit dem Stoff beschäftigt haben. Und die Studie, die nachweist, dass der Stoff gefährlich ist, müssen Sie uns zeigen. Das können Sie nicht, und deshalb zitieren Sie lieber Blackout News.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD)
Das ist Ihre Art von Politik. – Allen anderen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest.
(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD)
