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Fraktion vor Ort

Digitale Wirtschaft – Wirtschaft neu denken

Die Digitalisierung erfasst und beeinflusst alle Lebensbereiche. So verändert die digitale Revolution auch die Wirtschaft in NRW nachhaltig. Das zeigt sich unter anderem in neuen Produktionsverfahren, flexibleren Arbeitsprozessen und bei der Kommunikation mit Kund*innen. Neben neuen ökonomischen, ökologischen und sozialen Chancen sorgt der digitale Wandel aber auch für neue Herausforderungen. Die Grünen Abgeordneten besuchen in dieser Woche bei unserer Aktion "Fraktion vor Ort" innovative Betriebe, um so einen direkten Einblick zu bekommen und sich mit Praktiker*innen über Möglichkeiten und Veränderungen durch die Digitalisierung auszutauschen.

Bereits heute entfaltet der digitale Wandel eine ungeheure Wucht. Technologische Veränderungen vollziehen sich in atemberaubender Geschwindigkeit, Innovationszyklen werden stetig kürzer.  Wir wollen, dass NRW Vorreiter im Bereich Digitale Wirtschaft in Deutschland wird. Dafür müssen wir gerade die kleinen und mittleren Unternehmen einbinden und unterstützen. Neben Beratung und Finanzierung ist es hier wichtig, die Netzwerkbildung zu stärken.

Deswegen hat NRW als erstes Bundesland im Jahr 2015 eine Strategie zur Stärkung der Digitalen Wirtschaft vorgelegt. Im Mittelpunkt steht dabei die Vernetzung des »klassischen« Mittelstands und der Industrie mit innovativen Start-Ups. Hierfür wurden im vergangenen Jahr bereits erste Start-Up-Zentren auf den Weg gebracht.
Darüber hinaus sind unter anderem der Aufbau von Netzwerken, die Unterstützung von Messeauftritten für Start-Ups, ein Beteiligungsprogramm der NRW.Bank mit Startkapital für digitale Gründungen Bestandteile dieser Strategie.
Für den Zeitraum 2016 bis 2020 werden hierfür 42 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, bei maximaler Hebelwirkung durch Kofinanzierung der einzelnen Maßnahmen kann das Gesamtinvestitionsvolumen auf bis zu 142 Millionen Euro steigen.

Wir GRÜNE wollen den Digitalen Wandel mit Mut und Weitsicht gestalten. Deshalb stellen wir die Chancen der Digitalisierung in den Mittelpunkt unserer Zukunftsstrategie.

Matthi Bolte hat den Betrieb Lang Bedachungen in Bielefeld besucht. Dort sprach er mit Geschäftsführer Martin Lang. Der Dachdeckerbetrieb setzt zum Beispiel zur Analyse von Schäden an Dächern Drohnen ein. Das sei vor allem in Innenstadtlagen und bei Sanierungen im Bestand sinnvoll, wo der Betrieb auch seinen Schwerpunkt hat.

„Sehr interessant, welche neuen Möglichkeiten sich durch den Einsatz der Drohnen ergeben. Derzeit geht es dabei vor allem um die Dokumentation, perspektivisch wird es aber auch möglich sein, aus den Drohnenbildern direkt 3D-Modelle der Häuser zu berechnen. Daraus können Dachdeckerbetriebe exakte Aufmaße erstellen, die Daten sind aber auch weiter nutzbar, z.B. sehr gewinnbringend für die energetische Gebäudesanierung.“

Unser Sprecher für Netzpolitik hat sich zusammen mit Mehrdad Mostofizadeh das CAMP.ESSEN angeschaut. Die Plattform für Digitalisierung und Innovation ergänzt die Arbeit des Ruhr.HUB und dient zur Vernetzung von Start-Ups mit der mittelständischen Wirtschaft und der Wissenschaft. Ein breiter Förderkreis unterstützt das Camp. Neben der Förderung der Startup-Kultur in Essen werden auch kleine und mittlere Unternehmen rund um die Themen des digitalen Wandels aktiv unterstützt.

„Wir wollen die Chancen der Digitalisierung für alle Unternehmen nutzbar machen. Die Vernetzung von Start-Ups und innovativen Unternehmen ist das wichtigste Element unserer Strategie für die digitale Wirtschaft. Deshalb fördern wir Strukturen wie den Ruhr.Hub und ergänzend das Camp.Essen.“

Ali Baş besuchte das Modehaus Ebbers in Warendorf.

„Es ist spannend zu sehen wie ein mittelständischer Einzelhändler im Textilbereich sich der Herausforderung der Digitalisierung stellt. Von der digitalen Anprobe und freiem Kunden-WLAN, über digitale Weiterbildungsangebote für das Personal und Warenorder bis zur Erstellung einer eigenen Kundenapp fürs Smartphone und Onlineservice ist das Warendorfer Modehaus Ebbers breit aufgestellt. Wir haben auch über die Grenzen der Digitalisierung diskutiert: Die fachmännische Beratung bleibt eine Stärke des Einzelhandels vor Ort.“

Wibke Brems war zu Gast bei der Firma Lübbering in Herzebrock-Clarholz. Der weltweit agierende Betrieb stellt Bohr- und Schraubwerkzeuge her.

„Lübbering muss hohe Präzision und kleine Stückzahlen hochspezieller Werkzeuge liefern, da ist Digitalisierung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Mit einem Frauenanteil von 18 Prozent liegen sie über dem durchschnittlichen Wert von anderen technischen Unternehmen, darauf sind die Inhaber Achim und Anja Lübbering zu Recht stolz. Kreativ ist der Betrieb auch beim Umgang mit der noch fehlenden Glasfaseranbindung für den Produktionsstandort: Eine Richtfunkstrecke sorgt für blitzschnellen Datenfluss zwischen Verwaltung und Produktion. Digitalisierung macht den Unterschied!“

Norwich Rüße hat sich das Unternehmen NFT in Ibbenbüren angeschaut. Schwerpunkt ist dort die Automatisierung von Anlagensteuerungen. Eine besondere Kompetenz dieses Unternehmens besteht, wie Geschäftsführer Frank Haacks erläuterte, in der "virtuellen Inbetriebnahme" von Produktionsanlagen bei gleichzeitiger Einarbeitung der zukünftigen Betreiber.

„Es war richtig spannend zu sehen, wie in der Firma Industrie 4.0 umgesetzt wird. Anstatt direkt beim Auftraggeber die Technik einzubauen und zu beproben, arbeitet man zunächst in Ibbenbüren am Computermodell und probiert neue Steuerungstechnik virtuell aus. Diese Methode bringt vor allem Zeitersparnis bis zur Inbetriebnahme und folglich einen früheren Produktionsbeginn. Aber auch für die Mitarbeiter von NFT ist dieser Arbeitsprozess von Vorteil. Anstatt in lärmenden Maschinenhallen herumzutüfteln, “probieren” sie neue Anlagen am PC aus.“

Monika Düker und Martin-Sebastian Abel haben einen Elektrofachbetrieb in Düsseldorf besucht und sich mit dem Geschäftsführer Kai Hofmann ausgetauscht. In Düsseldorf gebe es bereits zahlreiche Handwerksbetriebe, für die intelligente Gebäudetechnik oder Smart Homes keine Zukunftsmusik, sondern tägliches Geschäft seien.

„Es war sehr interessant zu erfahren wie hier digitale Angebote und Lösungen entwickelt und erfolgreich vermarktet werden. Im Betrieb selbst unterstützt eine umfangreiche digitale Steuerung auch die Energieeffizienz, optimiert Arbeitsprozesse oder findet im Datenschutz Anwendung.“

Karin Schmitt-Promny hat den digitalHUB Aachen e.V. besucht. Dort tauschte sie sich mit Geschäftsführerin Iris Wilhelmi aus. Der HUB hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Digitale Wirtschaft in der Region Aachen voranzubringen. Der DigitalHUB Aachen unterstützt momentan 30 Start-ups und hat 117 Mitglieder.

„Hier werden nicht nur Start-ups und Unternehmen unterstützt, deren Tätigkeitsfeld direkt in digitalen Produkten (Hard- und Software) und entsprechendem Service liegt. Auch die KMUs, die kleinen und mittleren Unternehmen, sollen für die Chancen der Digitalisierung gewonnen werden, um gemeinsam mit den am digitalHUB Beteiligten neue Geschäftsideen zu entwickeln. Dabei möchte der Verein Ideen und Projekte aus den Hochschulen und ihrem Umfeld mit den mittelständischen IT-Betrieben vor Ort und Unternehmen aus Industrie, Handel und Handwerk sowie mit Risikokapitalgebern vernetzen. Gerade in diesem Matching sieht der Verein enorme Entwicklungsmöglichkeiten.“

Dr. Birgit Beisheim war bei der mifitto GmbH zu Gast. Das Start-Up versucht mithilfe von Scannern, die ein dreidimensionales Vermessen des Fußes ermöglichen, sowie einer App, mit der die korrekte Schuhgröße ermittelt werden kann, Retouren zu reduzieren.

„Deutschland ist Weltmeister im zurück schicken. Wenn Unternehmen doppelt so viel versenden, wie sie am Ende verkaufen ist das nicht nur sehr kostenintensiv, es belastet den Verkehr, die Luft und verschwendet Ressourcen. Dem müssen wir mit klugen Ideen zur besseren Verzahnung der Verbraucher*innen mit dem Onlineversand begegnen. Das Start-Up Mifitto vermisst Füße und Schuhe und empfiehlt dann ein geeignetes, passendes Modell. Die Idee hat Vorbildcharakter und birgt enormes Innovationspotential. Auch für den örtlichen Einzelhandel ist es eine Chance, die Herausforderung der Digitalisierung durch mehr personalisierte Dienstleistungen zu meistern.“

 

Stefan Engstfeld besuchte Fechner Zerspanungstechnik in Hilden.

„Fechner steht beispielhaft dafür, wie mit Grünen Ideen schwarze Zahlen geschrieben werden. Das Unternehmen stellt in kleinen bis mittleren Mengen maßgefertigte Drehteile her, unter anderem für die Medizintechnik. Dabei setzt das Unternehmen auf Ökostrom, nachhaltige und umweltgerechte Heizsysteme, Recycling der Reststoffe und einen smarten, bedarfsgerechten Wareneinkauf, der Abfallprodukte minimiert. Digitale Produktionspläne und eine Unternehmensinterne Vernetzung der Maschinen helfen dem Unternehmen die Produktion je nach Auftragslage effizient zu steuern. So sieht die Wirtschaft der Zukunft aus.“

Reiner Priggen traf sich mit Vertreter*innen des Aachener Projekts „Smart Emma“, einer Online-Plattform für lokale Einzelhändler. Dort können Produkte Aachener Lebensmittel-Fachgeschäfte bestellt werden, die anschließend per Lastenrad zu den Kund*innen nach Hause geliefert werden. Im Sommer soll das Projekt probeweise an Start gehen.

„Gerade für ältere Menschen ist das ein tolles Angebot. Aber auch beispielsweise für Pendler*innen ist das Projekt sicher interessant. So können in aller Seelenruhe schon im Zug online Lebensmittel bei alteingesessenen Aachener Fachgeschäften bestellt und dann am Abend ganz entspannt entgegengenommen werden: Kein Stress mit den Öffnungszeiten, kein Stress damit, kurz vor Ladenschluss noch schnell einkaufen zu wollen.“

 

 

 

 

 

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