Sicherheit für Motorradfahrer erhöhen. Mit neuen Fahrbahnmarkierungen zu weniger Unfällen

Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen im Landtag

Portrait Martin Metz

I. Ausgangslage

Der Straßenverkehr ist ein elementarer Bestandteil unseres täglichen Lebens. Ob mit dem Auto, dem Bus, mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem motorisierten Zweirad. Die Verkehrs­infrastruktur wird von allen genutzt. Dabei hat die Sicherheit im Straßenverkehr eine heraus­ragende Bedeutung.

Die aktuellen Unfallstatistiken belegen erneut, dass insbesondere Motorradfahrerinnen und -fahrer ein erhöhtes Risiko tragen. Laut der Verkehrsunfallbilanz 2024 des Landes Nordrhein-Westfalen ist der höchste Anstieg von Verunglückten bei dieser Gruppe zu verzeichnen. Im Jahr 2024 wurden bei 3.063 Motorradunfällen insgesamt 3.160 Menschen verletzt – ein deut­licher Anstieg gegenüber den 2.827 Verletzten im Vorjahr. Die Zahl der getöteten Motorrad­fahrenden stieg von 58 im Jahr 2023 auf 86 in 2024. Diese Zahlen verdeutlichen, dass gezielte Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit unerlässlich sind. Prävention, Sensibilisierung, technische Innovation sowie straßenbauliche und straßenverkehrsrechtliche Maßnah­men müssen hierbei Hand in Hand gehen, um dieser Entwicklung wirkungsvoll entgegenzu­wirken, um der “Vision Zero” näher zu kommen.

Mit seiner gut ausgebauten Infrastruktur und seiner vielfältigen Landschaft bietet Nordrhein-Westfalen zahlreiche Möglichkeiten für Ausflüge mit dem Motorrad. Beliebte Routen entlang von Flusstälern, durch Mittelgebirge und über kurvige Landstraßen laden nicht nur bei gutem Wetter zu ausgedehnten Motorradtouren ein. Diese landschaftliche Attraktivität macht Nord­rhein-Westfalen zu einem Hotspot für Freizeit-Motorradverkehr – sowohl bei Einheimischen als auch bei touristischen Besucherinnen und Besuchern. Gerade an Wochenenden und Fei­ertagen sind manche Strecken stark frequentiert, was neben dem Spaßfaktor auch eine er­höhte Unfallgefahr mit sich bringt. Neben der Verkehrssicherheit ist insbesondere der Moto­renlärm für viele Anwohnerinnen und Anwohner eine Belastung. Einzelne Strecken oder Stre­ckenabschnitte werden während der Saison bereits aus Sicherheitsgründen und wegen des Lärmschutzes für Motorradfahrer vollständig oder nur an Wochenenden und Feiertagen ge­sperrt.

An der Panoramastraße L 218 im Kreis Düren wird in einem bundesweit einzigartigen Pilot­projekt von Straßen.NRW aufgezeigt, wie mehr Sicherheit auf unseren Straßen ohne mehr Verbote und Vorschriften gelingen kann. Mittels innovativer Fahrbahnmarkierungen ist es ge­lungen, die Zahl der Unfälle auf der beliebten Strecke deutlich zu reduzieren. Das hat Vorbild-charakter für ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Konkret wurden optische Fahr­bahnelemente eingesetzt, um die Aufmerksamkeit und das Fahrverhalten – insbesondere in Kurven – positiv zu beeinflussen. Die bisherigen Auswertungen zeigen: Die Maßnahme wirkt unfallpräventiv, ohne dabei die individuelle Mobilität oder den Fahrspaß einzuschränken. Sol­che smarten Ansätze verdienen eine landesweite Überprüfung und, bei entsprechender Eig­nung, eine breitere Anwendung in anderen Gefahrenbereichen.

Dieses erfolgreiche Pilotprojekt ist dazu geeignet, das Portfolio von Maßnahmen für mehr Si­cherheit auf Straßen mit hohen Unfallzahlen von Motorradfahrenden zu ergänzen. So werden bereits an einigen Stellen sogenannte Rüttelstreifen oder Fahrbahnteiler eingesetzt, um die Sicherheit zu erhöhen. Dazu zählen ebenso Leitplanken mit Unterfahrschutz oder Anprall­dämpfer, um Unfallfolgen zu mindern.

Um die Sicherheit für Motorradfahrende zu erhöhen, ist je nach Örtlichkeit und Unfallgesche­hen seitens der zuständigen Stellen die passende Maßnahme auszuwählen. Hinzu tritt eine entsprechende Kontrolltätigkeit der Polizei. Im 2023 seitens der Landesregierung erarbeiteten “Verkehrssicherheitsprogramm Nordrhein-Westfalen 2030” (LT-DS Vorlage 18/2104) werden die verschiedenen Maßnahmen und das Vorgehen auf Strecken mit hohem Motorradverkehrs­aufkommen beschrieben.

Darüber hinaus setzt die Landesregierung mit ihrer Initiative #sicherimstraßenverkehr bereits heute wichtige öffentliche Impulse für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Die Initiative bringt Akteure aus Politik, Verwaltung, Polizei, Verkehrswachten und Zivilgesellschaft zusammen und setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz: Prävention durch Aufklärung, gezielte Verkehrser­ziehung, technische Innovationen und infrastrukturelle Maßnahmen. Insbesondere durch öf­fentlichkeitswirksame Kampagnen werden Risikogruppen direkt angesprochen – etwa junge Fahranfänger, ältere Verkehrsteilnehmer oder eben Motorradfahrende. Die positive Resonanz zeigt: Solche Initiativen haben großes Potenzial, wenn sie langfristig und ressortübergreifend gedacht werden. Diese wichtige Arbeit gilt es weiterzuführen.

II. Beschlussfassung

Der Landtag stellt fest:

  • Um die “Vision Zero” zu erreichen ist es wichtig, die Sicherheit für alle Verkehrsteilneh­mer zu erhöhen, insbesondere jedoch dort, wo Unfallschwerpunkte liegen.
  • Insbesondere im Motorradverkehr sind die Unfallzahlen im vergangenen Jahr gestiegen.
  • Rüttelstreifen, Fahrbahnteiler, Unterfahrschutz und Anpralldämpfer können je nach Ört­lichkeit und Gefahrensituation sinnvolle Maßnahmen sein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
  • Gerade zu Zeiten hohen Motorradverkehrsaufkommens sind gezielte Verkehrsüberwa-chungsmaßnahmen notwendig.
  • Das Pilotprojekt an der L 218 im Kreis Düren hat Vorbildcharakter für vergleichbare Stre­cken, nicht nur in Nordrhein-Westfalen.
  • Mit der Initiative #sicherimstraßenverkehr leistet die Landesregierung bereits wichtige Arbeit für mehr Sicherheit auf unseren Straßen.

Der Landtag beauftragt die Landesregierung aus vorhandenen Mitteln,

  • die Ergebnisse des Pilotprojekts auf der L218 im Kreis Düren zu nutzen und auf eine breitere Anwendung in Nordrhein-Westfalen, insbesondere an Unfallschwerpunkten, hinzuwirken,
  • sich im Bund dafür einzusetzen, dass die erprobte Fahrbahnmarkierung aus dem Pilot­projekt auf der L218 als Möglichkeit der Fahrbahnmarkierung in die StVO aufgenommen wird,
  • bei weiteren Kommunen, Organisationen und Interessenverbänden für die Initiative #si-cherimstraßenverkehr zu werben,
  • gemeinsam mit den Verkehrswachten verstärkt auf Fahrsicherheitstrainings aufmerk­sam zu machen,
  • die im Verkehrssicherheitsprogramm Nordrhein-Westfalen 2030 aufgeführten Maßnah­men für Straßen mit hohem Motorradverkehrsaufkommen konsequent weiter zu verfol­gen,
  • die Maßnahmen zur Verkehrsüberwachung an gefährlichen Strecken kontinuierlich zu überprüfen und fortzuentwickeln.