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Drei Fragen an Mehrdad Mostofizadeh

"Die Arbeit in der Pflege muss mehr Wertschätzung erfahren."

Wir werden immer älter. Viele Menschen brauchen deshalb Unterstützung und Pflege, doch unser Pflegesystem kann dem wachsenden Bedarf nicht mehr gerecht werden. Grund genug, am heutigen „Tag der Pflege“ mit unserem Sprecher für Sozialpolitik- und Pflegepolitik, Mehrdad Mostofizadeh, zu sprechen. Im Drei-Fragen-Interview erklärt er, wie die Grünen den Pflegenotstand bekämpfen wollen, was es für Alternativen zum klassischen Pflegeheim gibt und was zu tun ist, damit Menschen möglichst lang die Wahl haben, in ihrem Viertel wohnen bleiben zu können.

1. In vielen Krankenhäusern und Altenheimen wird dringend mehr Personal benötigt. Was sind die Antworten der GRÜNEN auf den Pflegenotstand?

Mehrdad Mostofizadeh: Wir wollen, dass die Arbeit in der Pflege attraktiver wird und mehr Wertschätzung erfährt. Dazu gehört vor allem mehr Personal. Als „Erste Hilfe“ fordern wir, dass der Bund in einem Sofortprogramm 2,5 Milliarden Euro bereitstellt, um 25.000 zusätzliche Krankenpfleger*innen und 25.000 zusätzliche Altenpfleger*innen einzustellen.

Auf Landesebene haben wir bereits in den letzten Jahren mit der rot-grünen Landesregierung die Zahl der Ausbildungsplätze in der Altenpflege deutlich gesteigert und auf nunmehr über 18.500 verdoppelt. In einem weiteren Schritt muss nun auch die Finanzierung für die Fachseminare erheblich verbessert werden. Im Gegensatz zur schwarz-gelben Landesregierung wollen wir, dass das schon vor 2020 passiert – sonst wird sich der Fachkräftemangel in NRW weiter verschärfen.

Ich selbst habe viele Jahre im ambulanten und stationären Bereich gearbeitet und werbe für diesen spannenden Beruf, bei dem man im intensiven Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen ist. Mit rund 1000 Euro Bezahlung in der Ausbildung ist der Beruf auch finanziell attraktiv – wenn danach auch nach Tarif gezahlt wird und später die personellen Rahmenbedingungen stimmen und entsprechende Aufstiegsmöglichkeiten bestehen

2. Die Menschen werden immer älter und sind immer häufiger auf Pflege angewiesen. Wie können  Pflege und ein selbstbestimmtes Leben im Alter unter einen Hut gebracht und auch Angehörige entlastet werden?

Mehrdad Mostofizadeh: Jeder Mensch muss die Pflege und Unterstützung erhalten, die es ihm erlaubt, möglichst selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt ganz klar, dass kein Mensch gezwungen werden darf in einer stationären Einrichtung zu leben. Deshalb unterstützen wir Alternativen zum klassischen Heim: Dazu gehören WGs und Hausgemeinschaften mit einer umfassenden Pflege aber auch Mehrgenerationenwohnen und „Wohnen mit Versorgungssicherheit“ in der eigenen Wohnung. Mit all diesen Möglichkeiten wird ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht und auch die Angehörigen werden deutlich entlastet.

Zudem wollen wir aber auch die klassischen Pflegheime dabei unterstützen, sich zu modernisieren, um ein selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen: Dazu gehören eigene Wohnbereiche, eine Öffnung hin zum Quartier, Vereine und Initiativen im Stadtteil bis hin zur Umwandlung zu einer Wohnanlage für alle Generationen.

3. Viele Menschen möchten in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben auch wenn sie auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind. Was bedeutet dies für die Pflegeangebote und die Infrastruktur in den Städten und Gemeinden?

Mehrdad Mostofizadeh: Die Stadtteile – wir sprechen hier meist von städtischen Quartieren - wie auch die ländlichen Gemeinden, müssen stärker auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet werden, die Unterstützung benötigen. Die ambulante- sowie die Tagespflege müssen ausgebaut, Beratungen gesichert und der Bau von barrierefreien Wohnungen vorangetrieben werden – die neue Bauordnung von CDU und FDP ist dabei ein eklatanter Rückschritt.

Gerade für ältere Menschen sind auch Fragen wie „Wo kaufe ich Lebensmittel?“ Oder „Wo ist die nächste Apotheke?“ zentral, weil sie nur noch kurze Wege zurücklegen können. Hierzu braucht es eine soziale Quartiersentwicklung und –planung. Mit Landesgeldern wurden die Kommunen und gemeinnützigen Träger bisher dabei unterstützt. CDU und FDP wollen die Stellen für so genannte „Quartiersentwickler*innen“ aber wieder streichen. Die Landesberatungsstellen für innovative und altersgerechte Wohnformen mussten bereits ihre Arbeit einstellen. Hier fordern wir die Landesregierung auf, die Streichung wieder zurückzunehmen.

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