Reden, Schule, Beer

Antrag der Piraten zum Fach Informatik

Sigrid Beer: "Was von der Bundesebene kommen soll, steht noch in den Sternen"


Sigrid Beer (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Da geht aber jetzt technisch mega etwas durcheinander. Das muss man sehr deutlich sagen.

Liebe Frau Bunse, dass Sie ein bisschen beleidigt sind, weil Sie nicht haben mitspielen können – Sie haben das selbst so gesagt –,

(Dr. Joachim Paul [PIRATEN]: Das ist okay!)

ist schade. Aber ich glaube, das war noch nicht der richtige Zeitpunkt. Ich habe die Pressemitteilung der Kollegin Vogt mit Interesse zur Kenntnis genommen. Mit dem Konzept, das Sie da auflegen mit Ihren bildungspolitischen Sprechern, sind Sie meilenweit hinter dem zurück, was in NRW längst Praxis ist. Das muss man wirklich sagen.

Wenn das die Antwort auf die Fragen der Zukunft ist, muss ich sagen: Das finde ich eher enttäuschend. Das, was von der Bundesebene, von Frau Wanka, kommen soll, steht auch noch in den Sternen. Das, was hier drinsteht, ist also ein bisschen mehr Pythia als reale Politik. – So viel zu den Einlassungen der CDU.

Ich möchte damit beginnen, mich bei Hans Feuß zu bedanken; denn seine sehr sachliche, aber immer enorm kompetente und praxisnahe Art und diese bestimmte Lässigkeit haben für viel Substanz in der Diskussion gesorgt. Herzlichen Dank!

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Ganz besonders möchte ich mich bei Monika Pieper für die Leidenschaft für dieses Thema bedanken, was auch in diesem Antragsentwurf noch einmal deutlich geworden ist, und für das Vorantreiben des Bewusstseins für die Bedeutung und Bedeutsamkeit dieses Themas. Das ist auch dein Verdienst.

Ich habe mich sehr gefreut, dass du uns nicht in die Zwickmühle gebracht hast, diesen Antrag ablehnen zu müssen; denn die Frage nach dem Pflichtfach Informatik war ja an erster Stelle aufgehängt. Darüber müssen wir in der Tat streiten, und wir haben es auch oft genug getan. Wir möchten es eben nicht abwälzen, sondern zu einer Aufgabe der gesamten Schulentwicklung machen wollen. Dann wird man das in dem Kanon der naturwissenschaftlichen Fächer verankern und ihm einen anderen Stellenwert geben müssen.

Aber ich glaube, wir sind sehr beieinander, wenn wir sagen: Das Leben und Lernen in der digitalen Gesellschaft wird zur klaren Leitperspektive schulischer Entwicklung, um bildungsgerecht allen Kindern und Jugendlichen Zukunftsperspektiven in der digitalen Welt zu eröffnen. Ja, informatisches Wissen und informatische Grundbildung gehören heute zum Weltwissen, und das erschließt die Welt. Deswegen muss man auch begreifen, was dahintersteckt, wenn im Internet plötzlich die Algorithmen wirken und einem alle möglichen Angebote gemacht werden, weil man einmal auf eine Seite geklickt hat.

Wir könnten das jetzt im Alltag anhand von ganz vielen Dingen durchdeklinieren; aber es ist so. Deswegen bin ich froh, dass wir zu diesem gemeinsamen Antrag gekommen sind. Wir sind uns nämlich wirklich darin einig, die Sache voranzutreiben und zu einer Schulentwicklungsaufgabe zu machen. Das muss man in der Schrittigkeit auf allen Ebenen, die in dem Antrag beschrieben sind, durchdeklinieren.

Besonders freut mich auch, dass wir noch einmal einen Schwerpunkt auf die Frage gelegt haben, wie viele Mädchen und Frauen eigentlich Zugang zu diesem Feld bekommen. Mich hat die Ausstellung im Heinz-Nixdorf-Forum zu Ada Lovelace begeistert:

(Monika Pieper [PIRATEN]: Ja!)

die Pionierin, die – man höre und staune – 1815 geboren und leider schon 1852 gestorben ist. Sie war die erste Programmiererin der Welt und hat sich auch damals schon mit einer kritischen Reflexion zu dem Thema „Maschinen“ zu Wort gemeldet. Sie hat gesagt: Mit den Maschinen muss man umgehen lernen. Man muss sie verstehen lernen, und deswegen muss man das Programmieren lernen.

In ihrer Biografie hat sie gegen sehr viele Widerstände dieses Bildungsfeld für sich erschlossen und ihren Beitrag dazu geleistet. Wenn wir es hinbekommen, dass mehr Mädchen und Frauen Ada Lovelace kennenlernen, wenn wir diese Wege öffnen und eine Begeisterung für das Feld naturwissenschaftlicher Bildung insgesamt hinbekommen, wenn nicht mehr damit kokettiert wird: „Ich kann kein Mathe, und ich kann kein Informatik“, sondern wenn diese Fächer zum wesentlichen Bestandteil unseres Weltwissens werden – und zwar schon bei den sehr jungen Kindern –, wenn altersgerecht – auch analog – das Thema „Programmieren“ gelernt und ein Verständnis dafür geschaffen wird – ich glaube, dann sind wir einen großen Schritt weiter, diese Welt zu begreifen und sie vor allen Dingen kritisch und aktiv mitgestalten zu können.

(Beifall von den GRÜNEN, der SPD und den PIRATEN)

Deswegen bin ich dankbar für diesen gemeinsamen Antrag. Als Wertschätzung der Arbeit, die von dir in den letzten fünf Jahren geleistet worden ist, ganz herzlichen Dank auch für die immer konstruktiven Beiträge und für das Beharren darauf, dass es um die Sache geht. Danke, Monika!

(Beifall von den GRÜNEN, der SPD und den PIRATEN) 

Diese Seite drucken