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Josefine Paul und Mehrdad Mostofizadeh zu wohnungslosen Frauen

Hilfsangebote für wohnungslose Frauen schaffen

Fast 30 Prozent der wohnungslosen Menschen in NRW sind Frauen. Die bisher bestehenden Hilfsangebote sind aber überwiegend auf obdachlose Männer ausgerichtet. Dabei benötigen wohnungslose Frauen ganz andere Hilfen als Männer. Deshalb fordern wir den flächendeckenden Ausbau von speziell frauengerechten Unterstützungsangeboten.

Laut einer Studie der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe waren im Jahr 2018 fast 10.000 Frauen wohnungslos. Sie sind häufig unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgesetzt und gehen anders mit Problemen um als wohnungslose Männer. Häufig versuchen sie, möglichst lange ihre Situation zu verbergen, oft verbunden mit der Angst vor Ausgrenzung und sexuellen Übergriffen.

Die NRW-Landesgesundheitskonferenz hat bereits 2014 festgestellt, dass Frauen durch viele Angebote der Wohnungslosenhilfe kaum erreicht werden. Sie meiden die überwiegend auf Männer ausgerichteten Obdachloseneinrichtungen. Stattdessen suchen sie sich provisorische Unterkünfte oder verharren in der Wohnung eines gewalttätigen Partners. Für einen gesicherten Schlafplatz gehen diese Frauen neue soziale Beziehungen ein, aus denen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen können, die von sexueller Gewalt und Angst geprägt sind.

Einige von Gewalt betroffene Frauen finden Zuflucht in einem Frauenhaus. Anderen bleibt nur die Wohnungslosigkeit, insbesondere dann, wenn sie aufgrund sozialer Schwierigkeiten oder einer Suchtproblematik keine Aufnahme in einem Frauenhaus finden.

Dank des Landesprogramms „Hilfen in Wohnungsnotfällen“ wie auch der Vorläuferprogramme konnten in NRW zwar einige frauengerechte und bedarfsorientierte Angebote aufgebaut werden. Allerdings sind diese Angebote sehr ungleich verteilt: Die überwältigende Mehrheit befindet sich in den größeren Städten, während in vielen ländlichen Regionen noch keine spezifischen Angebote für Frauen existieren.

Hilfe- und Unterstützungsangebote für Frauen flächendeckend auszubauen

Wir fordern deshalb den flächendeckenden Ausbau der Hilfs- und Unterstützungsangebote von der Landesregierung. Auch die besonders von Frauen genutzte aufsuchende medizinische Hilfe für Wohnungslose sollte in möglichst allen Kommunen und Kreisen in NRW angeboten werden.

Aus Untersuchungsberichten wissen wir, dass ein Teil der Frauen niedrigschwellige Hilfsangebote bereits nutzen, während sie noch in der eigenen Wohnung leben. Dies spricht dafür, dass viele Frauen aktiv Hilfe suchen und sie annehmen, wenn sie zur Verfügung steht.

Zudem sollte es ein Wohn- und Betreuungsangebot für wohnungslose Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf geben. Auch „Second-Stage-Projekte“ für Frauen und Kinder in einer Übergangsphase nach einem Aufenthalt im Frauenhaus müssen ausgebaut werden. Denn nach einem solchen Aufenthalt haben viele Frauen große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden.