Anfragen, Rüße, Landwirtschaft, Tierschutz

Kleine Anfrage von Norwich Rüße

Wie ist der Stand der Enthornung in der nordrhein-westfälischen Rinderhaltung?

Die Haltung von horntragenden Rindern in den heutigen Haltungssystemen birgt oftmals Verletzungsrisiken für Mensch und Tier. Neben den Risiken der Verletzung, bieten die üblichen Haltungssysteme, wie beispielweise in Boxenlaufställen, keinen ausreichenden Platz für Tiere mit Hörnern. Aus diesem Grund werden die Hornanlagen bei Kälbern in den ersten Lebenswochen ausgebrannt, um das Wachstum zu verhindern. Nach geltendem Tierschutzrecht, ist diese schmerzhafte Prozedur bei unter sechs Wochen alten Tieren auch ohne Betäubung erlaubt.

Die Landesregierung hat 2012 gemeinsam mit Milchbauern, Tierschützern, Tierärzten und Rinderzüchtern die „Düsseldorfer Erklärung zur verstärkten Zucht auf Hornlosigkeit in der Rinderhaltung“ verabschiedet. Demnach sollen Kälber in NRW nur noch bei Verabreichung eines Schmerzmittels enthornt werden. Durch den ebenfalls vereinbarten Einsatz genetisch hornloser Bullen in der Rinderzucht soll mittelfristig das Enthornen der Tiere komplett überflüssig werden. Zusätzlich hat die Landesregierung Informations- und Beratungsinitiativen zum Thema Enthornung und Haltungsbedingungen für horntragende Rinder eingerichtet.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Fühlt sich die Landesregierung an die Umsetzung der „Düsseldorfer Erklärung“ von 2012 gebunden? Bitte Stand der Umsetzung benennen und bewerten.
  2. Wie viele Rinderzuchtbetriebe in Nordrhein-Westfalen setzen mittlerweile Sperma genetisch hornloser Zuchtbullen ein? Bitte die Entwicklung der letzten zehn Jahre (Anteil am Kuhbestand, Anteil Besamungen, Deckbullen) darstellen.
  3. Wie viele der rinderzüchtenden Betriebe in NRW verwenden bei der Enthornung der Tiere nach wie vor die oben beschriebene Methode mit Brennstab? Bitte differenzieren nach Enthornung mit und ohne Einsatz von Schmerzmitteln.
  4. In der Praxis setzen etliche Betriebe – z.B. des Demeter-Verbandes - auch weiterhin auf horntragende Rinder. Wie hat sich die Anzahl dieser Betriebe in den letzten zehn Jahren in NRW entwickelt?
  5. Welche Strategie verfolgt die Landesregierung um die Rinderhaltung mit hörnertragenden Rindern zu fördern?

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