Anfragen, Rüße, Landwirtschaft

Kleine Anfrage von Norwich Rüße

Was tut die Landesregierung gegen Überlastung und Überforderung bei Bäuerinnen und Bauern?

Die Zunahme psychischer und körperlicher Erschöpfung durch Dauerstress ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Auch immer mehr Landwirte in Deutschland leiden aufgrund von hoher Arbeitsbelastung, wirtschaftlichem Druck, sinkenden Preisen oder fehlender Wertschätzung unter psychischen Erkrankungen.

Der Alltag fordert von Landwirtinnen und Landwirten viel Energie und Verantwortung zur Leitung des eigenen Betriebs. Nicht selten müssen schwerwiegende Entscheidungen über umfangreiche Investitionen getroffen werden, die bei ausbleibenden Erfolgen den psychischen Druck auf Betriebsleiterinnen und -leiter zusätzlich erhöhen.

Viele Landwirtinnen und Landwirte kennen keine festen Arbeitszeiten, sie wohnen oftmals direkt am Arbeitsplatz, sind dadurch permanent verfügbar und in Gedanken fast zwangsläufig immer bei ihrem Betrieb. Neben dem seit Jahren wirtschaftlich stärkerem Druck ist die industrielle Landwirtschaft auch immer häufiger Kritik ausgesetzt, was zusätzlich zum Stressempfinden beiträgt. Verstetigt sich dieser Dauerstress, kann dies der Einstieg in eine Burnout-Erkrankung sein. Kommt der- oder denjenigen nicht rechtzeitig Hilfe zu, kann diese bis zum Suizid führen.

Zahlen der landwirtschaftlichen Sozialversicherung SVLFG zeigen, dass der Anteil der Versicherten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung eine Erwerbsminderungsrente beziehen, in den letzten Jahren von 17 % (2013) auf 21 % (2017) angestiegen ist. Als Reaktion auf diverse Berichte über psychische Erkrankungen in der Landwirtschaft, hat das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holsteins bereits 2016 eine Zielvereinbarung mit einem breiten Bündnis von Akteuren geschlossen, um niedrigschwellige Beratungsangebote auszubauen.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1.       Welche Erkenntnisse sind der Landesregierung über die langfristige Entwicklung von an Burnout erkrankten Landwirtinnen und Landwirten in NRW bekannt?

2.       Welche Erkenntnisse sind der Landesregierung hinsichtlich einer Suizidrate aufgrund psychischer Erkrankungen in der Landwirtschaft in NRW bekannt?

3.       Welche Hilfsangebote werden psychisch erkrankten Landwirtinnen und Landwirten in NRW – beispielsweise über die Landwirtschaftskammer – angeboten?

4.       Welche Erfahrungen sind der Landesregierung aus dem in 2016 gestarteten Projekt aus Schleswig-Holstein bekannt?

5.       Gibt es Bestrebungen der Landesregierung, ähnlich wie in Schleswig-Holstein, den Aufbau einer niedrigschwelligen Beratungsstruktur für von Burnout betroffene Landwirtinnen und Landwirte zu fördern?

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