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Faltblatt

Leben im Quartier

Für ein selbstbestimmtes Leben im Alter

Selbstbestimmt alt werden

Wie wollen wir im Alter leben, wenn wir auf Pflege und Unterstützung angewiesen sein werden? Der demografische und soziale Wandel stellt unsere immer älter werdende Gesellschaft vor große Herausforderungen. Heute leisten Angehörige, insbesondere Frauen, zwei Drittel der Pflegearbeit im Zuhause der Gepflegten. Viele können und wollen sich aber nicht mehr darauf verlassen, von der eigenen Familie gepflegt zu werden. Deshalb suchen die Menschen nach Alternativen, um selbstbestimmt im eigenen Zuhause alt werden zu können. 

Dafür muss es gesundheitliche und pflegerische Versorgung sowie Unterstützungsangebote im Wohnquartier geben. Wir wollen weg von Groß- und Sondereinrichtungen. Niemand soll seine gewohnte Umgebung verlassen müssen. Wir wollen stattdessen kleinere und überschaubare Alternativen vor Ort im Quartier ausbauen. 

Alles in der Nähe im Quartier

Im Quartier werden Freundschaften gepflegt, soziale Kontakte geknüpft und Nachbarschaft gelebt. Quartierskonzepte richten sich daher auch nach den Pflege- und Unterstützungsbedarfen im Alltag. Dazu gehören sowohl ein generationengerechtes Wohnumfeld und eine Gesundheitsversorgung durch Arztpraxen und Pflegedienste als auch eine soziale Infrastruktur mit Cafés und Restaurants sowie Zugang zu alltäglichen Dienstleistungen, beispielsweise durch Geschäfte, Post und Bank.

Manchmal reichen kleinere Veränderungen der Ausstattung, manchmal muss aufwendig umgebaut werden, um die eigene Wohnung, aber auch das direkte Umfeld barrierefrei und altersgerecht zu gestalten. Damit Menschen mobil bleiben, wollen wir unter anderem Barrieren im ÖPNV und auf den Verkehrswegen abbauen – davon profitieren auch Familien mit kleinen Kindern und Menschen mit Behinderung. Kommunikationsbarrieren können „Leichte Sprache“ und technische Unterstützungen wie Vorlesehilfen überwinden.

Was wir tun

Der „Masterplan altengerechte Quartiere“ bietet für Initiativen, Kommunen, aber auch Einzelpersonen eine Fülle von Unterstützungsmöglichkeiten, um vor Ort eigene Projekte zu initiieren. Mit dem Förderprogramm „Alter und Pflege“ und weiteren Investitionsprogrammen fördern wir in NRW Projekte zur sozialen Quartiersentwicklung und neue Pflegeformen.

Immer noch möchten Großinvestoren und Einrichtungsträger ungewollte Großheime bauen. Wir wollen den Menschen ein stärkeres Mitspracherecht bei der Gestaltung der Pflegeinfrastruktur geben. Im Landespflegegesetz haben wir die Kommunen mit einer Steuerungsmöglichkeit ausgestattet, mit der sie die Ansiedlung weiterer Großeinrichtungen verhindern können. 

2011 haben wir die Altenpflegeumlage eingeführt und die Ausbildungsplätze in der Altenpflege auf 17.800 verdoppelt. NRW ist jetzt bundesweit führend in der Altenpflegeausbildung. Zudem entlasten wir pflegende Angehörige von Mehrfachbelastung und ermöglichen eine gleichberechtigte berufliche Teilhabe von Frauen.

Verschieden und vielfältig

Die Anforderungen an Pflege und Unterstützung steigen, weil die Zielgruppen immer vielschichtiger werden: Menschen mit Demenz, Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Menschen mit verschiedenen sexuellen Identitäten – all ihre Bedürfnisse müssen auch im Alter gewahrt werden. Viele Menschen entscheiden selbst, wie und mit wem sie im Alter leben und wie sie gepflegt werden wollen. Ambulante Pflegeangebote, zukunftsweisende Wohnformen und solidarische Nachbarschaften sind Antworten auf diese Anforderungen an zeitgemäße Pflege und den demografischen Wandel.

In Stadt und Land

Gerade im ländlichen Raum wollen wir die Einrichtung von kleinen Wohngemeinschaften vor Ort fördern, damit Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf nicht in weit entfernte Großeinrichtungen ziehen müssen und aus ihrem Lebensumfeld gerissen werden. In vielen ländlich geprägten Gemeinden gibt es gute Beispiele von Mehrgenerationen-Hausgemeinschaften mit professioneller Pflege und sozialen Unterstützungsnetzwerken. Mobile Geschäfte  und Dienstleistungen können lebensnotwendige Bedürfnisse unkompliziert abdecken. Bürgerbusse, dezentrale Gesundheitszentren, kleine kommunale Dienstleistungs- und Verwaltungsaußenstellen oder auch von der Bürgerschaft oder genossenschaftlich organisierte Dorfläden können die Grundversorgung sicherstellen.

Weiterlesen

Infos zum Masterplan altengerechte Quartiere: http://gruene.fr/ok

Das Landesbüro altengerechte Quartiere zeigt gute Projekte und hilft bei der Quartierbildung: http://www.aq-nrw.de

Die beiden Landesbüros innovative Wohnformen (Rheinland und Westfalen) und weitere Informations- und Anlaufstellen informieren über Wohnprojekte und helfen bei neuen Projekten: http://www.liw-nrw.de und http://gruene.fr/ol

Infos zur demografischen Entwicklung in der eigenen Kommune: http://www.wegweiser-kommune.de

Was bedeutet eigentlich leichte Sprache? Hier wird es erklärt: http://www.leichtesprache.org

 

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