Auch im Jahr 2025 ist die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten nicht zurückgegangen – im Gegenteil: Mit 6.268 registrierten Delikten wurde ein trauriger Höchststand erreicht. Seit Einführung des Erfassungssystems im Jahr 2001 wurden noch nie so viele rechtsextreme Straftaten angezeigt. Das entspricht statistisch 17 Straftaten pro Tag. Jede einzelne davon ist nicht nur ein Angriff auf die Betroffenen, sondern auch auf unsere Demokratie und unsere freie, vielfältige Gesellschaft. Nachfolgend geben wir Euch einen Überblick über die Ergebnisse unserer Anfrage zu politisch rechts motivierten Straftaten sowie die Zahlen für eure Kommune.
Woher stammen die Zahlen?
Seit 2011 erfragen wir als Grüne Landtagsfraktion jedes Jahr beim Innenministerium die Zahlen und Fakten zur politisch motivierten Kriminalität Rechts (PMK Rechts). Dadurch ist es uns möglich, die Auswertung mit den Zahlen aus vergangenen Jahren zu vergleichen. Hier findet Ihr eine Übersicht. Zusätzlich haben wir ortsspezifische Daten angefragt, die die erfassten Straftaten den einzelnen Kommunen zuordnen. Dadurch lassen sich die Entwicklungen auch bei Euch direkt vor Ort nachvollziehen und die landesweiten Zahlen auf die kommunale Ebene herunterbrechen. Das entsprechende Dokument findet Ihr hier.
Wichtig ist dabei, dass die PMK Rechts eine reine Tatverdächtigenstatistik ist. Sie gibt daher weder Auskunft über tatsächliche Verurteilungen noch über mögliche Freisprüche. Zudem bildet sie ausschließlich das sogenannte Hellfeld ab, also die bekannt gewordenen und erfassten Straftaten. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl rechter Straftaten höher liegt, da insbesondere Diskriminierungsdelikte häufig nicht angezeigt werden und somit Teil eines erheblichen Dunkelfelds bleiben. Zudem beschränkt sie sich auf die Täterperspektive. Die Gesamtzahl der Opfer kann somit ebenfalls weitaus höher liegen.
Was hat die Auswertung der landesweiten Zahlen ergeben?
Nachdem die Zahlen für das Jahr 2024 bereits einen Höchststand erreicht hatten, muss für das Jahr 2025 eine weitere Zunahme um 11 % auf insgesamt 6.268 angezeigte Taten verzeichnet werden. Hierunter fallen auch 191 Gewalttaten, was einem Anstieg um 24 % entspricht. Auch der Anstieg antisemitischer Taten um 13 % auf 786 bedeutet einen traurigen Höchststand. Es wurden 330 islamfeindliche Taten erfasst, was einen leichten Rückgang von 2 % entspricht. Flüchtlingsfeindliche Straftaten hingegen sind um 2 % angestiegen und wurden mit insgesamt 285 Fällen registriert. Ebenfalls gestiegen sind antiziganistische Straftaten (um 47 % auf 44 Taten), Straftaten gegen die sexuelle Orientierung (um 27 % auf 257 Taten) sowie Straftaten gegen die geschlechtsbezogene Diversität (um 54 % auf 162 Taten).
Was folgt daraus?
Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Rechtsextremismus ist nach wie vor die größte Gefahr für unsere vielfältige Demokratie. Als Grüne Landtagsfraktion weisen wir seit Jahren auf diese Entwicklung hin und fordern entschlossenes Handeln gegen rechtsextreme Ideologien und Straftaten. Darauf machen wir auch in unserer Pressemitteilung aufmerksam. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen im Alltag von rechtsextremer Gewalt, Bedrohung oder Diskriminierung betroffen sind. Umso wichtiger sind ein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsextremismus und die Solidarität mit allen Betroffenen.
Neben einer konsequenten Strafverfolgung haben wir als Gegenmaßnahmen in den vergangenen Jahren die Mittel der Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus erhöht. Die Mobile Beratung, die Opferberatung und die zivilgesellschaftliche Aussteigerberatung leisten einen unverzichtbaren Beitrag, indem sie Menschen in konkreten Fällen unterstützen und zugleich wichtige Ansprechpartner*innen für Behörden und Institutionen sind. Zudem haben wir neben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) die Meldestelle DINA (Dokumentations- und Informationsstelle Antiziganismus NRW), MEDAR (Melde- und Informationsstelle antimuslimischer Rassismus), MIQ (Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit NRW) sowie MIRa (Melde- und Informationsstelle anti-Schwarzer, antiasiatischer und weiterer Formen von Rassismus) eingerichtet. So stellen wir sicher, dass auch diskriminierende Fälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle konsequent erfasst werden.
Wir wissen auch, dass sich strukturelle Probleme nur institutionell bearbeiten lassen. Daher haben wir das Verfassungsschutzgesetz NRW reformiert. Damit können die Sicherheitsbehörden angemessen auf die gestiegene rechtsextreme Bedrohung im digitalen Raum reagieren. Durch die Ansiedlung der Landeszentrale für politische Bildung beim Landtag NRW stärken wir zudem die Strukturen der politischen Bildung und machen sie unabhängiger. Ergänzend haben wir präventive Maßnahmen gegen Antisemitismus in Schulen und Hochschulen verstärkt. Gleichzeitig ist die Sensibilisierung der Lehrkräfte und der Sicherheitsbehörden ein wichtiger Baustein, um Vorfälle korrekt zuzuordnen und mit ihnen angemessen umzugehen.
Die Kurzauswertung der Anfragen zu politisch rechts motivierten Straftaten:
Politisch rechts motivierte Kriminalität (PMK Rechts) 2025
Anstieg von 5.641 Straftaten in 2024 auf 6.268 in 2025 (11%)
Gewalttaten gestiegen (2024: 154, 2025: 191)
Die meisten Gewalttaten sind Körperverletzungsdelikte: 183 von 191 (96%)
Die meisten Straftaten entfallen auf die Themenfelder Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus (4.180), Hasskriminalität (2.172) und Fremdenfeindlichkeit (2.088)
Antisemitische Straftaten 2025
Anstieg von 695 in 2024 auf 786 in 2025 (13%)
Etwa 42% der Straftaten werden der PMK Rechts zugeordnet. 23% der Straftaten werden der PMK Ausländische Ideologie, 13% der PMK Religiöse Ideologie und 20% der PMK Sonstige zugeordnet.
Es gab 9 Gewaltdelikte. Etwa 1% aller antisemitischen Straftaten sind Gewalttaten.
Islamfeindliche Straftaten 2025
Leichter Rückgang von 338 in 2024 auf 330 in 2025 (-2%)
Die meisten Straftaten werden der PMK Rechts zugeordnet (80%)
Es gab 25 Gewaltdelikte. Etwa 8% aller islamfeindlichen Straftaten sind Gewalttaten.
Flüchtlingsfeindliche Straftaten 2025
Anstieg von 279 in 2024 auf 285 in 2025 (2%)
Die meisten Straftaten werden der PMK Rechts zugeordnet (88%)
Es gab 12 Gewaltdelikte. Etwa 4% aller flüchtlingsfeindlichen Straftaten sind Gewalttaten.
Antiziganistische Straftaten 2025
Anstieg von 30 in 2024 auf 44 in 2025 (47%)
Die meisten Straftaten werden der PMK Rechts zugeordnet (82%)
Es gab 1 Gewaltdelikt. Etwa 2% aller antiziganistischen Straftaten sind Gewalttaten.
Queerfeindliche Straftaten 2025
Straftaten gegen die sexuelle Orientierung stiegen von 203 in 2024 auf 257 in 2025 (27%)
Straftaten gegen die geschlechtsbezogene Diversität stiegen von 105 in 2024 auf 162 in 2025 (54%)
Straftaten aufgrund politischer Ausrichtung 2025
2025 erstmals ausgewiesen: 8.391 Straftaten
32% der Straftaten werden der PMK Sonstige zugeordnet, 29% der PMK Rechts und 27% der PMK Links
Es gab 274 Gewaltdelikte. Etwa 3% aller Straftaten sind Gewalttaten.
Straftaten gegen Menschen mit Behinderung 2025
2025 erstmals ausgewiesen: 33 Straftaten
73% der Straftaten werden der PMK Rechts zugeordnet (24 Straftaten)
Straftaten aufgrund des gesellschaftlichen Status 2025
2025 erstmals ausgewiesen: 34 Straftaten
56% der Straftaten werden der PMK Links zugeordnet (19 Straftaten)
4 Straftaten richteten sich gegen obdachlose Menschen.
