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Newsletter

Pluspunkt Bildung April 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

was legt die Landesregierung vor – und wo tut sich nichts. Das sind derzeit interessante Beobachtungen. Am 6. März hat das Kabinett den Gesetzentwurf zu G9 verabschiedet und zur weiteren Beratung an den Landtag verwiesen. Ministerin Gebauer hat die Eckpunkte vorgestellt. Eine erste Einschätzung dazu findet sich in diesem Newsletter.

Ein Eindruck verfestigt sich: Alles dreht sich um das Gymnasium. Der Masterplan Grundschule ist noch nicht am Horizont zu sehen. Stattdessen ein Versuchsballon zum Thema Grundschulempfehlungen, Ankündigungen zum Grundwortschatz oder Schreiben, zuletzt jetzt Kopftuch in der KiTa und Grundschule.

Gerade das letzte ist ein Thema, das sachlich angegangen werden müsste. Davon ist die durch Staatssekretärin Serap Güler angezettelte Debatte aber weit entfernt.

Deshalb habe ich auch gemeinsam mit meinen Kolleginnen Berivan Aymaz (Sprecherin für Integrationspolitik) und Josefine Paul (Sprecherin für Kinder und Familie) eine Kleine Anfrage gestellt. Wir wollen wissen, auf welche Kenntnisse die Landesregierung ihre umstrittene Initiative stützt und welche konkreten Hilfsangebote sie Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen sowie Lehrkräften zur Verfügung stellt. Allen Interessierten seien die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung empfohlen und die Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages aus dem vergangenen Jahr.

Die zentralen Probleme und Fragen der Schulen, insbesondere in der Grundschule, drohen in den Hintergrund zu geraten.

Ich habe für Sie und Euch die Themen der vergangenen Wochen in der Übersicht zusammengestellt.

Ich wünsche eine gute Lektüre und freue mich auf weitere Begegnungen und den Austausch!

Ihre/Eure

Sigrid Beer

 

 

 Inhalt:

  • Mammutbaustelle: Zukunft der Grundschule
  • Geplante Änderung bei der Verteilung der Stellen für Inklusion
  • G9: Die Leitentscheidung muss für alle gelten – aber die Ministerin hat nicht die Kraft, sich vom Koalitionsvertrag zu lösen
  • Widersprüchliche Aussagen der Koalition zur Lehrerbesoldung
  • Philosophieren mit Kindern
  • Englisch in der Grundschule
  • Initiative gegen Cybermobbing
  • Produktionsschulen
  • Sturmfrei dank Sturmtief Friederike
  • Schulleitung in Teilzeit – interessante Idee, aber so keine Lösung
  • Termine

Mammutbaustelle: Zukunft der Grundschule

Zu einem intensiven schulpolitischen Austausch kamen Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern, Verbände und zahlreiche Grüne Schulpolitiker*innen aus den Kommunen am 20. März auf Einladung der GRÜNEN im Landtag zusammen. Diesmal ging es speziell um die Grundschule.

Sie stehen aktuell vor einer Reihe von Herausforderungen. Die unbesetzten Stellen in den Kollegien und Schulleitungen treffen die Grundschulen besonders. Von jeher ist die Grundschule eine Schule für alle Kinder und eine Schule der Vielfalt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Beteiligung der Grundschulen am Inklusionsprozess am höchsten ausfällt. Die Bezahlung ist aber am schlechtesten, die Pflichtstunden sind wiederum am höchsten und die Entlastungszeit am niedrigsten. Die von Rot-Grün vorgenommene Senkung der Klassengröße und Erhöhung der Lehrerstellen konnten keine wirkliche Entlastung bringen. Denn die Schülerzahlen sind in der Grundschule deutlich gestiegen statt wie erwartet zu sinken. Und unbesetzte Stellen bedeuten eine Mehrbelastung der Lehrkräfte.

In den Beiträgen und der Diskussion wurden aber nicht nur die Problemlagen geschildert, sondern auch über Wege und Maßnahmen zur Unterstützung gesprochen. So muss der Lehrerberuf gerade im Primarbereich attraktiver werden, unter anderem durch die Angleichung der Besoldung – nicht nur für die nach dem Lehrerausbildungsgesetz 2009 Ausgebildeten – und durch mehr Verwaltungsunterstützung sowie Entlastungsstunden für multiprofessionelle Zusammenarbeit, Vernetzung, Elternarbeit usw.. Es ging auch um kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung. Hier wurde durchaus kontrovers diskutiert, ob der Seiteneinstieg ausgebaut werden sollte oder ob er eine kritische Größe erreicht hat und ob er auf Fächer wie Deutsch und Mathe ausgeweitet werden darf oder ebendas keinesfalls. Angesprochen wurde auch die Möglichkeit der Kapitalisierung von nicht besetzten Lehrerstellen. Außerdem wurde der Vorschlag diskutiert, Lehramtsstudierende für eine Unterstützung im Unterricht auch schon vor dem Praxissemester zu gewinnen und was für dieses frühe schulpraktische Engagement in der Ausbildung als Anreiz gesetzt werden kann.

Einen Riesenthema ist die Fortbildung! Gewünscht wie gefordert für eine gelingende Schulentwicklung wurden „entspannte Fortbildungen“. Das heißt die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Es kann nicht sein, dass die Fortbildung eine*r Kolleg*in sofort Löcher reißt und das Kollegium diese schließen muss. Die Idee und Frage, ob das OGS-Team für einen Tag komplett das Tagesprogramm gestaltet, während das Kollegium insgesamt eine Fortbildung macht, wurde zum Beispiel mit der Gegenfrage beantwortet: Übernehmen die Lehrkräfte den kompletten Tag, wenn das OGS-Team in die Fortbildung geht? Wie sieht es bei wünschenswerten gemeinsamen Veranstaltungen aus?

Auf völlige Ablehnung traf die Idee von Ministerin Gebauer, die Grundschulempfehlungen wieder verbindlich zu machen. Das sei ein Schritt zurück, der nicht helfe.

Bei der Weiterentwicklung des Ganztags im Primarbereich berichtete einige Teilnehmer*innen von Pilotprojekten des gebundenen Ganztags, die den örtlichen Bedarf bei weitem nicht decken können. Einhellig wurde die Unterfinanzierung des Offenen Ganztags beklagt, die auch durch die leichten Erhöhungen des Landeszuschusses nicht entscheidend behoben werden konnte. Die GRÜNEN hatten vor der Wahl ein Konzept vorgelegt, dass pro OGS-Gruppe eine Erzieherstelle landesseitig finanziert wird. Das würde die Träger in die Lage versetzen, ordentliche, unbefristete Beschäftigung anzubieten. Die Neufassung des OGS-Erlasses hinsichtlich einer Flexibilisierung wurde von vielen kritisch gesehen: Man befürchtete eine pädagogische Aushöhlung durch sinkende Verbindlichkeit. Ein Verständnis, dass die OGS vor allem als Betreuungsangebot versteht, eine Art Dienstleistung, wird durch ein problematisches Flexibilisierungsverständnis verstärkt.

Geplante Änderung bei der Verteilung der Stellen für Inklusion – Das Budget heißt jetzt Kontingent

Die Landesregierung hatte im Herbst angekündigt, die Verteilung der Stellen für Inklusion neu regeln zu wollen. Der dafür notwendige Eckdatenerlass liegt aber immer noch nicht vor. Uns erreichten widersprüchliche Berichte, wie die Bezirksregierungen agierten. Deshalb haben wir die Landesregierung zur letzten Schulausschusssitzung um einen Bericht gebeten. Der Sprechzettel des Staatssekretärs kann hier nachgelesen werden. Demnach ist geplant, dass 5.061 Stellen für Förderschulen im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen zugewiesen werden. Das sind 481 mehr als noch im Haushalt 2018 vorgesehen waren. Neu ist, dass die schülerzahlbedingte höhere Zuweisung nicht mehr zulasten der Stellen für Lern- und Entwicklungsstörungen an allgemeinen Schulen geht. Deren Anzahl verbleibt bei 5.755 Stellen. Die 330 neugeschaffenen Stellen für multiprofessionelles Personal und die sozialpädagogischen Kräfte in der Schuleingangsphase (1193) sollen nach Schülerzahl und Kreissozialindex verteilt werden. Der Kreissozialindex hat sich aber als unzureichend und zu grob erwiesen, um wirkliche Bedarfe abzubilden.

G9: Die Leitentscheidung muss für alle gelten – aber die Ministerin hat nicht die Kraft, sich vom Koalitionsvertrag zu lösen

Bereits im Koalitionsvertrag behaupten CDU und FDP, in der Debatte um G8 und G9 eine Leitentscheidung zu treffen. Dabei drücken sie sich genau davor und verschieben offene Fragen in die Schulen und Kommunen. Schulministerin Yvonne Gebauer hält nach wie vor daran fest: Die Schulkonferenz soll einmalig mit Zweidrittelmehrheit die Beibehaltung von G8 beschließen dürfen. Die Schulträger können dagegen ein Veto einlegen, „wenn sie stichhaltige Gründe anführen können“. Aber auch nach 2019 können die Schulträger jederzeit zwischen G9 oder G8 wechseln, die Schulen sind dabei nur anzuhören. Also doch kein Ende für die G8/G9-Diskussionen! Das trifft auf sehr breite Ablehnung. So haben Kommunale Spitzenverbände, die Direktorenvereinigungen, Gewerkschaften und Elternverbände in einer gemeinsamen Stellungnahme eine klare Leitentscheidung für G9 ohne Wenn und Aber eingefordert. Auch die LandesschülerInnenvertretung hat sich dem angeschlossen. Anstatt innere Schulentwicklung zu fördern und Konzepte zu unterstützen, um jede*n Schüler*in individuell zu fördern, verschanzt sich Schwarz-Gelb hinter dem Koalitionsvertrag.

Kostenfrage für Kommunen und weitere Folgen sind ungeklärt

Aber auch in anderer Hinsicht fordern wir Klarheit: Welche Kosten kommen auf die Kommunen zu für neue Räume und andere Mehrbedarfe? Hierzu hat die Regierung zwar ein Gutachten in Auftrag gegeben. Aber die Frage wird auch bis zur Verabschiedung des Gesetzes im Sommer nicht geklärt sein. Statt der geforderten Konnexitätsklarheit kündigt die Schulministerin bis dahin lediglich unverbindliche Eckwerte an. Ihre Äußerung im Kölner Stadtanzeiger lässt aufhorchen, dass das Land keinesfalls die ganzen Mehrkosten übernehme. Schließlich würden die Kommunen ja auch eine Schulpauschale erhalten, aus der sie Mehrkosten bezahlen könnten. Das widerspricht allerdings dem Konnexitätsprinzip. Hierzu haben wir eine Kleine Anfrage gestellt. Die Auseinandersetzung wird also auch in diesem Punkt spannend.

Und nicht zu vergessen: Es geht klar um Verteilungsfragen bei den Ressourcen, unter anderem auch in Bezug auf Bildungspauschale und Personal. Wie sind die Mehrbedarfe an Lehrkräften zu stemmen? Gibt es eine Verschiebung zwischen den Schulformen? Die Elterninitiative „G9 jetzt“ hatte gefordert, diese Mehrbedarfe durch Streichungen unter anderem bei Gesamt- und Realschulen gegenzufinanzieren und will nun sogar eine Halbtagsschulkampagne auflegen. Auch CDU und FDP versprechen G9 als „Halbtagsangebot“ möglich zu machen. Will die Regierung den Ganztag zurückfahren? Das hätte ebenfalls Auswirkungen auf den Raumbedarf. Es gilt auch wachsam zu sein bei der Berechnung der Ganztagszuschläge. Hier darf es keine Reduzierung bei den anderen Schulformen geben, weil am Gymnasium nun acht Stunden fakultativ gestellt werden. Kein Tricksen am Ganztag!

Und was bedeutet schließlich die Rückkehr zum G9 für die kommenden Ausbildungsjahrgänge und die finanzielle Lage der Hochschulen? All diese Folgen müssen schon jetzt bedacht werden.

Klarheit gab es dagegen inzwischen bei der Frage des Beginns der zweiten Fremdsprache. Da war Ministerin Gebauer lange Zeit unentschieden. Im Gesetzentwurf soll nun der Start auf die Jahrgangsstufe 7 verschoben werden, wie auch im Grünen Konzept vorgesehen. Allerdings hat sich die Ministerin bislang noch nicht geäußert, ob das nur für die G9-Gymnasien oder für alle Gymnasien oder für alle Schulformen gelten soll. Im Sinne einer Durchlässigkeit und Klarheit wäre hier eine umfassende Regelung für alle Schulen wünschenswert. Im Schuljahr 2023/24 gibt es keine Einführungsphase nach bisherigem G8, aber eben auch noch keine Stufe 11 eines G9-Gymnasiums. Gibt es dann einen Run auf die Gesamtschuloberstufen bei den Qualifizierten aus Haupt- und Realschulen? Was ist mit Jahrgangswiederholungen?

Das Aussitzen der Antworten lassen wir nicht durchgehen.

Ministerin forciert das stärkere Sortieren von Kindern

Als wäre die Unruhe nicht groß genug, macht die Schulministerin ein neues, altes Fass auf und überlegt öffentlich, die Grundschulempfehlungen wieder verbindlich zu machen. Der Zugang zum Gymnasium soll beschränkt werden. Zu Recht hagelt es erhebliche Kritik von Eltern- und Lehrerverbänden. „Staatlich verordnete Hellseherei“, so nannte das Bildungsforscher Ernst Rösner schon 2009 im Landtag. Das stärkere Sortieren von Kindern wird von der FDP-Ministerin offensichtlich wieder forciert.

Wir werden den Prozess zu G9 intensiv begleiten. Er wird uns auch nach Verabschiedung des Gesetzes beschäftigen. Mindestens bis zum Schuljahr 2026/2027, wenn zum ersten Mal wieder ein Jahrgang der Stufe 13 beginnt. Wir werden fortlaufend informieren und stehen für weitere Fragen zur Verfügung.

Widersprüchliche Aussagen der Koalition zur Lehrerbesoldung

Die Frage der Lehrerbesoldung ist weiterhin umstritten. Mit der Umstellung der Lehrerausbildung auf eine einheitliche Dauer entfällt die Begründung für die schlechtere Bezahlung der Grundschul- und Sek-I-Lehrkräfte. Die ersten Lehrkräfte, die nach dem geänderten Lehrerausbildungsgesetz studiert haben, kommen jetzt an die Schulen. Deshalb muss das Land die Einstiegsbesoldung von A12 auf A13 anheben und auch die bereits beschäftigten Lehrkräfte an Primar- und Sek-I-Schulen besser bezahlen. Darum haben wir im Herbst den Antrag gestellt, die Landesregierung soll ein Konzept hierzu aufstellen und die nötigen Haushaltsmittel einstellen. Die Koalition hat dann aber nur eine bessere Bezahlung der Konrektor*innen beschlossen. In den Haushaltsberatungen hat das Schulministerium immerhin angedeutet, sich dem Thema im Laufe des Jahres widmen zu wollen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Bodo Löttgen hat schließlich beim Verbandstag des VBE überraschend verkündet, dass die Gleichstellung der Lehrämter kommen werde. Die SPD hat nun einen Gesetzentwurf vorgelegt, der zwar handwerkliche Fehler aufweist, aber das Thema zu Recht erneut in die parlamentarische Beratung brachte. Die Debatte im Plenum hat deutliche Unterschiede innerhalb der schwarz-gelben Koalition offenbart. Der obigen Zusage des CDU-Fraktionsvorsitzenden standen die Redebeiträge des haushaltspolitischen Sprechers der FDP, Ralf Witzel, und des Finanzministers Lienenkämper entgegen. Beide zeigten keine Bereitschaft, eine gleiche Bezahlung umzusetzen. Wer wird sich in der Koalition durchsetzen?. Es steht zu befürchten, dass die Lehrerverbände die gerechte Bezahlung vor Gericht erstreiten müssen. Für Kopfschütteln sorgte der Schulpolitiker Seifen von der AfD, ein ehemaliger Leiter eines Gymnasiums. Er wehrte sich gegen eine gleiche Bezahlung, weil die Arbeit an der Grundschule bei weitem nicht der komplexen, wissenschaftlichen Arbeit eines Studienrates an einem Gymnasium entsprechen würde. Es ist nicht die gleiche Arbeit, aber für uns ist sie gleichwertig. Hier meine Plenarrede.

Philosophieren mit Kindern

Wert- und Sinnfragen werden im Religionsunterricht behandelt. Aber immer weniger Kinder in NRW gehören der katholischen oder evangelischen Konfession an und auch von diesen nehmen einige nicht am Religionsunterricht teil. Nach den amtlichen Schuldaten für das Schuljahr 2016/2017 sind von den 632.693 Grundschüler*innen 33,8 Prozent römisch-katholischen Bekenntnisses und 22,3 Prozent evangelisch. 18,7 Prozent der Grundschulkinder werden dem islamischem Bekenntnis und 6,3 Prozent der Kinder anderen Bekenntnissen zugerechnet. 18,9 Prozent der Grundschulkinder werden als konfessionslos in der Statistik aufgeführt.

Das verdeutlicht, warum wir ein Unterrichtsangebot neben dem Religionsunterricht brauchen. In der Sekundarstufe ist das „Praktische Philosophie“. Für die Grundschule haben wir die Einrichtung eines ähnlichen Fachs „Philosophieren mit Kindern“ beantragt. Hierzu hatte die GRÜNE Landtagsfraktion in der letzten Legislaturperiode ein Gutachten vergeben. Die Anhörung zu unserem Antrag führte zu einer einhelligen Unterstützung seitens der geladenen Expert*innen. Hier stehen die Stellungnahmen und das Protokoll der Anhörung zur Verfügung. CDU, SPD und FDP hatten im Vorfeld zunächst Offenheit zum Gespräch signalisiert, dann aber einen gemeinsamen Antrag abgelehnt. Schließlich votierten die Koalitionsfraktionen dann auch gegen den Antrag – mit dem Hinweis, dass der Koalitionsvertrag die Einführung von Ethikunterricht vorsehe. Allerdings hatte die Anhörung ergeben, dass das zu kurz greift. Wir brauchen mehr als die Behandlung von „Moral“. Wertevermittlung ist allgemeine Aufgabe der Schule in allen Fächern. Kinder brauchen einen Raum, um selbstständig Sinnfragen zu stellen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Deutlich wurde in der parlamentarischen Schlussberatung zudem, dass die CDU das Thema im Grunde für überflüssig hält. Das ist mehr als schade, denn es gibt eine Reihe von Schulen, die schon mit einem ähnlichen Programm arbeiten. Diese brauchen endlich einen klaren Rahmen, um aus der Grauzone herauszukommen. Außerdem gibt es an etlichen Hochschulen ein großes Interesse – nicht nur in den philosophischen Fakultäten – an einer Lehrerbildung hierfür mitzuwirken. Die drängenden Anfragen und Proteste werden nun direkt an das Ministerium gehen. Die Regierung muss liefern. Hier meine Plenarrede.

Englisch in der Grundschule

NRW war Vorreiter bei der Einführung von Englischunterricht in der Grundschule. Die AfD möchte den Englischunterricht in der Primarstufe abschaffen zugunsten von mehr Deutschunterricht und Mathe. Schließlich müsse man in der Sekundarstufe I mit dem Englischunterricht bei Null anfangen, da die Kinder in der Grundschule nichts Bleibendes gelernt hätten. Zu dem Antrag hat es am 21. Februar eine Anhörung gegeben und alle Expert*innen – inklusive des von der AfD benannten – haben das Ansinnen und die Begründung des Antrags abgelehnt. Deutlichen Verbesserungsbedarf gebe es tatsächlich in der Sekundarstufe, da die erfolgreiche Fremdsprachendidaktik der Grundschule zu selten auf eine adäquate Didaktik der weiterführenden Schule trifft. Also: Es gibt etwas zu tun, aber nach vorne und nicht zurück. Hier die Stellungnahmen, besonders interessant die von Susanne Thurn, ehemalige Leiterin der Laborschule Bielefeld, und das Protokoll der Anhörung.

Initiative gegen Cybermobbing

Wie berichtet haben wir im Dezember einen Antrag gegen Cybergewalt eingebracht. Hierzu gibt es am 18. April um 10 Uhr eine öffentliche Anhörung im Schulausschuss. Die anderen demokratischen Fraktionen haben ihre Bereitschaft signalisiert, zu einem gemeinsamen Antrag zu kommen. Wir werden als Sachverständige Lukas Pohland, Gründer der Cybermobbing-Hilfe, und die Cyberpsychologin Dr. Catarina Katzer laden. Der 13-Jährige hatte sich an die Landespolitik gewandt und wir hatten ihn kurzerhand zum Austausch in den Landtag eingeladen.

Produktionsschulen

Produktionsschulen kümmern sich um Jugendliche ohne Ausbildungsreife und sogenannte „Schulverweigerer“. Sie bieten einen anderen Arbeits- und Lernort, Lernprozesse finden hier über Produktionsprozesse statt. Mit einem Grünen Antrag haben wir die Landesregierung aufgefordert, das Programm Produktionsschulen NRW nicht abzuwickeln, sondern stattdessen zu evaluieren. Hintergrund ist die Ankündigung von Arbeitsminister Laumann, das Programm durch die Wiedereinführung des Werkstattjahres zu ersetzen. Das hatte er 2005 als damaliger Arbeitsminister eingeführt. Eine Evaluation 2011 zog aber ein ernüchterndes Fazit: Ein Drittel der Jugendlichen brach das Jahr ab, nur 30 Prozent konnten das Jahr erfolgreich abschließen. Deshalb hat das Land 2014 die Produktionsschulen eingeführt, die es schon in anderen Bundesländern gibt, und bis 2016 die Plätze des Werkstattjahres umgewidmet. Eine Evaluation liegt noch nicht vor. Aber das Ministerium hatte 2017 berichtet, dass 46 Prozent der Jugendlichen des Programmjahres 2015/16 aus der Produktionsschule heraus den Übergang in die Erwerbstätigkeit, eine Ausbildung, auf eine allgemeinbildende Schule oder in eine Weiterbildung schafften. Das ist ein deutlich besseres Ergebnis. Problematisch sind die neuen Pläne von Minister Laumann aber auch hinsichtlich zweier weiterer Aspekte: Erstens soll das Programm nicht mehr Jugendliche bis 25 Jahre ansprechen, sondern nur Unter-18-Jährige. Damit entfällt eine wichtige Gruppe, für die es keine adäquaten Angebote gibt. Zweitens soll das Werkstattjahr ein sechsmonatiges Praktikum beinhalten. Nun hatte aber die Evaluation 2011 gezeigt, dass teilweise mehr als die Hälfte der Jugendlichen Probleme beim damalig vorgeschriebenen sechswöchigen Praktikum hatte: mangelndes Durchhaltevermögen, häufige Unpünktlichkeit und hohe Fehlzeiten. Eine Ausweitung von sechs Wochen auf sechs Monate ist deshalb wenig sinnvoll.

Sturmfrei dank Sturmtief Friederike

Das Sturmtief Friederike brachte Anfang des Jahres nicht nur den Verkehr im Land zum Erliegen. Auch viele Schulen wurden geschlossen. Allerdings war die Kommunikation unbefriedigend. Die Information, dass die Schule geschlossen bleibt, erreichte Schüler*innen oft erst auf dem Weg zur oder in der Schule. Auch gab es Unsicherheiten, ob die Schüler*innen wieder nach Hause geschickt werden oder angesichts des eingestellten ÖPNV und aus Sicherheitsgründen in der Schule verbleiben sollten. Wir haben deshalb einen Bericht der Landesregierung beantragt, der am 21. Februar im Schulausschuss diskutiert wurde. Ministerin Gebauer stellte klar, dass bei extremen Wetterlagen die Eltern entscheiden können, ob der Schulweg zumutbar ist. Bei einer Schulschließung muss die Schulleitung zwingend gewährleisten, dass die Schüler*innen einen sicheren Heimweg antreten können. Ansonsten müssen sie im Schulgebäude verbleiben, bis ein solcher möglich ist. Das Ministerium kündigte an, insbesondere bei der Frage der Kommunikation Verbesserungen zu prüfen.

Schulleitung in Teilzeit – interessante Idee, aber so keine Lösung

Ministerin Gebauer hat Anfang April das Problem der unbesetzten Leitungsstellen zum Thema gemacht. Tatsächlich sind die Zahlen gerade bei den Grundschulen besorgniserregend: 14 Prozent der Leitungsstellen und 22 Prozent der Stellvertretungen sind landesweit unbesetzt. Dabei sieht es in einigen Regionen noch dramatischer aus. Rot-Grün hatte auch vor diesem Hintergrund die Besoldung der Leitungen im letzten Jahr erhöht. Mit dem Haushalt 2018 wurden auch die Stellvertretungen angehoben. Richtig so. Von den Lehrerverbänden werden weitere Verbesserungen gefordert und konkrete Vorschläge gemacht wie Entlastung bei der Verwaltungstätigkeit bzw. Leitungszeit. Die Idee von Ministerin Gebauer geht in eine andere Richtung. Sie will Leitungsstellen auch in Teilzeit vergeben. Zunächst aber lediglich an fünf Schulen im Regierungsbezirk Arnsberg. Nach fünf Jahren soll der Modellversuch evaluiert werden. Das ist kein zupackender Ansatz, sondern kann nur ein Baustein sein. In Oppositionszeiten haben CDU und FDP hingegen mindestens 300 Verwaltungskräfte für Schulen gefordert. Jetzt ist der Zeitpunkt, die Mittel für aktuell nicht mit Lehrkräften besetzbare Stellen in einem ersten Schritt für Schulleitungsassistenz und Verwaltungsunterstützung zu nutzen. Das darf auf Dauer nicht zur Schmälerung der Stellenversorgung an den Schulen führen, sondern muss als zusätzliche Unterstützung implementiert werden!

Termine

BAG Bildung:

22.-23.06.2018 in Hofgeismar (Demokratiebildung)

02.-03.11.2018 in Würzburg

 

LAG Bildung:

05.05.2018 10-17 Uhr in Essen

 

Schulpolitischer Austausch der Grünen Landtagsfraktion:

26.06.2018  16.30-19.30 Uhr Weiterentwicklung der Berufskollegs

25.09.2018  16.30-19.30 Uhr Zukunft der Weiterbildung.

 

Weiterbildungskonferenz des Landtags:

27.06.2018  10-14 Uhr im Landtag

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