Anfragen, Schäffer, Paul, Innenpolitik, Rechtsextremismus

Kleine Anfrage von Verena Schäffer und Josefine Paul

Neonazistische Kampfsport-Veranstaltung „Kampf der Nibelungen“

Am 14. Oktober 2017 fand in Kirchhundem (Kreis Olpe) eine konspirativ organisierte Kampfsportveranstaltung der Neonazi-Szene statt. Nach Angaben der örtlichen Polizei sollen

500 bis 600 Zuschauer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland teilgenommen haben. Der Polizei soll am Nachmittag des Veranstaltungstages bekannt geworden sein, dass am frühen Abend ein Box-Wettkampf in Kirchhundem stattfinden solle, dessen Veranstaltungsort durch Personen der rechtsextremen Szene angemietet worden sei. Die Polizei führte Aufklärungsmaßnahmen und Personenüberprüfungen bei der Abreise der Besucher*innen durch (vgl. Anm 1). Der Vermieter der Schützenhalle, in dem die Veranstaltung stattfand, war nach Informationen des WDR von seinen Mietern über den wahren Zweck der Veranstaltung getäuscht worden (vgl. Anm 2).

Das hessische Innenministerium hatte Ende September die Öffentlichkeit in Hessen über Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden informiert, wonach die „illegale Kampfsportveranstaltung“ in diesem Jahr in Hessen stattfinden solle. Das hessische Innenministerium warnte deshalb in einem Rundbrief hessische Städte und Gemeinden vor der Veranstaltung (vgl. Anm 3).

Die Kampfsportveranstaltung fand 2017 bereits zum fünften Mal in Folge an wechselnden Orte statt. In den ersten beiden Jahren wurde sie noch unter  dem  Namen  „Ring  der  Nibelungen“ beworben, mittlerweile treten die Veranstalter mit dem Label „Kampf der Nibelungen“ auf. In der Vergangenheit soll die Veranstaltung schon einmal in Nordrhein- Westfalen stattgefunden haben. Dies hat auch das Innenministerium in der Innenausschusssitzung vom 19. Oktober 2017 bestätigt. Es ist anzunehmen, dass Rechtsextreme aus Nordrhein-Westfalen an der Organisation der Veranstaltung beteiligt sind. So habe der Vermieter der Schützenhalle in Kirchhundem den Mietvertrag mit einer Privatperson aus Dortmund geschlossen, der ihn jedoch über den tatsächlichen Charakter der Veranstaltung getäuscht habe (vgl. Anm 4).

Anm. 1: Siegener Zeitung: „600 Rechte bei Nazi-Treffen“

Anm. 2: WDR: Treffen der rechten Szene: Vermieter in Kirchhundem getäuscht

Anm. 3: Hessenschau: "Kampf der Nibelungen" Neonazi-Fight alarmiert Sicherheitsbehörden

Anm. 4: Westfalenpost: Rechtsradikaler Kampf-Veranstalter überraschte Schützen

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Landesregierung:

  1. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung zu den durchgeführten Veranstaltungen „Ring bzw. Kampf der Nibelungen“ in den vergangenen Jahren bis 2017 vor? (Bitte unter Angabe von Ort und Teilnehmerzahl.)
  2. Welche rechtsextremistischen Strukturen aus NRW sind in die Organisation des„Kampfes der Nibelungen“ involviert?
  3. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung hinsichtlich der Teilnahme von Personen aus der (gewaltbereiten) Fußballszene an der Veranstaltung am 14.10.2017?
  4. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung hinsichtlich der Einbindung rechtsextremistischer Strukturen (bspw. „Hammerskins“) aus dem Ausland beim „Kampf der Nibelungen“?
  5. Wie will die Landesregierung dafür Sorge tragen, dass solche konspirativ geplanten rechtsextremen Großveranstaltungen in Zukunft nicht mehr in Nordrhein-Westfalen stattfinden?

 

 

 

Verena Schäffer Josefine Paul

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