Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz: Klimaanpassung, die bei den Menschen in NRW ankommt

Die erste Hitzewelle dieses Sommers hat Menschenleben gekostet und viele Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege bis an ihre Belastungsgrenze gebracht. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Verstorbenen. Zugleich danken wir all jenen, die Menschen unterstützt, gepflegt, behandelt und betreut haben. Die Hitzewelle hat gezeigt: Extreme Hitze ist längst eine konkrete Herausforderung für unsere Gesundheit und unsere Gesundheitsversorgung.

Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz
Das Robert Koch-Institut schätzt, dass es in der Zeit bis zum 28. Juni bundesweit rund 5.120 hitzebedingte Sterbefälle gab, davon rund 1.230 in Nordrhein-Westfalen. Besonders betroffen waren ältere und vorerkrankte Menschen. Es handelt sich um statistische Schätzungen – aber sie zeigen deutlich die gesundheitliche Dimension dieser Hitzewelle.

Hitzeschutz ist deshalb ein wichtiger Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge. Er kann gesundheitliche Belastungen reduzieren und Leben retten.

Was tun wir bereits?
Nordrhein-Westfalen gehört bundesweit zu den Vorreitern bei Klimaanpassung und Hitzeschutz. Im Jahr 2024 wurde eine ressortübergreifende Klimaanpassungsstrategie verabschiedet, die 110 konkrete Maßnahmen in 16 Handlungsfeldern umfasst. Diese werden bis 2029 umgesetzt und regelmäßig überprüft.

Im Krankenhausbereich setzt Nordrhein-Westfalen bundesweit Maßstäbe. Im Rahmen der Einzelförderung zur Umsetzung des neuen Krankenhausplans und der Förderung über den Krankenhaustransformationsfonds stellt das Land zwischen 2023 und 2035 insgesamt rund 1,52 Milliarden Euro für Klimaanpassungsmaßnahmen in Krankenhäusern zur Verfügung. Damit können unter anderem Lüftungstechnik, Dämmung, Kälte- und Hitzeschutz, die Klimatisierung sensibler Bereiche sowie Fassaden- und Dachbegrünungen finanziert werden.

Das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA) koordiniert den gesundheitsbezogenen Hitzeschutz und schafft Synergien mit der Klimaanpassungsstrategie NRW (siehe dazu auch unsere Kommunalinfo vom 28.04.2026). Kommunen können sich rund um die Hitzeaktionsplanung beraten lassen. Im Zentralen Netzwerk für gesundheitsbezogenen Hitzeschutz arbeiten Landesregierung, Kommunale Spitzenverbände und die Akteure des Gesundheitswesens und der Pflege zusammen. Dort werden Arbeitshilfen erarbeitet, Wissen weitergegeben, Maßnahmen evaluiert und vieles mehr.

Über den Förderaufruf „Klimaanpassung.Kommunen.NRW” hat das Land zwischen 2020 und 2026 rund 200 Millionen Euro für konkrete lokale Klimaanpassungsmaßnahmen bereitgestellt. Auch Mittel aus dem NRW-Infrastrukturgesetz können für Klimafolgenanpassung eingesetzt werden. Mit dem Programm „Coole Schulhöfe” unterstützt das Land zudem die klimaangepasste Umgestaltung von Schulhöfen. 

Was hat das Land jetzt zusätzlich beschlossen?
Am 15. Juli hat der Landtag den Entschließungsantrag von CDU und Grünen zum Hitzeschutz angenommen. Darin wird die Landesregierung gebeten, im Rahmen bestehender Mittel und Strukturen ein Sofortprogramm umzusetzen. 

Dazu gehören insbesondere: 

  • bestehende Programme für Entsiegelung, Begrünung und Verschattung öffentlicher Plätze und Quartiere bedarfsgerecht weiterzuentwickeln;
  • die Erstellung und Umsetzung kommunaler Hitzeschutzpläne stärker zu unterstützen und eine Erweiterung gemeinsamer Förderprogramme mit der NRW.Bank zu prüfen; 
  • Kitas, Schulen, Krankenhäuser sowie Pflege- und Wohneinrichtungen beim Hitzeschutz zu unterstützen – einschließlich Klimaanlagen in besonders belasteten Räumen, wenn dies hygienisch und fachlich sinnvoll ist;
  • ein Förderprogramm zur Teilklimatisierung stationärer Pflegeeinrichtungen und vergleichbarer Einrichtungen aufzulegen;
  • die Sommerhilfe für wohnungslose Menschen weiterzuentwickeln und Familien durch niedrigschwellige, barrierefreie und mehrsprachige Angebote besser zu erreichen;
  • das Szenario Hitze stärker in Katastrophenschutzplanung, Verkehrsinfrastruktur und Stadtentwicklung zu berücksichtigen; 
  • sich beim Bund für eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und einen verlässlichen Zugang finanzschwacher Kommunen zu Mitteln des Klima- und Transformationsfonds einzusetzen.

Parallel dazu haben sich beim Hitzedialog am 9. Juli das Land, Ärztekammern, Krankenhausgesellschaft, Pflegekammer, Rettungsdienst und LfGA auf weitere Prüf- und Arbeitsaufträge verständigt. Dazu gehören eine flächendeckende Warnsystematik, die verlässliche Aktivierung vorhandener Hitzepläne, die stärkere Berücksichtigung von Starkhitze in der Krankenhausalarmplanung und zusätzliche Fördermöglichkeiten für Kühlsysteme.

Hitzeschutz darf außerdem nicht an der Tür von Krankenhäusern und Pflegeheimen enden. Die meisten älteren und pflegebedürftigen Menschen leben zu Hause. Deshalb brauchen wir auch klimaangepasste Wohnungen, Quartiere und öffentliche Gebäude. Gleichzeitig ist klar: Die beste Vorsorge gegen immer häufigere und intensivere Hitzewellen bleibt ein konsequenter Klimaschutz. Er ist und bleibt eine Daueraufgabe. Wir Grünen arbeiten kontinuierlich an nachhaltigen Konzepten und setzen diese konsequent um. Denn nur, wenn wir Klimaschutz und Klimaanpassung gemeinsam vorantreiben, können wir den Folgen der Klimakrise wirksam begegnen. 

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