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Pressemitteilung

Problemfeld Schlachthof: Landesregierung muss Schutz vor Corona-Ausbreitung in der Schlachtbranche sicherstellen

Vor dem Hintergrund der ansteigenden Infektionszahlen bei der Firma Westfleisch erklärt Norwich Rüße, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion:

„Klar ist, dass die Mitarbeiter der Fleischindustrie besonders anfällig für das Corona-Virus sind. Schlachthöfe stehen seit Jahren aufgrund der dort herrschenden Arbeits- und Unterkunftsbedingungen massiv in der Kritik. Viele Arbeitskräfte sind unter miserablen Bedingungen untergebracht, daher hätte diese Branche im Sinne des Infektionsschutzes längst in den Fokus genommen werden müssen. Sowohl die Arbeits- als auch Wohnbedingungen hätten im Sinne der Covid-Prävention längst in den Fokus des politischen Handelns gehört.

Die Bundesregierung hat besondere Covid-Infektionsschutzmaßnahmen für Sammelunterkünfte festgelegt. Dazu zählt eine Einzelbelegung in Schlafräumen und Möglichkeiten für eine frühzeitigen Isolierung infizierter Personen. Auch hier muss die Landesregierung umgehend handeln! Wir erwarten daher eine konsequente Überprüfung dieser Schutzmaßnahmen in allen Sammelunterkünften.

Verschärfend kommt hinzu, dass - wie viele Schlachtbetriebe - so auch die Firma „Westfleisch“, ihre Saisonarbeitskräfte über Subunternehmen beziehen. Das bringt Fragen über die Verantwortlichkeiten für Hygienemaßnahmen und -ausrüstungen sowie die Einhaltung des Arbeitsschutzes auf, die dringend einer Klärung bedürfen.

Mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen im Kreis Coesfeld muss außerdem über die Verantwortung des Schlachtbetriebs, nicht nur gegenüber den Beschäftigten, sondern auch gegenüber den Bewohnerinnen des Kreis Coesfeld diskutiert und, wenn nötig, auch restriktive Maßnahmen beschlossen werden. Es wird Zeit, dass die Landesregierung hier konsequent handelt und den Gesundheitsschutz ohne Wenn und Aber durchsetzt.

Das heißt für uns, dass sämtliche Bewohner von Sammelunterkünften auf das Corona-Virus hin getestet werden müssen und die beengten Wohnverhältnisse unverzüglich aufzulösen sind. Insbesondere die Rücksichtnahme auf die ihrerseits rücksichtslose Fleischbranche muss endlich ein Ende haben. Die Corona-Pandemie kann möglicherweise dazu beitragen, die Bedingungen in der Fleischindustrie endlich so zu verbessern, dass wir uns als Gesellschaft nicht länger dafür schämen müssen, wie in unserem Land Menschen für billiges Fleisch ausgebeutet werden und ihre Gesundheit gefährdet wird.“

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