Reden, Schule, Kultur & Medien, Schmitt-Promny

Antrag der FDP zur Stärkung der Medienkompetenz

Karin Schmitt-Promny: "Wir wollen keine volldigitalisierte Schulwelt, sondern eine Schule, die Medienkompetenz vermittelt, damit Schülerinnen und Schüler handelnde Subjekte ihrer digitalen Kommunikation sein können."


Karin Schmitt-Promny (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die FDP will digitale Bildung und Medienkompetenz in den Schulen stärken. Sie spricht sich für bundesweite Standards, gemeinsame Verantwortung sowie Aus- und Fortbildung aus.

Diese Anliegen werden von unserer Fraktion grundsätzlich unterstützt. Digitale Medien haben längst überall in unser Leben Einzug gehalten: in der Arbeitswelt, im Alltagsleben, in der Freizeit und auch zunehmend in unseren Schulen.

Die Relevanz einer aktiven Aneignung digitaler Kenntnisse und Kompetenzen ist heutzutage unumstritten. Ja, Medienkompetenz ist eine der Schlüsselkompetenzen unserer Zeit. Sie ist zudem inzwischen auch ein entscheidender Faktor für einen chancengleichen Bildungszugang.

Als Konsequenz folgt daraus: Schülerinnen und Schüler sowie die Schulen aller Schultypen sollen den Herausforderungen der digitalen Entwicklung erfolgreich begegnen können. Somit können wir dem Antrag im Grundsatz zustimmen.

Nicht folgen können wir ihm jedoch in seiner Einschätzung der aktuellen Situation. Die FDP braucht die Schulpolitik in NRW nicht wachzuküssen. Herr Kaiser, NRW wird auch nicht zur Schnecke.

Das Anliegen der Stärkung digitaler Bildung ist nicht neu. In NRW erfolgt die Entwicklung stetig. Sie ist ein Prozess. Wir sind mitten in diesem Prozess. Bereits seit Jahren investieren viele Kommunen hohe Beträge in die digitale Ausstattung ihrer Schulen. In meiner Heimatstadt Aachen werden seit den 2000er-Jahren Jahr für Jahr sechsstellige Beträge für die digitale Ausstattung der Schulen verausgabt, und zwar in jedem Schultyp, von der Grundschule bis zum Berufskolleg.

(Klaus Kaiser [CDU]: Wie ist das bei den Stärkungspaktkommunen?)

– Ich habe jetzt als Beispiel unsere Stadt genannt. Da kenne ich die konkreten Zahlen. Wir können das im Ausschuss gerne noch weiter verfolgen. In meinem Umfeld, der StädteRegion Aachen, ist die digitale Bildung aber durchaus auch in den Stärkungspaktkommunen durchaus angekommen, und die Kommunen investieren.

(Eva Voigt-Küppers [SPD]: Jedem Kind einen Laptop!)

Ein Schreckensszenario nach dem Motto, NRW verliere den Anschluss, gibt es also nicht. NRW ist kein digitales Entwicklungsland. Die schulische Infrastruktur kann sich durchaus sehen lassen. Das zeigt auch die Studie „Schule digital – Der Länderindikator 2015“.

Meine Damen und Herren, der weitere Ausbau ist auch absehbar. Die Ausstattung macht aber noch keine erfolgreiche digitale Bildung; denn digitale Medien sind erst einmal Werkzeuge, mehr nicht. „Mehr Computer“ ist nicht gleich „mehr Kompetenz“. Die Quantität garantiert keine Qualität.

Was macht den Bildungsansatz digitaler Bildung aus? Hier sei ein Vergleich mit der kulturellen Bildung gezogen. Ein Instrument zur Verfügung zu stellen, ist eine wichtige Voraussetzung, heißt aber noch lange nicht, dass ein Kind musizieren kann.

Auch bei der digitalen Bildung ist es notwendig, sie in einen ganzheitlichen Bildungsbegriff einzubeziehen. Vorteile digitaler Bildung in der Schule sind der spielerische Zugang zu Wissen – insbesondere bei den jüngeren Kindern –, die personalisierte Ausbildung und die damit verbundenen Möglichkeiten einer individualisierten Förderung sowie das kooperative Lernen.

Medienkompetenz soll Schülerinnen und Schülern eine eigenständige und kritische Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Dazu gehört auch, dass sie in der Lage sind, Medien und ihre verschiedenen Einsatzweisen zu hinterfragen und sich auch der vorhandenen Risiken bewusst zu sein.

Der Medienpass NRW ist dabei ein Instrument, das die vielfältigen Elemente digitalen Lernens und Lehrens erfolgreich aufgreift.

Dieses Verständnis von digitaler Bildung stellt Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer. Nicht nur der technische Umgang ist gefragt, sondern genauso auch die Pädagogik. Erst das Wissen über methodische und didaktische Konzepte sowie deren Anwendung machen digitale Bildung erfolgreich.

(Beifall von den GRÜNEN)

Um Lehrerinnen und Lehrer bezüglich ihres Qualifizierungsbedarfs zu unterstützen, werden bereits seit Jahren gut nachgefragte Fortbildungen angeboten und gibt es Medienberatung in den regionalen Kompetenzteams.

Mit dem neuen Lehrerausbildungsgesetz machen wir digitale Bildung zu einem grundständigen Element der Lehrerausbildung.

Ich komme zum Schluss. Wir wollen keine volldigitalisierte Schulwelt, sondern eine Schule, die Medienkompetenz vermittelt, damit Schülerinnen und Schüler handelnde Subjekte ihrer digitalen Kommunikation sein können.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

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