Beim gemeinsamen Werkstattgespräch sprachen die Landtagsfraktionen von CDU und Grünen mit knapp 100 Gästen über die Bedeutung von Familien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Demokratie beginnt nicht erst im Parlament, sondern schon am heimischen Küchentisch: beim gemeinsamen Abendessen, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, diskutiert und am Ende ein Kompromiss gefunden wird. Wie eng Familie und Demokratie miteinander verbunden sind und was Familien brauchen, um diese Rolle ausfüllen zu können, stand im Mittelpunkt des gemeinsamen Werkstattgesprächs „Familie.Macht.Demokratie“ der Fraktionen von CDU und Grünen.
„Familie, Macht und Demokratie – hinter diesen drei Worten steckt ein großes Thema. In Familien werden Werte über Generationen hinweg vermittelt. Am Küchentisch wird im Alltag ausgehandelt, was auch unsere Vorstellung von Demokratie ausmacht: unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, andere Positionen wertschätzen, die eigene Meinung hinterfragen und gemeinsam Lösungen finden. Eine Familie ist kein Parlament, aber vieles von dem Miteinander und der gegenseitigen Wertschätzung wäre es wert, auch in die parlamentarische Arbeit übertragen zu werden“, sagte Thorsten Schick, Vorsitzender der CDU-Fraktion.
Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) bezeichnete Familien als „Superpower für unsere Demokratie“: Hier lernten Kinder Liebe, Zuneigung, Rücksichtnahme und Verantwortung. Familien seien wichtige Ankerpunkte, die Halt gäben und vor Einsamkeit schützen könnten. Dabei sei es wichtig, die ganze Vielfalt von Familien in den Blick zu nehmen – von Alleinerziehenden über Patchwork- und Regenbogenfamilien bis hin zu Familien mit internationaler Geschichte. Die Verantwortung für gute Bedingungen des Aufwachsens liege deshalb nicht allein bei den Eltern: „Es braucht ein ganzes Dorf, um Kinder großzuziehen – lassen Sie uns dieses Dorf sein“, so Schäffer.
Wie vielfältig die Bedürfnisse und Lebenslagen von Familien sind, machten auch Tanja Brückel und Manuel Becker von der Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW (LAG) deutlich. Die elf Mitgliedsverbände der LAG vertreten die Interessen von rund 2,5 Millionen Familien in NRW. Mit ihrer Kampagne „Familie.Macht.Demokratie“ macht die LAG darauf aufmerksam, dass Demokratie im Alltag und eben auch am besagten Küchentisch beginne: „Kinder sind die kleinen Demokratinnen und Demokraten von morgen.“ Manuel Becker griff diesen Gedanken auf und brachte Erfahrungen und Stimmen von Familien ein, die beim NRW-Tag gesammelt worden waren. Anhand einer fiktiven Familie zeigte er, welche Herausforderungen den Alltag prägen und welche Erwartungen Familien an Politik und Gesellschaft haben.
Einen wissenschaftlichen Blick auf die Situation von Familien warf Prof. Dr. Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut. Sie beleuchtete die rückläufigen Geburtenzahlen und die Frage, welche Rolle verlässliche familienpolitische Rahmenbedingungen für die Entscheidung spielen, Kinder zu bekommen. Zudem ging sie auf die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern sowie auf die Sorgen von Eltern angesichts gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen ein – Familien seien schließlich zentrale Orte der politischen Sozialisation.
Eileen Woestmann, familienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, unterstrich die Bedeutung des Austauschs und die Notwendigkeit, Familien mit ihren Herausforderungen stärker in den Mittelpunkt zu rücken: „Demokratie im Kleinen – das sind Familien. In den allermeisten Familien werden verschiedene Meinungen ausgetauscht, Streiten und vor allem das Vertragen gelernt und Verantwortung füreinander übernommen. Neben Schule, Arbeit und Alltagsorganisation lernen Kinder und Eltern von und miteinander, wie Gemeinschaft funktioniert. Aber Familien stehen auch vor Herausforderungen: gestiegene Lebenskosten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch die von Krisen geprägte Zeit. Deshalb ist es entscheidend, Familien in den Fokus zu nehmen und miteinander zu sprechen. Unser Werkstattgespräch hat Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammengebracht. Danke an alle, die mitdiskutiert haben – und insbesondere für den zum Teil sehr persönlichen Input.“
Auch Jens Kamieth, familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, betonte noch einmal, dass Demokratie davon lebt, dass Menschen einander zuhören, unterschiedliche Meinungen respektieren und gemeinsam Lösungen finden: „Diese Fähigkeiten werden im Familienalltag erlebt und erlernt. Familien leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie. Mit unserem Werkstattgespräch haben wir die Bedeutung von Familien für unsere Demokratie in den Mittelpunkt gerückt. Der Austausch mit Wissenschaft und Praxis hat wertvolle Perspektiven eröffnet und gezeigt, wie wichtig es ist, die Erfahrungen und Bedürfnisse von Familien bei der Gestaltung zukünftiger Familienpolitik zu berücksichtigen.“
