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FSJ-Blog

Von technischen Haustieren, Kälte und interessanter Arbeit…

…können wir nach fast vier Monaten in der grünen Landtagsfraktion berichten.

Morgens um 8 Uhr stehen wir abwechselnd in der Küche und kümmern uns liebevoll um die beiden neuen, technischen ‚Haustiere‘ der Fraktion, allen anderen auch bekannt unter dem Namen Kaffeemaschinen.

Aber wir fünf verstehen uns eigentlich ganz gut und  freuen uns, wenn wir wahlweise einen frischen Latte Macchiato/Kaffee/Espresso/Cappuccino mit einem „Bitteschön“ geliefert bekommen.

Diesen Service hatten wir bei unserem ersten Seminar des ijgd (internationale Jugendgemeinschaftsdienste) nicht. Selbstverpflegung stand auf der Tagesordnung. Aber dennoch oder gerade deswegen  hatten wir alle Spaß, haben spannende Diskussionen geführt und viel über Utopie, das ehemalige Regierungsviertel in Bonn und die Einsatzstellen der anderen Freiwilligen gelernt. Aber auch im Landtag ist eine Menge passiert:

Martha: Zusammen mit der Abgeordneten Verena Schäffer habe ich in dieser kurzen Zeit schon sehr viel erlebt. Ich war auf Veranstaltungen zu Themen wie ‚Verbot von Rechten Organisationen‘ oder ‚Antimuslimischen Rassismus‘, die mir spannende neue Blickwinkel ermöglicht haben. Aber auch hier im Haus und besonders im Innenausschuss wird  es nicht langweilig. Es wird über wichtige Themen, wie z.B. den HogeSa  debattiert und so ist es auch kein Wunder, dass die Sitzungen oftmals fünf Stunden dauern und man um einen Sitzplatzt kämpfen muss.

Isa: Zusammen mit der Pressestelle und der Abgeordneten Gudrun Zentis war ich letztens im Tagebau Hambach. Eine sehr spannende Erfahrung, da ein Tagebau von innen ganz anders aussieht als von außen. Toll war auch, dass wir mit den Menschen der Waldbesetzung des Hambacher Forst, welche sich gegen die Rodung des Waldes einsetzen, sprechen konnten und diese uns den Wald (aus ihrer Sicht) zeigten.

Amelie: „Gespräche über Schulpolitik haben schnell Stammtischniveau – jeder war schon mal da und weiß es besser.“ Ein Satz, dessen Richtigkeit mir immer wieder bestätigt wird. Ob in mehreren Runden zum immer beliebten (oder unbeliebten?) Thema G8/G9 in unterschiedlichster Zusammensetzung oder beim Antrag zur Wiedereinführung der Kopfnoten. Aber weil eben auch alle Meinungen und Argumente wichtig sind, durfte ich sie sammeln und so der Abgeordneten Sigrid Beer bei der Vorbereitung ihrer Reden im Plenum helfen. Außerdem habe ich jetzt mein eigenes, spannendes Projekt, von dem ich sicher noch an anderer Stelle berichten werde.

 


„Seid ihr die neuen Jahrespraktikantinnen?“

Ja, sind wir. Oder fast: Als FSJ-P’lerinnen (Freiwilliges Soziale Jahr im politischen Leben) sind wir die fünfte Generation von Freiwilligen, die ihren Dienst in der Landtagsfraktion absolviert.

„Wir“ sind Martha Schuldzinski, Amelie Roßmaier und Isabel Elsner.

Jahrespraktikum klingt nach einem Jahr Kaffee kochen und Akten sortieren. Ein furchtbarer Gedanke. Wer bitte, würde so etwas ‚freiwillig‘ tun?

Zwar gehört es tatsächlich zu unseren Aufgaben, die Post zu sortieren (Abgeordnete bekommen viel Post!) und die Küche sauber zu halten, aber wir haben schnell gehört: „Du bist keine Putzfrau! Du sorgst eigentlich nur dafür, dass die anderen selber sauber machen!“ Schön, dass unsere Arbeit nicht nur daraus besteht, Post zu sortieren und ab und an durch die Küche zu wischen. Jede von uns hat ganz unterschiedliche Aufgaben, da wir in verschiedenen Bereichen innerhalb der Fraktion arbeiten. Hier ein kleiner Überblick:

Amelie: „Ich sitze bei Norbert Czerwinski, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter für Schule und Weiterbildung und werde somit voll und ganz in das Thema ‚Bildung‘ eingearbeitet. Eigentlich ist man als ehemalige Schülerin zwar ohnehin schon ‚Expertin‘ in diesem Bereich, in den vielen Ausschüssen, Anhörungen oder Fachgesprächen lerne ich aber noch einmal ganz andere Blickwinkel kennen. Mal muss ein Fragebogen zum Thema Inklusion erstellt werden, mal tagt der Runde Tisch zum Thema G8/G9. Und so erhalte ich einen Einblick in gelebte Demokratie – wenn die unterschiedlichsten Meinungen zusammenkommen und trotzdem ein Kompromiss gefunden werden soll, also wie parlamentarische Arbeit funktioniert. Und vielleicht bekomme ich ja auch eine Idee, was ich später machen will. Aber selbst wenn nicht - langweilig wird mir bei den hitzigen und teils mehr emotionalen als argumentativen Debatten bestimmt nicht.“

Martha: „Ich sitze bei Vera Esders, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin für Petitionen. Ich engagiere mich im Arbeitskreis 1 (AK 1) und habe in der Abgeordneten Verena Schäffer eine Ansprechpartnerin und damit auch ‚mein‘ Thema, nämlich ‚Rechtsextremismus‘ gefunden. Auch hier gibt es die verschiedensten Aufgaben zu erfüllen. Sei es das Zuhören bei spannenden Vorträgen und Veranstaltungen oder Recherchearbeiten, in so einer entspannten und freundlichen Atmosphäre macht eigentlich alles Spaß. Ich habe mich hier beworben, weil ich nach dem ewigen Lernen in der Schule erst einmal ein paar praktische Erfahrungen sammeln möchte, bevor es dann mit dem Studium weitergeht.“

Und da ist ja noch eine Dritte, Isabel: „Ich sitze in der Pressestelle. Dort konnte ich in der ersten Woche schon eine interessante Erfahrung machen: Zusammen mit dem Abgeordneten Norwich Rüße ging es auf seinen Bio-Bauernhof, um Fotos für eine neue Broschüre zu schießen. Dort gab es ganz süße, gerade auf die Welt gekommene, kleine Küken, die sich sogar auf die Hand nehmen ließen. Die Aufgaben in der Pressestelle sind also sehr vielfältig und spannend.

Da ich zwischen Lehramtsstudium und Schule noch etwas anderes machen wollte und schon länger in der grünen Politik aktiv bin, bin ich nun hier in der Grünen Landtagsfraktion NRW.“

Weniger kuschelig ging es in der Plenarsitzung im September zu, um genauer zu sein in der Haushaltsdebatte: Ein ganz schön rauer Tonfall herrschte dort.  

Nichts desto trotz wiegten wir uns in den ersten Wochen in einer herrlich angenehmen Atmosphäre mit netten KollegInnen, einer tollen Fraktion und einem doch etwas schwer zu findenden Arbeitsplatz. Der Landtag ist schließlich sehr groß!

Dennoch freuen wir uns alle auf dieses Jahr und werden ab und zu auf diesem Blog von uns hören lassen! 


Wir sagen DANKE und verabschieden uns wehmütig...

Johannes Ratte und Laura Overhage... von Laura Overhage und Johannes Ratte, die am 1. September 2014 ihr Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben bei der GRÜNEN Landtagsfraktion beendet  haben. Nach drei Generationen von Freiwilligen waren sie die vierte Riege, die angetreten ist. Nach einem Jahr, in dem die beiden die Möglichkeit hatten, den Politikbetrieb von Grund auf kennenzulernen, sind sie für die Fraktion zu wertvollen und eigentlich unverzichtbaren MitarbeiterInnen geworden.

Wir wünschen den beiden viel Spaß am Studium und freuen uns auf ihre drei Nachfolgerinnen. Was Laura und Johannes in ihrem Freiwilligen Jahr erlebt haben, schreiben sie hier:

Hannes: Hey Laura,
Es ist soweit – der letzte Tag! :x
Ich weiß noch gut, wie wir hier angefangen haben. Gefühlte 3.000 Hände geschüttelt, bis allen klar war: „Das ist kein Schülerpraktikant – der bleibt ein Jahr, der kann arbeiten!“

Laura: Bei mir hat es allerdings etwas länger gedauert, bis diese Erkenntnis bei allen durchgedrungen ist. :D

Hannes: Und trotzdem, dann ging es los.  Es dauerte nicht lange bis man sich durch diverse Fraktions-, Plenar-, Ausschuss- und AK-Sitzungen auch die „Landtagssprache“ aneignete. ‚Gewinnerthemen‘ ausnutzen, ‚Verliererthemen‘ möglichst meiden. Geht das nicht, sich überlegen „welche Geschichte wir da erzählen wollen.“ Außerdem: „Aufs Wording achten“. Und Gendern. „Jeder wird gegendert, Johannes!“ –„Oh, das ändere ich. Die Sprache ändert das Denken, ich weiß; ich weiß.“

Laura: Mein Lieblingssatz war auf jeden Fall: „Wir müssen nicht nur in die Breite fördern, sondern auch in die Tiefe“. Das geht ja praktisch immer: ob schulische Inklusion, Förderung des ländlichen Raums oder Naziaussteigerprogramme. An der Vertrautheit mit der Sprache und den 20.000 Abkürzungen, die man auf einmal nicht nur kannte, sondern auch noch benutzte (FraSi, FraVo, MSW, …), konnte ich erkennen, wie ich mich eingelebt habe. Und ein Stück weit angekommen bin ich sicherlich, als ich es auf einmal nicht mehr komisch fand, alle zu Duzen.

Hannes: Stimmt. Und auch an den Aufgaben konnte man die eigene Entwicklung ganz gut erkennen. Angefangen mit der Recherche zu Gefahren im Internet bis hin zur Terminorganisation für Monika im Abgeordnetenbüro. Nach und nach konnte ich immer mehr Sachen übernehmen. Am Anfang hatten wir Beide gerade einmal die Verantwortung zu gucken, dass die Küche sauber  bleibt. Nach kurzer Zeit konnten wir schon beim Plenardienst unter die Arme greifen. Sogar Durchsagen machen! *_*

Laura: Die Küche! Kommt definitiv auf meine Liste „Top 10 Liebste Aufgaben“. Aber wir hatten ja auch jede Menge richtig spannender Dinge zu tun.

Hannes: Ja, zum Beispiel bei Veranstaltungen waren wir regelmäßig mit von der Partie. Sei es beim Auf- und Abbau, Besucher betreuen, Diskussionsberichte verfassen, Bilder machen oder Simone Peter Suppe ausschenken. Wir waren dabei. Meistens in der zweiten Reihe, aber auch mal in der ersten.

Laura: Mein Horrorszenario war, als ich die Veranstaltung „Jugend interkulturell“ organisiert habe und zwei Wochen vorher weder ein „Save the Date“ (wieder so ein Wort, dass ich vorher nie benutzt hätte) noch eine Einladung verschickt hatte, weil noch nicht alle ReferentInnen ;) standen. Und am Ende sind dann doch noch genügend Leute gekommen, obwohl wir uns schon aufs Absagen vorbereitet hatten…

Hannes: Richtig ins Eingemachte ging es dann aber, als wir in die Arbeit eines Abgeordnetenbüros hineinschnuppern konnten und die Abläufe in der GRÜNEN Pressestelle kennenlernten. Wir wissen jetzt wie Parlamentarismus nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch funktioniert. Direkt an meinem ersten Tag in der Pressestelle: Der große Online-Check. Mit Betonung auf „groß“. Jede einzelne Internetseite der NRW Kommunen sollte hier von Abgeordneten gecheckt werden.

Laura: Eine meiner Mammut- Aufgaben habe ich direkt zu Anfang gekriegt, als ich alle Stellungnahmen der Anhörung zur Novellierung des Alten- und Pflegegesetzes auswerten musste. Ich habe danach keine einzige Anhörung mehr erlebt, zu der so viele Verbände eingeladen wurden. Und am meisten Spaß gemacht haben mir das Schreiben von Artikeln in der Pressestelle und die inhaltlichen Arbeiten im Abgeordnetenbüro. Kurzrecherchen zu Frauen im Salafismus oder Pro NRW und ähnlichen rechtsextremen „Bürgerbewegungen“ hätten für mich auch ruhig etwas länger ausfallen können J Ein komisches Gefühl, dass das Jahr jetzt schon vorbei ist…

Hannes: Wir haben so viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen und Karrieren kennen gelernt. Es ging aber auch richtig schnell, vor allem zum Ende hin…

Laura: Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt! Und: Würdest Du’s noch mal machen?

Hannes: Klar!

Laura: Ich auch!

Wir werden ab jetzt fortlaufend an dieser Stelle berichten, was unsere drei neuen FSJ-ler lernen und erleben. 

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