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Faltblatt

Schützen, was wir lieben

Erhalt der Artenvielfalt im ländlichen Raum

Bedrohte Heimat

Heimat – das sind besondere Menschen und Erinnerungen, aber auch die Landschaft, in der wir aufgewachsen sind: eine Wiese mit hohem Gras, ein dichter Wald, summende Insekten und zwitschernde Vögel. Doch diese Heimat ist in Gefahr, denn immer mehr heimische Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Viele Landschaften haben sich dramatisch verändert und drohen aus dem ökologischen Gleichgewicht zu geraten. 

45 Prozent der beobachteten Tier- und Pflanzenarten in NRW sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Laut einer Untersuchung des Naturschutzbundes gibt es in NRW heute 80 Prozent weniger Insekten als noch 1980 und laut EU-Umweltbericht steht jede dritte Vogelart auf der Warnliste, darunter die Feldlerche, das Braunkehlchen und der Kiebitz. In Deutschland sind 48 Prozent der Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben und auch die Zahl der Schmetterlinge nimmt rapide ab. Da der Obst- und Gemüseanbau von diesen Bestäubern abhängt, hat das Artensterben alarmierende ökologische und auch ökonomische Folgen.

Landwirtschaft

Kein Wirtschaftszweig ist so eng verbunden mit der Natur wie die Landwirtschaft. Sie hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten massiv verändert. Viele kleine Höfe verschwanden, die Zahl der Großbetriebe wächst. Diese halten immer mehr Vieh, die Güllemenge steigt und sorgt für mehr Nitrat in Böden und Gewässern. Bereits in vier von zehn Regionen, aus denen Grundwasser gefördert wird, lässt sich ohne Aufbereitung kein Trinkwasser mehr gewinnen.

Immer mehr Mais und Raps werden als Biomasse für Kraftstoffe und Biogasanlagen angebaut. Diese Monokulturen schädigen langfristig die Böden. Da im Agrarwettbewerb jeder Quadratmeter Acker zählt, werden oft auch die Weges- und Uferränder und die für Insekten und Vögel wichtigen Grün- und Feldrandstreifen zum Anbau genutzt. Der zunehmende Einsatz von Pestiziden wie dem Totalherbizid Glyphosat schädigt Boden- und Wasserqualität und macht insbesondere den Kleinstlebewesen zu schaffen. 

Höchste Zeit, gegenzusteuern

Wir sorgen für mehr Naturschutz in den ländlichen Regionen. So darf im Herbst in NRW nur noch sehr wenig Gülle ausgebracht werden, um die Gefahr von Nitratauswaschungen in das Grundwasser zu minimieren. Die Arbeit der Biologischen Stationen sichern wir finanziell endlich dauerhaft und den Ökolandbau sowie die artgerechte Tierhaltung statten wir mit deutlich mehr Fördermitteln aus. Insgesamt haben wir den Naturschutzetat seit 2010 auf 36 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Mit dem Landesnaturschutzgesetz legen wir konkret fest, wie wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschützt werden. Beispielsweise soll zukünftig Dauergrünland nicht mehr umgewandelt und der Grundwasserstand in Nass- und Feuchtgrünlandflächen nicht mehr abgesenkt werden dürfen.

Die Novelle des Landeswassergesetzes schließlich verpflichtet die Landwirtschaft zukünftig unter anderem, einen fünf Meter breiten Randstreifen ungenutzt zu lassen, wenn sich ein angrenzendes Gewässer in keinem guten Zustand befindet. So wird gewährleistet, dass weniger Pestizide in die Umwelt gelangen und Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten bleibt.

Das erhält die Artenvielvalt

Damit die Natur intakt bleibt und Kiebitze, Bienen und Co. wieder genug Nahrung finden, sind folgende Maßnahmen in der Landwirtschaft notwendig:

  • Fruchtfolgen im Ackerbau einhalten, damit sich die Ackerböden erholen und mehr biologische Vielfalt erreicht wird
  • keine oder zumindest deutlich weniger Pestizide einsetzen
  • die Gifte Glyphosat und Neonikotinoide verbieten
  • eine an die Fläche angepasste Tierhaltung
  • risikoarme, an die Bodenqualität angepasste Düngung
  • mehr Blüh- und Uferrandstreifen sowie ökologisch wertvolle Grünlandflächen schaffen
  • EU-Agrarfördergelder gezielt für bäuerliche Strukturen, den Erhalt der Artenvielfalt, eine artgerechte Tierhaltung und für den Schutz der Umwelt einsetzen

Was jede und jeder selbst tun kann:

  • Gärten sollten grün sein. Steingärten vermeiden, weil Insekten und Vögel dort nichts zu fressen finden. 
  • Vögel ganzjährig füttern, da sie in der Natur nicht genug Nahrung finden. 
  • auf saisonale und regionale Produkte achten. Insbesondere der ökologische Landbau und die artgerechte Tierhaltung bieten gute Voraussetzungen für mehr Artenvielfalt, weil hier auf den Einsatz von Pestiziden, Gentechnik und chemischem Dünger verzichtet wird.
  • öfter nachfragen, woher Produkte stammen und unter welchen Kriterien sie angebaut und hergestellt wurden.

Weiterlesen

Eine Liste der gefährdeten Arten findet man hier: http://gruene.fr/arten

Hier gibt es mehr Informationen zum Insektensterben: http://gruene.fr/insekten

Einzelheiten zum Naturschutzgesetz im Überblick: http://gruene.fr/natur

Wie und wann man Vögel am besten füttert: http://gruene.fr/voegel

Wer in seinem Garten etwas für Bienen tun will: http://gruene.fr/bienen

 

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