Reden, Beer, Schule

Antrag von CDU und FDP zur Beruflichen Bildung

Sigrid Beer: "Mein Petitum: Konsistente Politik von Anfang an"

Sigrid Beer (GRÜNE): Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, berufliche Bildung stärken, Potenziale heben – ich glaube, darin sind wir sehr einig. Das ist richtig, auch die Idee einer Fachoberschule für Informatik ist richtig. Das hat man als Idee auch aus der Landschaft gehört. Ich finde auch gut, das Projekt aufsetzen und uns darüber zu unterhalten. Die Fragen, die gestellt werden, werden wir noch im Ausschuss behandeln, vielleicht mittels einer Anhörung.

Nur, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch liebe Ministerin: Wenn man berufliche Bildung stärken will, dann muss man früher anfangen. Das haben wir ja gestern bei der Anhörung deutlich gehört.

Es ist doch nicht nachzuvollziehen, dass das, was betreffend die Informatik gemacht werden soll und wird, lediglich in der APO-S I vorgesehen ist. Das hat die Kollegin Hammelrath gerade schon angesprochen. Deswegen haben wir ja die Anhörung durchgeführt, liebe Kolleginnen: weil es eben nicht nur um das Gymnasium geht, wo ein Wahlpflichtfach Informatik eingeführt werden soll – die Gesamtschulen können das vielleicht machen –, sondern darum, dass gerade die Schulformen der S I, nämlich die Sekundarschule, die Realschule, die Hauptschule, über die Sie gerade geredet haben, nach der Novelle der APO-S I überhaupt keinen Informatikunterricht anbieten können.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Das ist doch ein Unding. Wenn man dann vorbereiten will, dann muss man das in der Sekundarstufe I implementieren.

Deswegen will ich hier noch einmal den deutlichen Appell aus der Anhörung gestern an Sie richten: Frau Ministerin, legen Sie uns einen überarbeiteten Entwurf zur APO-S I vor, in der mindestens die Kann-Formulierung – dass Informatikunterricht angeboten werden kann – auch für die Schulen der Sekundarstufe I vorhanden ist.

Wir sollten uns auch noch einmal gemeinsam anschauen, was Professor Brinda gestern dazu vorgeschlagen hat, wie wir Ausbildung von Lehrkräften für diesen Bereich forcieren können: nämlich indem wir uns perspektivisch gemeinsam politisch vornehmen, die Kann-Formulierung in eine Muss-Formulierung umzuwandeln, damit Zertifikatskurse, Weiterqualifikationen an den Standorten der Lehrerausbildung für Informatik angeboten werden. Das ist zielgerichtet. In anderen Bundesländern ist das entsprechend geschehen. Deswegen sollten wir auch das gemeinsam politisch vereinbaren.

Ich bitte also dringend um eine Überarbeitung der APO-S I als Ergebnis der gestrigen Anhörung. Alles andere ist unglaubwürdig. Dann führen Sie sich selbst vor.

Denn wie sollen die berühmte, von der Kollegin Düker heute früh erwähnte Digitalisierungsstrategie und die Digitalisierungsdividende eigentlich von der Wurzel auf erarbeitet werden in diesem Land, wenn Sie noch nicht einmal eine konsistente Politik machen? Dann fangen Sie irgendwann in der beruflichen Bildung an, aber die Schritte vorher versäumen Sie und setzen sie nicht um.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD) So funktioniert das nicht.

Das ist unser Ansatz; und so auch die in dem entsprechenden Antrag, der morgen ohne Debatte überwiesen wird, enthaltene Bitte, das im Ausschuss zusammenzuführen. Wir würden gerne ein Konzept gemeinsam mit Ihnen und den Akteuren beraten. Wir haben es im Bereich der beruflichen Bildung und der Berufskollegs immer so gehalten, dass wir überfraktionell miteinander arbeiten.

Leider muss ich beklagen, dass wir von Ihnen immer nur stückchenweise im Sinne einer Salamitaktik Anträge im Bereich beruflicher Bildung bekommen.

Wir haben etwas zur Frage des regionalen Berufsbildungszentrums, etwas zur Informatik an den Fachoberschulen. Aber wir haben kein Konzept. Die Frage der Lehrergewinnung ist nicht thematisiert. Die letzte Ausschusssitzung war doch wirklich – so hoffe ich – ein Erkenntnisprozess für alle Beteiligten, wie wenig über die Wirklichkeit der Werkstattlehrkräfte und der technischen Lehrkräfte an Berufskollegs hier im Land, in der Politik und offensichtlich auch im Haus tatsächlich angekommen ist. Denn das ist doch ganz deutlich geworden: Über die Arbeitszeitbelastung und den Einsatz der Kollegen und Kolleginnen brauchen wir noch mehr Erkenntnisse.

Ich finde es schon erstaunlich, dass zwei Tage nach der Ausschusssitzung eine Abfrage aus dem Schulministerium an die Berufskollegs im Land gegangen ist, um den Einsatz der Werkstattlehrkräfte zu erheben. Nur haben Sie nicht danach gefragt, wie viel Theorieunterricht von denen denn erteilt wird. Das wollten Sie offensichtlich nicht wissen. Aber das ist genau die Grauzone, die wir ja auch miteinander behandelt haben.

Also noch einmal mein Petitum: konsistente Politik von Anfang an. Das wird der Bedeutung der Informatik für eine zukunftsfeste Bildung für die Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen gerecht. Das heißt, in der Sek. I anfangen, das dann in der beruflichen Bildung in der Sek. II konsistent fortsetzen, und das bitte im gemeinsamen Dialog hier im Haus. Dann haben Sie unsere Unterstützung.

Ich freue mich gerade in diesem Punkt auf die Beratungen im Ausschuss.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

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