Reden, Sport, Paul

Antrag der CDU zur Fußballeuropameisterschaft in NRW

Josefine Paul: "Darin liegt die eigentliche Chance dieser Bewerbung"


Josefine Paul (GRÜNE): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Leider entscheidet die UEFA nicht auf Basis der karnevalesken Fähigkeiten der Rednerinnen und Redner im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Ich wäre mir sicher: Dann hätten wir die Sache im Sack.

(Beifall von den GRÜNEN – Michael Hübner [SPD]: Dann könnten wir nicht verlieren!)

Es geht hier aber nicht nur um humoristische Einlagen. Da sind Sie, Herr Müller, ebenso berechenbar; denn ich dachte mir schon, dass es in diese Richtung gehen würde. Natürlich sind wir ein Fußballland, und wir können auch große Turniere. Sie haben gerade schon auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 hingewiesen. Dort hat Nordrhein-Westfalen mit den Spielorten Dortmund, Gelsenkirchen und Köln gezeigt, dass wir einen ganz wichtigen Beitrag zum „Sommermärchen“ geleistet haben.

Aber, weil Sie es schon angesprochen haben: Dieses Sommermärchen – und das ist in den letzten Wochen und Monaten breit diskutiert worden – hatte eben auch Schattenseiten. Nach wie vor ist der Korruptionsskandal, der sich um die Vergabe des Sommermärchens rankt, nicht aufgearbeitet. Das trägt zu einem erheblichen Maße zur Glaubwürdigkeitskrise des organisierten Sports bei, und es trägt auch dazu bei, dass die Unterstützung durch die Bevölkerung in den letzten Jahren gesunken ist. Das sieht man an den gescheiterten bzw. den erfolgreichen Bürgerentscheiden zu den Bewerbungen für Olympische Spiele.

(Beifall von Eva Voigt-Küppers [SPD])

Das, was Sie so vollmundig, als „ganz kleines Karo“ bezeichnen, ist doch genau das, was die Menschen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in ganz Deutschland wollen, und was sie ehrlich gesagt auch erwarten können: dass man ihnen eine Bewerbung auf den Tisch legt, die nicht alleine mit dem Fanschal gestrickt ist, sondern die auch Hand und Fuß hat und die Good-Governance-Kriterien und Transparenzkriterien beinhaltet,

(Beifall von Sigrid Beer [GRÜNE] und Eva Voigt-Küppers [SPD])

um das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen oder immerhin deutlich zu machen, dass man willens ist, das zu schaffen. In Ihrem Antrag, den Sie als ganz großen Wurf für das Sportland Nordrhein-Westfalen hier abfeuern, steht kein Wort dazu.

(Beifall von Sigrid Beer [GRÜNE])

Sie wollen einfach nur ins Stadion. Das sei Ihnen gegönnt. Aber das ist aus meiner Sicht zutiefst unpolitisch.

Dass wir das auch in Nordrhein-Westfalen können, haben Sie in unserem Antrag gelesen. Sie haben es nur irgendwie nicht so richtig zur Kenntnis nehmen wollen. Der LSB macht doch vor, dass man sich auch als Sportgroßorganisation selbst zu den Grundsätzen guter Verbandsführung verpflichten kann.

Dieses vorbildliche und wichtige Signal für mehr Transparenz sollte doch die Blaupause für eine deutsche Bewerbung, für die Arbeit des DFB und eines möglichen OK sein. Das sollten wir von ihnen erwarten können. Das sollte eine engagierte Sportpolitik auch einfordern.

Ich lade Sie herzlich ein, unserem Antrag zuzustimmen. Ich weiß, Sie werden gleich sagen, das können Sie alles nicht machen, weil wir nicht auf Sie zugekommen sind. Ich möchte einmal fragen: Wann sind Sie eigentlich auf uns damit zugekommen, dass wir Ihrem Jubelantrag beispringen sollen? – Ich kann es Ihnen sagen. Ihr Kollege ist gestern nach der Sitzung des Sportausschusses auf mich zugekommen. Da war unser Antrag schon eingereicht. Er hat gesagt: Mensch, wollt Ihr nicht noch aufspringen? – Das halte ich nicht für kooperatives Verhalten. Das gehört auch zur Wahrheit.

(Josef Hovenjürgen [CDU]: Gut, dass ihr das immer anders macht!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch Nachhaltigkeit mit Blick auf Natur und mit Blick auf Finanzen müssen wir in den Blick nehmen. Das sind wichtige Aspekte, die die öffentliche Akzeptanz steigern. Ehrlich gesagt, steigern sie auch die Vorfreude.

Wir haben die Infrastruktur. Diese haben wir noch aus dem Jahr 2006. Wir haben sehr gute Stadien. Wir haben auch eine Verkehrsinfrastruktur, die – das will ich Ihnen gerne zugestehen – sicherlich ausbaufähig ist. Eine erfolgreiche Bewerbung gibt die Chance, noch einmal einen Push für eine Verbesserung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur zu bekommen. Ich finde Ihren Vorschlag durchaus bedenkenswert, dass sich der Ausrichter an der Finanzierung beteiligen sollte. Allein mir fehlt der Glaube; denn zu den Kosten, die dafür angesetzt werden, sagt das IOC, sagt die UEFA und sagt die FIFA jedes Mal: Wir haben uns ja an der Finanzierung beteiligt. Aber die Infrastruktur hat das Land zu stellen.

Das kann man mit Fug und Recht kritisieren. Ich gebe Ihnen an der Stelle recht. Allein mir fehlt der Glaube, dass es die Stärke gibt, sie in die Verpflichtung zu nehmen.

Wir haben die Infrastrukturen. Wir haben übrigens in Deutschland auch schon einmal gezeigt, dass man mit Nachhaltigkeitsaspekten neue Impulse setzen kann. Ich erinnere im Zusammenhang mit der WM 2006 an die Kampagne Green Goal. Das war das erste innovative Umweltkonzept, welches überhaupt jemals bei einer WM durchgeführt worden ist. Damit hat Deutschland Maßstäbe gesetzt. Daran anzuknüpfen, ist nur vernünftig. Das ist doch nicht ganz kleines Karo, sondern das ist anständige Sachpolitik. Ich finde es schade, dass Sie das nur zu einer Büttenrede und Fanveranstaltung gemacht haben, statt anständig darüber zu sprechen, wie man eigentlich Akzeptanz, Transparenz und ein Ende der Korruption deutlicher machen kann.

Kurzum: Ich bin nicht gegen das hehre Ziel. Wir möchten das alle gerne; denn wir erinnern uns gerne daran, wie schön es im Jahr 2006 oder auch im Jahr 2011 gewesen ist, als die Frauen ihre Fußballweltmeisterschaft hier ausgetragen haben. Wir sind ein innovatives Sportland. Wenn die Dinge in der Bewerbung umgesetzt werden, die wir in unserem Entschließungsantrag aufgeschrieben haben, dann sind wir ein vorbildliches Sportland mit einer vorbildlichen Bewerbung. Darin liegt die eigentliche Chance dieser Bewerbung. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD) 

 

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