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Wibke Brems und Norwich Rüße zum Sonderbericht des IPCC

Bericht des Weltklimarats ist deutliche Mahnung

Noch ist es möglich, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, aber die Zeit drängt. Darauf hat gestern der Weltklimarat mit seinem neuen Bericht noch mal sehr deutlich hingewiesen. Jetzt muss umgesteuert werden: Im Verkehrssektor, der Landwirtschaft und der Stromerzeugung – in diversen Bereichen ist nun eine ambitionierte Klimapolitik nötig, finden Wibke Brems, unsere Sprecherin für Klimaschutz und Energiepolitik, und unser natur- und umweltschutzpolitischer Sprecher Norwich Rüße.

Im aktuellen Bericht des Weltklimarats (IPCC)  zeigen die Wissenschaftler*innen, auf welche Veränderungen sich die Menschheit einstellen muss, wenn sich die globale Durchschnittstemperatur um 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöht. Auf der Klimakonferenz in Paris 2015 hatte sich die Weltgemeinschaft gegenseitig versprochen, zu versuchen den Temperaturanstieg auf dieses Niveau zu begrenzen. Auf keinen Fall aber soll die Temperatur um mehr als 2 °C ansteigen.

Die Ergebnisse des Berichtes sind alarmierend. Die Erde erwärmt sich schneller und mit ernsteren Folgen als angenommen. Die Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass eine Begrenzung der Erwärmung um 1,5°C gerade noch verhindert, dass unumkehrbare Veränderungen im Weltklima auftreten. Diese kritische Marke könnte aber bereits schon 2030 überschritten werden. Wir nähern uns also mit großen Schritten der Gefahr eines unkontrollierbaren Domino-Effekts. Es ist  höchste Zeit dem Klimaschutz endlich die Priorität zu geben, die er verdient. Die Risiken des Nichthandelns sind zu groß, dies ist spätestens mit diesem Bericht klar geworden.

Wir müssen nicht nur unsere Ziele zur Emissionsminderung drastisch anpassen, sondern endlich praktische Maßnahmen ergreifen: Ein schnellstmöglicher Kohleausstieg muss von einem ehrgeizigen Ausbau der Erneuerbaren Energien begleitet werden. Die Landesregierung müsste hierfür ihre Politik grundlegend verändern, denn sie steht leider bisher für das Gegenteil: Sie behindert den Windenergieausbau und schürt unbegründete Ängste vor mangelnder Versorgungssicherheit. Die Entwicklungen der Emissionen im Verkehrs- und Gebäudesektor sind nicht ausreichend. Wir brauchen endlich Instrumente, die eine effektive Zielerreichung garantieren. Ein Beispiel könnte die sogenannte CO2-Steuer sein, die sich bei Abweichungen vom Emissionsminderungspfad, automatisch erhöht.

Eine der Kernaussagen: Neben Kohleausstieg, Energiewende und Verkehrswende ist der Erhalt und die Aufwertung natürlicher CO2-Senken (z.B. Wälder) eine zentrale Säule für die Erreichung der Pariser Klimaziele. Oder anders gesagt: Der Klimaschutz braucht den Naturschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft! 

Konkret schlägt der Weltklimarat zum Beispiel vor, natürliche Wälder, Moore und Feuchtgebiete aufzuwerten und besser zu schützen. Denn gerade diese Ökosysteme binden große Mengen von CO2 und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität unseres Klimas. Im Gegensatz zu künstlichen Plantagen oder technischen Lösungen zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre, geht ein besserer Schutz von natürlichen Ökosystemen zudem mit einer Verbesserung der Bodenqualität, der lokalen Ernährungssicherheit und einer höheren Artenvielfalt einher. An dieser Stelle kommt auch die Landwirtschaft ins Spiel. Eine Landwirtschaft, die eine vielfältige, artenreiche Kulturlandschaft mit Hecken, Wäldchen und Feuchtgebieten erhält, leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimastabilität. Eine industrialisierte Landwirtschaft mit zu intensiver Tierhaltung und großen Monokulturen verstärkt hingegen die Klimakrise durch den zusätzlichen Ausstoß von Treibhausgasen.

In Zukunft sollte bei Diskussionen zum Thema Klimaschutz auch ein Fokus auf die Themen Naturschutz und nachhaltige Landwirtschaft gelegt werden. Denn die Herausforderung Klimawandel ist so groß, dass alle Bereiche, angefangen beim  Energie- und Verkehrssektor bis zur Landwirtschaft, zur Erreichung der Pariser Klimaziele beitragen müssen.

 

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