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#weltbewegen-Tour durch das ganze Land

Ideen bewegen NRW – Matthi Bolte-Richter besucht Innovationsbetriebe

Von Attendorn über den Düsseldorfer Medienhafen bis Ostwestfalen, vom Start-up über die Hochschulen bis zum digitalisierten Mittelständler: Matthi Bolte-Richter will auf seiner #weltbewegen-Tour sehen, wie innovative Ideen schon heute NRW bewegen und welche Bedingungen Gründer*innen und Innovator*innen brauchen, damit die digitale Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft gelingt.

Unser Sprecher für Digitalisierung und Innovation besucht gemeinsam mit anderen Abgeordneten von Januar bis März über 40 Unternehmen, Einrichtungen und Institute in Nordrhein-Westfalen, in denen innovative Ideen für heute und morgen entwickelt und umgesetzt werden. Dabei geht es auch darum herauszufinden, wie digitale Technologien helfen können, den Ressourcenverbrauch zu senken und zukunftsfeste Arbeitsplätze zu schaffen. Denn die Digitalisierung wird nicht nur alles verändern, sondern kann auch vieles verbessern.

Über die einzelnen Besuche berichten wir fortlaufend an dieser Stelle. Alle bereits bestätigten Termine können auf der Webseite von Matthi Bolte-Richter eingesehen werden. Die Besuche von Matthi Bolte-Richter und anderen GRÜNEN bei den verschiedenen digitalen Revolutionär*innen können auch auf Twitter und Instagram unter dem Hashtag #weltbewegen verfolgt werden.

 

8. März

Heute stand zum Abschluss der #weltbewegen-Tour u.a. ein Besuch des Digital Hubs in Bonn auf dem Plan. Begleitet wurde Matthi vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag Arndt Klocke. Im Gespräch mit Ivan Ryzkov und Sophia Tran vom Hub, sowie den Gründern des Start-ups Escarda tauschten sie sich zunächst über die Arbeit des Hubs aus. Anders als bei den Hubs, die Matthi zuvor besucht hat, handelt es sich beim Bonner Hub um eine Aktiengesellschaft. Die Erlöse aus Aktienverkäufen und Dienstleistungen werden dazu genutzt in weitere lokale Start-ups investieren zu können. Kritisch angemerkt wurde, dass Rahmenbedingungen für Förderungen momentan zu bürokratisch seien und vom Land angepasst werden sollten. Anschließend stellte das vom Hub Bonn geförderte Start-up Escarda seine Arbeit vor. Mit einer laserbasierten Unkrautvernichtung arbeitet Escarda an einer ökologischen Methode der Unkrautvernichtung, die auch für die konventionelle Landwirtschaft eine Alternative zum Einsatz von Herbiziden darstellen soll. Matthi: „Mir wurde bereits bei vielen Tour-Stopps mitgegeben, dass die Förderungen bisher einen zu hohen bürokratischen Aufwand darstellen. Zur Entbürokratisierung habe ich mit den Gründerbudgets bereits eine Idee vorgestellt, im Anschluss an meine Tour werden weitere folgen. Die Arbeit von Escarda bekräftigt mich in meiner Ansicht, dass die Arbeit von Start-ups einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leistet.“

Matthis zweiter Termin an diesem Tag führte ihn zum Bonner Start-up Trackle, das eine Methode zur temperaturbasierten Empfängnisverhütung entwickelt. Auf diese Idee kamen die Gründer*innen Katrin Reuter und Maxim Loick nachdem sie feststellen mussten, dass die klassischen temperaturbasierten Methoden unpraktikabel und umständlich sind. Als Lösung hierfür haben sie einen Termperatursensor entwickelt,  der die Daten über eine App verarbeitet, die automatisch die fruchtbaren Tage anzeigt. Im Gespräch berichteten sie über verschiedene Hürden, die sie seit ihrer Gründung zu meistern haben. Zu Beginn sahen sie sich vor allem mit Finanzierungsproblemen konfrontiert, da die bisherigen Förderprogramme zu stark auf universitäre Ausgründungen ausgerichtet und nur schwer mit einer klassisch-weiblichen Erwerbsbiografie vereinbar seien. Dies sei laut Reuter und Loick ein wesentlicher Grund dafür, dass Frauen bei Unternehmensgründungen noch einen geringen Anteil ausmachen. Die zweite und größte Hürde habe sich in der Schlussphase der Produktentwicklung gezeigt, in der sie Trackle als Medizinprodukt zertifizieren wollten. Gerade für Start-ups sei die Entwicklung eines Medizinprodukts kaum zu stemmen, da das ganze Verfahren vor allem auf Großkonzerne ausgelegt sei, resümierten die Gründer*innen. „Das Gespräch hat mir viele Probleme aufgezeigt, für die wir Lösungen entwickeln müssen. Es kann nicht sein, dass Innovationen im Bereich der Medizinprodukte nur von großen Konzernen entwickelt werden können. Wir müssen stattdessen unterstützende Strukturen für Start-ups schaffen“, findet Matthi. „Für die Unterstützung von weiblichen Gründern kann ich mir ein speziell auf Frauen ausgerichtetes Förderprogramm vorstellen.“

2. März

Die Zero Emission GmbH in Wuppertal ist in der nachhaltigen Gewerbegebietsentwicklung tätig. Veronika, Roman und Moritz Wolf zeigten auf, dass CO2-Einsparungen von bis zu 40 Prozent schon mit vergleichsweise kleinen Änderungen zu erreichen sind. So konnten etwa durch eine Vernetzung der ansässigen Unternehmen kostenintensive Energiespitzen abgefangen, eine dezentrale Energieversorgung aufgebaut und Anschaffungskosten gesenkt werden. Durch Maßnahmen wie die Beachtung von Frischluftschneisen, eine geringere Flächenversiegelung durch einen verstärkten Bau in die Höhe oder dem Anlegen von kleinen Bächen und Parks konnte eine Temperatursenkung erzielt, Sickerwasser abgeleitet und die Aufenthaltsqualität gestärkt werden. Die Baukosten sollen dabei nur 3-5 Prozent über denen herkömmlicher Gewerbegebiete gelegen haben. Probleme hatten die Gründer*innen bei der für Umweltunternehmen oftmals schwierigen Beschaffung von finanziellen Mitteln sowie einer fehlenden Netzwerks- und Beratungsstruktur. Matthi: „Es hat mich beeindruckt zu sehen, welche C02-Einsparpotenziale kostengünstig zu erreichen sind. Um die Energiewende erfolgreich gestalten zu können sind solch innovativen Ideen bedeutsam. Diese Möglichkeiten müssen zukünftig verstärkt genutzt werden. Für meine weitere Arbeit nehme ich mit, dass wir die Gründungsfinanzierung von Umweltunternehmen verbessern müssen. Ebenso werden wir darüber diskutieren, wie sich die Arbeitsstruktur von Hubs auf andere Bereiche übertragen lässt, um so eine verstärkte Vernetzung von Unternehmen z.B. aus dem Umweltbereich zu fördern.“

Anschließend besuchte Matthi die Gründungsinitiative der Universität Wuppertal, bizeps. Bei dem Gespräch waren neben Peter Jonk von bizeps u.a. die Prorektorin Anke Kahl sowie die von bizeps unterstützten Start-ups IQZ, Pinetco, Talention und Freiluftbande anwesend. Dabei wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen, wie etwa der Universität, der Wirtschaftsförderung und lokalen Unternehmen in Wuppertal sehr gut funktioniert, was sich etwa im gemeinsam betriebenen Technologiezentrum W-Tec widerspiegelt. Spannend waren für Matthi als hochschulpolitischer Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion auch die Ausführungen von Prorektorin Kahls, laut denen die Universität Wuppertal trotz einer Orientierung weg vom Numerus Clausus eine unterdurchschnittliche Studienabbruchsquote verbunden mit einem hohen Anteil von Deutschlandstipendien aus der Region besitzt. Kritisch angemerkt wurde insbesondere von den Start-ups, dass bestehende Förderstrukturen, vor allem bei der Höhe des Eigenanteils, zu stark auf Bestandsunternehmen ausgerichtet seien und die Bürokratie bei EXIST zunähme. „Dieser Termin hat mich darin bestätigt, dass unsere Idee des Gründerbudgets ein wichtiges Mittel wäre, um Ausgründungen aus Hochschulen zu stärken und der Bürokratisierung entgegenzuwirken“, resümiert Matthi. „Eine weitere Idee, die ich mitnehme, ist die Einführung eines Start-up-Schwellenwerts mit niedrigerem Eigenanteil bei Förderprogrammen, um so die Bedingungen für Start-ups zu erleichtern.“

26. Februar

Das Start-up Weltenweber in Krefeld besteht seit Mai 2017. Alle vier Gründer*innen haben Game Design studiert und sich relativ kurz nach dem Studium für die Gründung des Unternehmens entschieden. Weltenweber ist eine Agentur für alle Formen des Einsatzes von Virtual Reality von und in Unternehmen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt jedoch im Einsatz von VR in der Ausbildung. So konnte Matthi virtuell durch eine vollständig eingerichtete Lernwerkstatt laufen. Damit können sich Unternehmen z.B. auf Ausbildungsmessen viel konkreter bei potenziellen Auszubildenden vorstellen. Ebenso interessant war der virtuelle Ausflug ins Krefeld der Wirtschaftswunderzeit (inklusive der Ludwig-Erhard-Plakate an den Laternenmasten), das im Rahmen eines Projekts für Demenzpatient*innen entstand, um Erinnerungen wieder wachzurufen.  „Der Einsatz von VR bringt einen großen Mehrwert für Unternehmen, gerade im Bereich von Training und Ausbildung“, findet Matthi. „Unternehmen profitieren, wenn komplexe Maschinen ausprobiert werden können, ohne dass Risiken durch nicht fachgerechte Bedienung bestehen oder Standzeiten anfallen. Gerade im Mittelstand wollen wir für diese Chancen verstärkt werben, denn das Bewusstsein für VR ist hier noch wenig ausgeprägt. Zugleich zeigt Weltenweber auch, welche Potenziale für Medizin und Pflege in VR liegen. Es lohnt sich, hieran weiter zu arbeiten und gerade für Demenzpatient*innen zu Erleichterung zu kommen.“

21. Februar

Heute besuchte Matthi die Firma SK Industriemodell in Übach-Palenberg. SK Industriemodell war 2016 beim Gründerpreis NRW unter den Top 10. Es ist ein besonders interessantes Beispiel für Innovation durch Unternehmensübernahme. Im Jahr 2015 hat der heutige Inhaber Sebastian Krell die 1983 gegründete Firma übernommen, um die Stärken weiter auszubauen und die im Übernahmeprozess erkannten Optimierungspotenziale zu heben. Dadurch hat sich innerhalb von zwei Jahren die Produktion verdoppelt, neue Mitarbeiter*innen wurden eingestellt und das Unternehmen schuldenfrei gestellt. SK Industriemodell beschäftigt 18 Mitarbeiter*innen, jährlich 60 Praktikant*innen und ist unter anderem über zwei Forschungsprojekte in enger Kooperation mit der RWTH Aachen. Wir sprachen bei dem Termin insbesondere über Veränderungen durch 3D-Druck.
Matthi: „In der Industrie bietet 3D-Druck eine Menge Möglichkeiten, passt aber heute einfach noch nicht in die angestammten Prozessanforderungen. Obwohl er die hohen Qualitätsstandards erfüllen kann, bestehen viele Hersteller*innen immer noch auf althergebrachte Spritzgussverfahren, die ja schließlich immer so gemacht wurden. Auch hier geht es also um einen Kulturwandel. Der verstärkte Einsatz von 3D-Druck kann aber auch durch die Klärung rechtlicher Fragen vorangebracht werden, etwa wenn Probleme mit geistigen Eigentumsrechten durch gemeinsame internationale Standards gelöst werden. Es hilft niemandem, wenn jeder sein eigenes Verschlüsselungssystem entwickelt. Vielmehr sollten wir keine Angst haben, sondern bei der Lösung der Probleme auf deutsches Know-how vertrauen.“

Anschließend fuhr Matthi nach Düren zu Headup Games. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet. Das Hauptgeschäft bildet das Publishing und die Portierung zwischen Plattformen. Der bisher größte Hit des Unternehmens war das Spiel Bridge Constructor, das 2013 in 80 Ländern Nummer eins war. Insgesamt ist die deutsche Gamesbranche noch nicht so stark wie sie sein könnte. Am Umsatz, der in Deutschland mit digitalen Spielen generiert wird, haben deutsche Entwickler*innen im Bereich der Inhalte nur einen Anteil von 0,5 Prozent. Insgesamt hat die Branche einen Anteil von 6,4 Prozent am Gesamtumsatz. „Wir wollen die Gamesbranche stärken, denn wir haben es hier auch mit einem Innovation-Treiber zu tun, der die IT-Branche in Deutschland ebenso voranbringt wie Digitalisierungsprozesse in der Industrie, zum Beispiel durch Gamification", betont Matthi. "Andere Länder in Europa haben ihre Förderung in den letzten Jahren massiv erhöht, da muss NRW den Anschluss halten. Gerade für Gründer*innen muss die Finanzierung einfacher werden. Aber auch etablierte Unternehmen werden in einigen europäischen Ländern gefördert. Klar ist jedoch: Wir haben in NRW einen spannenden Standort mit exzellenten Ausbildungseinrichtungen wie dem Cologne Game Lab und auch der Gamescom als europäische Leitmesse.“

19. Februar

Heute war Matthi  mit seiner Tour in Stolberg im Rheinland bei i2Solutions. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet und entwickelt datenbankgestützte IT-Lösungen. Schwerpunkt sind Applikationen, mit denen Prozesse zwischen Datenbanken über Kennzahlen gesteuert werden. Neben der Software bietet i2Solutions inzwischen auch Hardware an: Mit der i2S Datenschleuse können Updates für Maschinensoftware sicher installiert werden.
Matthi fasst zusammen: „Das Gespräch bei i2Solutions zeigt, dass Eigenentwicklungen praktisch nur für Großunternehmen in Frage kommen, weil sie für Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU) zu aufwändig sind. Dieses Problem kann durch Forschungsprojekte behoben werden, in denen KMU im Prozess unterstützt werden. KMU brauchen Hilfe dabei, ihre eigenen Probleme bei der Digitalisierung zu erkennen, und zugleich auch dabei, datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln.“

16. Februar
Von Herne, über Witten und Dortmund bis nach Gelsenkirchen – Matthi macht mit seiner #weltbewegen-Tour heute Station im Ruhrgebiet.

Los ging‘s in Herne bei der Gesture Powered GmbH. Matthis Gesprächspartner, der Geschäftsführer Mesut Yilmaz, ist für ihn kein unbekanntes Gesicht. Schon beim Digital Demo Day vor zwei Wochen hatte Matthi die Gelegenheit sich kurz mit ihm auszutauschen und eines seiner Produkte kennenzulernen. Aus diesem Grund war Matthi besonders gespannt auf den weiteren Austausch. Hinter dem Begriff „Gestengesteuertes Marketing“ steht eine ausgeklügelte Augmented Reality Technologie, mit deren Hilfe  Schaufenster zu Verkäufer*innen werden. Damit ist es den Kund*innen möglich sich über Gesten durch das Sortiment eines Geschäfts zu bewegen und Waren aus- bzw. anzuprobieren.
Matthi: „Der Einzelhandel in den nordrhein-westfälischen Innenstädten wird durch den Online-Handel unter Druck gesetzt. Wollen wir diesen stärken und eine wohnortsnahe Versorgung der Bürger*innen  sichern, müssen wir neue Wege gehen. Mit unserem Antrag zur Verknüpfung von stationärem und Online-Handel in der vergangenen Legislaturperiode haben wir einen Grundstein dafür gelegt. Das interaktive Schaufenster geht dabei noch einen erheblichen Schritt weiter, denn es transformiert Shoppen zu einem mixed Reality Erlebnis. Wir sollten mit solchen Innovationen den stationären Handel unterstützen.“

Begleitet von seiner Fraktionskollegin Verena Schäffer hat Matthi als nächstes die Pflegix GmbH in Witten besucht. Das Start-up wurde 2016 als Online-Marktplatz für Pflege, Betreuung und Alltagshilfe gegründet. Dahinter steckt die Idee, qualifizierte und individuelle Hilfe möglichst schnell an Familien mit hilfe- oder pflegebedürftigen Angehörigen zu vermitteln und gleichzeitig Unternehmen im Gesundheitssektor miteinander zu vernetzen. Verbunden damit ist die Überzeugung, dass Patient*innen in Zukunft nahtlos ineinander greifende Dienstleistungen erwarten. Dies kann nur über ein dicht gesponnenes Netzwerk ermöglicht werden, dessen Grundlage der Marktplatz sein soll. Neben dem Start-up Pflegix, ist Gründer Andreas Helget auch noch Leiter des Entrepreneurship Zentrum Witten. Er hat  die Gelegenheit dazu genutzt und weitere Start-ups, die im öko-sozialen Bereich angesiedelt sind, zu dem Termin einzuladen. „Zwei wichtige Dinge nehme ich aus Witten mit“, resümiert Matthi, „zum einen ist Pflegix ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die Digitalisierung auch in vermeintlich analogen Branchen Veränderungen herbeiführen wird. Umso wichtiger ist es, dass wir die Entwicklungen im Blick haben und die Rahmenbedingungen mit den Akteur*innen so gestalten, dass unterstützungs- und pflegebedürftige Menschen davon profitieren. Und genau dafür ist der Austausch mit solchen Pionieren unerlässlich. Zum anderen habe ich erneut die Bestätigung dafür erhalten, dass wichtige Innovationen nicht nur im Städteviereck Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf entstehen, sondern auch im südöstlichen Ruhrgebiet. Wenn wir also den Digital- und Innovationsstandort NRW in Gänze stärken wollen, dann dürfen wir nicht den Fehler begehen und unsere Anstrengungen auf einzelne Regionen fokussieren. Anstatt von einem Rheinlandvalley zu fabulieren, sollten wir das NRWalley in den Blick nehmen.“

Im Anschluss an diesen Termin führte Matthis Weg nach Dortmund, wo er sich mit Thomas Lesser und Jan Schriewer von GreenIT - Das Systemhaus getroffen hat. Dieses Start-up ist aus Grüner Sicht besonders interessant. Als grundlegende Maxime gilt „Zeit für FAIRänderungen“. Ziel ist es, kundenspezifische IT-Konzepte so zu entwickeln, dass sie ressourcen- und umweltschonende Lösungen bei minimalem CO2-Ausstoß für die Kund*innen bieten. Hierfür sind die Mitarbeiter*innen ständig unterwegs. Deshalb achtet das Unternehmen im Rahmen einer „Green Car Policy“ auch darauf, dass die Fahrzeugflotte, den eigenen, hohen Ökostandards entsprechen. „Im Bundestagswahlkampf fand ich den Grünen Slogan „Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört kein oder“ besonders gelungen, drückt er ein notwendiges Umdenken unseres ökonomischen Handelns aus“ sagte Matthi. „Und genau das wird bei GreenIT umgesetzt: Act economic. Think ecologic ist auf der Homepage zu lesen – nachhaltiges Wirtschaften steht hier im Vordergrund. Gerade in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung ist es wichtig die ökologische Komponente immer mitzudenken, denn wir GRÜNE wollen, dass sich der zunehmende Ressourcen- und Stromverbrauch in Grenzen hält. Wenn man bedenkt, dass für das Schürfen der Kryptowährung Bitcoin jetzt schon Energie in der Größenordnung vom Jahresverbrauch von Dänemark benötigt werden soll, ist eine solche Einstellung zwingend notwendig.“ 

Zum Abschluss des Tages war Matthi zu Gast bei der Firma GHH Fahrzeuge GmbH in Gelsenkirchen. Zunächst stand ein interessantes Gespräch mit dem Geschäftsführer Jahn Petzold auf der Agenda, in dem er Matthi die Fertigungsprozesse unter dem Einsatz von digitalen Werkzeugen erklärte. Fahrzeuge, wie beispielweise gigantische Fahrlader, Untertage Muldenkipper, Berauberfahrzeuge und anderes schweres Gerät werden hier mittels CAD-Programmen kundenspezifisch geplant und entwickelt. Danach bekam Matthi von Herrn Seidel, dem Werkstattleiter des Unternehmens, noch eine Führung durch die riesigen Montagehallen von GHH, in denen die am PC entwickelten Fahrzeuge montiert werden.
Matthi: „Es ist jedes Mal spannend zu sehen, wie sich mittelständische Traditionsunternehmen im technischen Wandel immer wieder neu erfinden. Die GHH GmbH hat dabei verstanden, dass wirtschaftlicher Erfolg und Effizienz nicht im Widerspruch zu Umweltfreundlichkeit und globaler Mitverantwortung stehen. Im Gegenteil: Diese Faktoren garantieren zusammen mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen zunehmend die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Sie haben dabei die Vorteile der Digitalisierung erkannt: Durch die immer vernetztere Welt ist es einfacher geworden, Fahrzeuge den regionalen Anforderungen entsprechend zu entwickeln und auch in kleiner Stückzahl wirtschaftlich zu bauen.“

15. Februar

Das Kompetenzzentrum für Innovationen und Unternehmensgründung der Universität Duisburg-Essen (IDE) fördert und unterstützt uniinterne Innovationsgenerierung und Ausgründungen aus der Universität. Dabei werden Studierende, Lehrende und Mitarbeiter*innen angesprochen aus ihren Produktideen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Anders als an anderen Hochschulstandorten gibt es hier keinen Zuschnitt der Programme, Projekte und Angebote auf Hightech-Produkte. Die Unterstützung und Förderung ist ebenso auf soziale Gründungen ausgerichtet, wie auf die unterschiedlichen Gründungsphasen. Durch dieses breit gefächerte Angebot des IDE und seiner Vorläufereinrichtungen sind bisher 200 Ausgründungen hervorgegangen und das obwohl es in den Städten Duisburg und Essen lange Zeit keine Gründungsförderung gab. Matthi war beeindruckt von der Arbeit des IDE, ist sich aber sicher, wenn die Rahmenbedingungen besser wären, könnte die Beratungsstelle noch erfolgreicher sein: „Zum einen scheint mir hier wichtig, dass die Potenziale uniintern noch breiter wahrgenommen und anerkannt werden müssen. Hier muss es unser Ziel sein, gemeinsam mit den Hochschulen einen Prozess zu starten, um das Thema Hochschulgründungen zu stärken. Ein weiteres Problem stellen die begrenzten Arbeitsplätze für Start-ups an der Hochschule dar. Die Einrichtung eines Start-up-Quartiers, in dem Gründungsinteressierte in unmittelbarer Nähe zur Uni an ihren Ideen arbeiten können, wäre ein interessantes Zukunftsprojekt, welches die Ausgründungen sicherlich noch stärken würde.“

Der Starbuzz Accelerator in Mülheim an der Ruhr gilt als erster unabhängiger Accelerator für Handels- und Logistik-Start-ups bundesweit und ist der jüngste Accelerator, den Matthi auf seiner Tour besucht. Beim offiziellen Start im Dezember 2017 waren eine Vielzahl an mittelständischen Unternehmen und Start-ups aus der Region anwesend. Seit dem haben mittlerweile vier Start-ups das intensive Unterstützungs- und Mentorenprogramm des Starbuzz durchlaufen. In die Arbeit des Starbuzz sind Unternehmen aus der Region eingebunden, die die Gründungsinteressierten in vielerlei Hinsicht unterstützen – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, findet Matthi: „Mit seiner thematischen Spezialisierung steht der Accelerator exemplarisch dafür, dass es neben einem breit aufgestellten Angebot  auch Bedarf an hochspezialisierten Unterstützungsangeboten gibt. Dass man hier zudem auf die Expertise aus Unternehmen setzt, die in den Bereichen Handel und Logistik etabliert sind, zeigt, dass sich hier eine ganze Branche beginnt auf den Weg zu machen. Ich halte das für ein wichtiges Signal auch an andere Branchen, das zeigt wie viel Bewegung in die Wertschöpfungsketten kommen kann. Und das ist sicherlich ein Prozess, den wir auf politischer Ebene begleiten müssen.“

14. Februar

Studyhelp wurde 2013 von Daniel Weiner und Carlo Oberkönig gegründet. Die beiden Gründer sahen an ihrer Hochschule einen Markt für die Prüfungsvorbereitungen von Studierenden in den Ingenieurwissenschaften. Viele Studierende haben Prüfungsangst und fühlen sich nicht gut vorbereitet für Klausuren - vor allem in „Angstfächern“ wie Statistik. Heute liegt der Fokus des Unternehmens auf Kursen für Schüler*innen, die sich auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Studyhelp hat mittlerweile 200 Standorte in Deutschland und Österreich. Neben den Kursangeboten weitet Studyhelp sein Angebot an eigenen Lernmaterialien auch digital aus. Eines der aktuellen Projekte besteht in der Entwicklung von Lehrmaterialien, mit dem auch fachfremde Vertretungslehrer*innen die eigentlich geplanten Inhalte vermitteln können sollen. Auch hierbei wird auf digitale Unterstützung zurückgegriffen und die Lehrer*innen werden in diesem Konzept, das an einer Testschule im Paderborner Raum erprobt und von der Uni Paderborn evaluiert werden soll, zu Coaches, die die digitalen Inhalte unterstützen.
Matthi: „Studyhelp ist derzeit eines der bekanntesten Start-ups aus Ostwestfalen. Dahinter stehen ein spannendes Geschäftsmodell und Gründer mit Visionen. Denn trotz aller Verbesserungen, die in den letzten Jahren in den Schulen erreicht wurden, haben auch angesichts gesteigerter Erwartungen viele Schüler*innen den Bedarf nach Unterstützung, gerade in der Abiturvorbereitung. Spannend an Studyhelp finde ich vor allem die Verknüpfung von analog und digital. Ich nehme mit, dass sich das Konzept der regionalen Technologiefonds  bewährt – diese Unterstützung sollten wir stärken.“

Der zweite Termin an diesem Tag führte Matthi in die Garage 33. Die Garage ist ein gemeinsames Gründer- und Innovationszentrum der Universität Paderborn und der regionalen Wirtschaft. Doch auch schon vor der Gründung der Garage 33 im vergangenen Jahr war die Uni Paderborn ein erfolgreicher Standort für Gründer*innen. In den letzten 20 Jahren sind aus universitären Ausgründungen 200 Unternehmen entstanden, die inzwischen über 8000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Die Garage 33 steht allen Gründer*innen offen, die meisten jungen Unternehmer*innen, die hier unterstützt werden, kommen aber aus der Universität Paderborn. Durch den neuen Technologiefonds OWL ist auch in Ostwestfalen Wagniskapital für regionale Gründungen leichter zugänglich. Das ist ein extrem wichtiger Faktor, denn die Erfahrung zeigt: Gründer*innen  gehen dahin, wo das Geld ist.
Im Austausch mit den Gründer*innen wurden verschiedene Punkte angesprochen, insbesondere das Thema Bürokratie bei Gründungen aus der Universität bereitet vielen Schwierigkeiten. Das Programm EXIST gilt als schwerfällig, aber auch das Programm Hochschul-Startup NRW wird als bürokratisch wahrgenommen: Die Anträge in beiden Programmen sind sehr umfangreich, die langen Bewilligungs- und Abrechnungszeiträume bremsen die Gründungsdynamik.
Matthi: „In dem Gespräch ist deutlich geworden, dass wir in NRW und ganz besonders auch in OWL einen immensen Vorteil gegenüber anderen Start-up- Regionen, wie zum Beispiel Berlin, haben: Unsere Industrie und unseren Mittelstand. Eine der Gründer*innen brachte es auf den Punkt: OWL ist, wo was rauskommt. Nichtsdestotrotz müssen wir weiter daran arbeiten, das Bewusstsein als Gründerregion zu stärken. Neben dem Mittelstand müssen wir dafür besonders die Hochschulen begeistern, denn hier bleiben immer noch viele Potenziale ungenutzt, wenn z.B. Patente an den Hochschulen entwickelt, dann aber nicht durch Ausgründungen in den Markt gebracht werden.“
Zudem berichteten die Praktiker*innen in der Garage 33 Matthi, dass Ideen von Studierenden heute oft nicht realisiert werden, weil sie an der eingeforderten Kofinanzierung scheitern.
Matthi:„Die Hochschulen dürfen diese Unterstützung aus eigenen Mitteln nicht übernehmen. Vor der Beteiligung von Drittmittelgebern schrecken viele Gründer*innen in der Startphase verständlicherweise zurück. Die Landesregierung muss daher nicht die Programmbürokratie fördern, sondern Gründer*innen. Wir fordern daher Gründerbudgets für alle Hochschulen, deren zweckgebundene Verausgabung in den Hochschulverträgen festgelegt werden soll. Die Mittel der Programmlinie „START-UP-Hochschul-Ausgründungen“ sollen in Zukunft direkt an die Hochschulen gegeben werden. Die Hochschulen kennen ihre Absolvent*innen und können einschätzen, wer als Gründer*in geeignet ist und eine Geschäftsidee mit Zukunft hat. In einem einfachen Verfahren würden die Hochschulen dann eine Starthilfe direkt an Gründer*innen mit vielversprechenden Ideen auszahlen.“

13. Februar

Heute wurde Matthis Tour international. Er besuchte das Start-up Casachef im niederländischen Lemiers, das allerdings nur einen Katzensprung von Aachen entfernt ist. Casachef ist eine Plattform für Social Dining, d.h. Menschen können sich über die Plattform zum Essen verabreden und andere Menschen zu sich nach Hause einladen. Gastgeber*innen kochen für ihre Gäste ein Drei-Gänge-Menü, für das jeder Gast einen Kostenbeitrag in Höhe von maximal 15 Euro bezahlt. Als Hobbyprojekt gestartet, ist Casachef seit Oktober 2017 im Vollbetrieb. Mittlerweile können sich Menschen in Aachen, wo das Projekt ursprünglich startete, aber auch in Köln, Mönchengladbach, Duisburg, Essen und Koblenz verabreden. Neben der Plattform bietet Casachef auch verschiedene Events an, z.B. werden in Kunstgalerien Werke „nachgekocht“.
Matthi: „Casachef ist ein interessantes  Projekt, das durch die Digitalisierung, der oft unterstellt wird für Vereinsamungsprozesse verantwortlich zu sein, Menschen wieder zusammenbringt. Ich habe mitgenommen, dass die eigentlich wünschenswerte Schwerpunktbildung bei der Technologie- und Unternehmensförderung nicht immer zum Vorteil von Unternehmen ist, die sich in einer anderen Nische bewegen. So wurde mir von Casachef gespiegelt, dass in Aachen zwar gute Unterstützungsangebote für Technologieunternehmen bestehen, es aber schwierig sei, Beratung und Netzwerke für sozial orientierte Unternehmen zu finden. Nicht zuletzt deshalb hat sich Casachef in Lemiers niedergelassen. Aber gerade weil noch etwas mehr als die Hälfte der 2200 Mitglieder der Community in Aachen aktiv sind, versteht sich Casachef nach wie vor als Aachener Unternehmen.“



Matthis zweite Station war das Unternehmen ID4us in Duisburg. Dabei handelt es sich um ein Start-up, das eine Ausgründung der Universität Duisburg-Essen ist. ID4us will eine Art neues RFID System (Radio-Frequency Identification) entwickeln. Dafür ist das Unternehmen Kooperationspartner in zwei großen Forschungsprojekten. Zum einen bei einem Leitmarktprojekt des Landes NRW, bei dem ID4us als Entwicklungspartner daran mitwirkt, eine möglichst exakte Beobachtung der Lebenszyklen von Maschinen und Werkzeugen durch RFID zu gewährleisten. Das zweite Forschungsprojekt, an dem ID4us als Leadpartner beteiligt ist, ist ein Projekt aus dem INTERREG-Programm, an dem die Universität Twente, die Universität Duisburg-Essen sowie zwei deutsche und zwei niederländische Unternehmen beteiligt sind. Ziel ist hierbei, einen komplett druckbaren, flachen und weniger anfälligen RFID-Chip zu entwickeln, der perspektivisch ein Ersatz für den hergebrachten Barcode werden könnte. Hierbei kommen auch Nanotechnologien zum Einsatz.
Matthi: „Ein großes Thema in meinem Gespräch bei ID4us waren die konkreten Vor- und Nachteile für Ausgründungen aus Hochschulen. Da der Gründer von ID4us selbst Professor an der Universität Duisburg-Essen ist, haben wir auch viel darüber gesprochen, welchen Nutzen es hat, wenn Professor*innen Gründungserfahrung haben. So können sie eine Gründungskultur in die Hochschule, zu den Doktorand*innen und Studierenden, tragen. Hierbei sollte beachtet werden, dass Studierende und Professor*innen bzw. Doktorand*innen unterschiedliche Unterstützung brauchen. An der Universität Duisburg-Essen beispielsweise gibt es einen Kurs „Small Business Management“, für den demnächst Creditpoints vergeben werden. Es wäre zielführend, derartige Inhalte zumindest in bestimmten Fachrichtungen verpflichtend ins Curriculum aufzunehmen, wodurch mehr Studierende erreicht werden könnten. Über solche Vorhaben müssen aber die Unis selbst entscheiden können. Politik sollte aber insgesamt Anreize setzen, damit die Hochschulen ihre Aktivitäten zur Unterstützung von Gründer*innen ausweiten.“

8. Februar

Die Firma Tünkers Maschinenbau in Ratingen ist Weltmarktführer für Automationslösungen im Umfeld des Industrieroboters und beschäftigt etwa 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, davon 340 in Ratingen. Der Slogan „Erfindergeist serienmäßig“ wird bei Tünkers ernst genommen. 350 Patente weltweit dokumentieren, dass es sich um ein hoch innovatives Unternehmen handelt, findet Matthi. Derzeit liegt ein Entwicklungsschwerpunkt des Betriebs bei autonomen Transportrobotern (AGV). Diese kamen zwar bereits in den achtziger Jahren auf, müssen aber jetzt aufgrund der Produktionsumstellungen bei den Automobilherstellern, durch flexiblere Modelle ersetzt werden. Neben der AGV-Technik sind hierfür große Innovationen im Bereich der Indoor-Navigation erforderlich. Tünkers kooperiert hierfür mit dem Unternehmen Navitec aus Finnland.
Matthi: „ Auch bei Tünkers ist der Fachkräftemangel ein großes Thema, das gilt in allen Bereichen des Unternehmens. Wir müssen die Diskussion über attraktivere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im Handwerk weiter führen. Dazu gehört auch, mehr Auslandserfahrungen für Handwerker*innen  zu ermöglichen. Aber auch der rechtliche Rahmen für Innovationen braucht ein digitales Update. Tünkers ist derzeit sehr aktiv in der Entwicklung von Transportrobotern und -drohnen. Der autonome Roboter kann aber nicht im Käfig bleiben.“

6. Februar

Matthi zu Besuch in der  „Mailinghauptstadt“ bei Wirtz Druck in Datteln. Das Unternehmen besteht bereits seit 1889 und ist damit das älteste in Datteln. Nachdem 2007 mit der „MailingLiebe“ eine erfolgreiche Marke im Direktmailing eingeführt wurde, hat der Betrieb ein rasantes Wachstum hingelegt. Inzwischen hat das Unternehmen 130 Mitarbeiter*innen und plant für 2018 den Einsatz neuer, vollständig digitalisierter Druckmaschinen und die Vergrößerung des Betriebs auf der angrenzenden Erweiterungsfläche. Wirtz Druck ist seit Jahren regelmäßig Preisträger beim Druck & Medien Award in der Kategorie Crossmedia-Dienstleister. Dennoch hat das Unternehmen auch mit Problemen zu kämpfen wie beispielweise mit einer nicht ausreichend ausgebauten digitalen Infrastruktur, dem Fachkräftemangel oder einem unzureichenden ÖPNV-Angebot. Besonders innovativ fand Matthi neben der eingesetzten Technologie die Herangehensweise: „Das Unternehmen versteht sich nicht mehr als reine Druckerei, sondern gestaltet den kreativen Prozess von Anfang an mit. Vielfach ist die Werbebotschaft so gestaltet, dass den Kund*innen mindestens mehrere Wege angeboten werden, um diese Botschaft zu empfangen oder sich interaktiv mit dem dazugehörigen Produkt zu beschäftigen und zu identifizieren. Insofern ist Wirtz Druck ein gutes Beispiel für Standortsicherung durch Innovation.“

Nicht so alt eingesessen, aber nicht minder erfolgreich ist die Ares GmbH aus Lünen. Das Unternehmen wurde 2012 von Erkan Doganay gegründet und hat heute 40 Mitarbeiter*innen und ist auf einem steten Wachstumskurs. Ursprünglich hat das Unternehmen lediglich Spiegel importiert, aber nach kurzer Zeit ein Geschäftsmodell in der Fertigung von Spiegeln auf Maß erkannt. 70 Prozent des Umsatzes werden heute im E-Commerce über die eigene Plattform erwirtschaftet.
„Die Ares GmbH ist eine spannende Gründungsgeschichte an der Schnittstelle von E-Commerce und Handwerk“, findet Matthi. „Die Erfahrungsberichte zeigen, dass der öffentliche Sektor mit den örtlichen Sparkassen, aber auch mit der NRW.Bank zwar gute Unterstützung in der Gründungs- und Wachstumsphase bietet. Nichtsdestotrotz hat auch das Gespräch bei der Ares GmbH Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Start-ups aufgezeigt, etwa im Fall einer erforderlichen Zwischenfinanzierung, als der Betreiber eines Online-Bezahldienstes  bereits geleistete Zahlungen von Kunden zeitweise einbehalten hatte. Solche Problemstellungen sind für Banken nicht nachvollziehbar, zugleich aber auch ein rechtspolitisches Problem, weil hier einzelne Marktakteure eine überbordende Machtstellung ausnutzen. Auch in Lünen sprachen wir über Fachkräftesicherung, dabei wurde deutlich, dass es auch beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit noch digitale  Verbesserungsmöglichkeiten gibt.“

2. Februar
Heute hat Matthi mit seiner #weltbewegen-Tour Station Ostwestfalen gemacht. Zunächst besuchte er die Beumer Group in Beckum (Kreis Warendorf), danach Miele in Gütersloh und schließlich Mecondo in Rietberg im Kreis Gütersloh.



Bei der Beumer Gruppe konnte Matthi erfahren wie sich ein Unternehmen, das als Hersteller von Sortier- und Förderanlagen auf den ersten Blick nicht vom digitalen Wandel betroffen zu sein scheint, umfassend auf die Digitalisierung eingestellt hat. Denn der Betrieb musste bereits miterleben wie ein Teil des Geschäfts aufgrund digitaler Innovationen völlig vom Markt verdrängt wurde. Dem begegnen die Beckumer nun mit einer weitreichenden Digitalstrategie, die drei Säulen umfasst. Zum einen wird das Kerngeschäft in Ostwestfalen weitergeführt und weiter entwickelt z.B. mit 3D-Druck oder Datamining. Zum anderen sind zusätzlich zwei Tochterunternehmen in Dortmund und Berlin gegründet worden, die sich mit der Zukunftsstrategie befassen und neue Geschäftsmodelle erarbeiten, wie etwa die Entwicklung digitaler Add-ons und Services, um so die Technologien für eine Zukunft des Unternehmens zu sichern.
Matthi: „Die Erfahrungen, die die Beumer Gruppe gemacht hat zeigen: Die Digitalisierung wird über kurz oder lang alle Bereiche des Mittelstands erreichen und wie wichtig es ist, sich diesen Herausforderungen aktiv zu widmen. Die Digitalstrategie der Ausgliederung von Evolution und Revolution ist ein hoch interessanter Ansatz, der dem Unternehmen ermöglicht, sich den Herausforderungen mit der notwendigen Freiheit zu stellen, zugleich das Kerngeschäft aber nicht zu vernachlässigen.“

Das Unternehmen Miele ist als Hersteller von Haushaltselektronik international  bekannt. Mit 19.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit und 4 Milliarden Euro Jahresumsatz ist das Unternehmen das größte, das Matthi im Rahmen seiner Tour besucht. Begleitet wurde er dabei von seiner Fraktionskollegin Wibke Brems. Die digitale Revolution schlägt sich insbesondere in zwei Bereichen nieder. Erstens: Die ständige Weiterentwicklung der Produkte rund um den Bereich Smart Home, also vernetzungsfähiger Hausgeräte, die sich auch per App steuern lassen. Zweitens: Intelligente Produktion – Stichwort Industrie 4.0, die Miele mit eigenen Projekten, aber auch durch Kooperationen im Spitzencluster it‘s OWL vorantreibt. Dazu zählt z.B. das Projekt Smart F-IT, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Hierbei geht es um die Entwicklung elektronischer Assistenzsysteme in der Produktion. „Miele ist ein bekanntes Familienunternehmen, das sich für die Bedingungen des digitalen Zeitalters aufzustellen weiß“, resümiert Matthi. „Eine Herausforderung, die ich auch hier geschildert bekommen habe, ist die Vermittlung von Informatikkompetenzen für Berufsanfänger*innen vor der Ausbildung, sowie insbesondere die Weiterbildung für gering qualifizierte Menschen, deren Aufgaben in der Produktion im Kontext der Digitalisierung komplexer werden. Hierfür müssen wir geeignete Wege finden, um die Unternehmen besser zu unterstützen.“

Letzte Station an diesem Tag: Mecondo in Rietberg. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen, das Ausstattungsgegenstände aus Metall für den Garten anbietet. Die Innovation bei der Gründung 2010 bestand darin, dass zum damaligen Zeitpunkt alle Produkte Sonderanfertigungen waren, die Garten- und Landschaftsbauer beim Schlosser in Auftrag geben mussten. Daraus entstand die Firmenmission „Sonderanfertigung in Serie“. Das Unternehmen produziert nicht selbst, sondern bietet vor allem Design und Administration, die tatsächliche Herstellung findet dann bei einem Gütersloher Metallbauunternehmen statt. Matthi: „Mecondo ist eine interessante Gründung, die ursprünglich aus der Arbeitslosigkeit heraus erfolgte. Aus meinem Gespräch nehme ich mit, dass bei allem Mut, den eine Unternehmensgründung ohnehin erfordert, es sinnvoll ist Wege zu finden wie die Gründer und Gründerinnen in der Gründungsphase Sicherheit vorfinden können. Dafür müsste der Zugang zu Gründerkrediten erleichtert werden, wobei es - und das habe ich bei zahlreichen meiner Gespräche gehört – nicht zwingend staatlichen Zuschusses bedarf. In der Gründungsphase wären darüber hinaus Beratungsangebote für den Unternehmensalltag sinnvoll. In der Konsolidierungsphase gibt es für Unternehmen in Ostwestfalen einen Mentorenservice, der im Falle von Mecondo eine wichtige Hilfestellung gegeben hat. Dieses Projekt ist vorbildlich und wäre sicher auch eine Bereicherung für andere Regionen.“

Matthis Zwischenbilanz

Einen Monat ist Matthi nun schon auf seiner #weltbewegen-Tour unterwegs und hat nicht nur smarte Technologien, und innovative Ideen und Lösungen für den Umgang mit der Digitalisierung gesehen, sondern sich auch mit vielen jungen Gründer*innen über ihre Erfahrungen ausgetauscht. Welche wertvollen Anregungen ihm seine ersten Gesprächspartner*innen mitgegeben haben, warum die Antworten von CDU und FDP nicht ausreichen und warum Matthi bei einem Termin roten Teppich verlegt hat, verrät er im Video.


 

1. Februar

Heute stand für Matthi ein etwas anderer Termin auf dem Programm.
Auf dem Digital Demo Day in Düsseldorf lag für ihn diesmal nicht der Austausch mit Einzelnen im Vordergrund, sondern es ging ihm darum den Spirit eines Start-up-Events zu erleben. Die vom digihub Düsseldorf/Rheinland schon zum zweiten Mal organisierte Veranstaltung bot genau dies. Mehr als 70 Technologie-Start-ups aus Deutschland, Österreich und Ungarn stellten ihre Innovationen zum Ausprobieren und Erleben zur Verfügung und standen für Gespräche bereit. Daneben gab es ein buntes Rahmenprogramm mit vielen interessanten Vorträgen und einem Start-up-Pitch. Wie attraktiv eine solche Start-up-Messe ist, zeigt nicht nur die Vielzahl der Aussteller*innen. Auch die 1500 Besucher*innen aus der Start-up-Szene, dem Mittelstand sowie den Hochschulen zeigen, dass das Thema Digitalisierung immer weitere Kreise in der Gesellschaft zieht, findet Matthi.
„Als Fachpolitiker hantiere ich fast täglich mit Begriffen, wie Augmented oder Virtual Reality, Internet of Things, Cyber Security und der Gleichen. Aber es ist immer etwas anderes, wenn man erleben kann, wie diese Begriffe bereits in der Realität umgesetzt werden. Der Vorteil an so einem Event wie dem Digital Demo Day ist, dass man an einem Ort die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche sehen kann und einen direkten Eindruck davon bekommt, wie breit die Anwendungsmöglichkeiten gefächert sind. Wenn man zunächst durch ein geplantes Bürogebäude schreitet, im nächsten Moment ein virtuelles Sicherheitstraining an der CNC-Fräse absolviert und abschließend mit demenzkranken Menschen durch ihre Vergangenheit reist, dann wird Virtual Reality greifbar und man entwickelt eine Vorstellung davon, wie sie unsere Welt bewegen wird.“

31. Januar

Heute war Matthi in seiner Heimatstadt Bielefeld beim Start-up Greenergetic zu Gast. Das Unternehmen verfolgt mit seinem Geschäftsmodell ein ur-grünes Ziel – sie wollen die Energiewende mitgestalten und nachhaltige Energielösungen fördern. Seit der Gründung im Jahr 2012 haben die beiden Geschäftsführer und ihr Team es geschafft, ein vollumfängliches Energiedienstleistungsportal aufzubauen. D.h. sie bieten den Energieversorgern, vornehmlich Stadtwerken, auf deren eigener Plattform ein Online-Planungstool im eigenen Design an, beispielsweise für den Vertrieb von Photovoltaik-Anlagen. Zudem stellen sie einen Service für die Vermarktung und eine professionelle Prozessbegleitung bereit. Ziel ist es, die Interessen dreier Zielgruppen – Energieversorger, lokale Handwerksbetriebe und Endkunden – zusammenzubringen.
„Dieses Startup steht prototypisch für die wirtschaftlichen Veränderungspotenziale, die die Digitalisierung mit sich bringen und auf denen Global Player wie Google, Amazon, Facebook und Co aufbauen. In der digitalen Plattformökonomie geht es darum verschiedene Akteure durch die eigene Dienstleistung zu vernetzen und damit Geld zu verdienen. Genau diesen Weg hat Greenergetic beschritten und zwar sehr erfolgreich. Wer sich dem Einfluss und der Marktmacht der Großen entziehen möchte, muss genau diesen Weg gehen und in Nischen erfolgreich eigene Plattformen etablieren.“

25. Januar

Sein heutiger Tour-Tag führte Matthi zunächst nach Westfalen. Erste Station war die Shopware AG in Schöppingen. Begleitet wurde er von seinem Fraktionskollegen Norwich Rüße. Vor Ort sprachen die zwei mit Ralf Marpert und Wiljo Krechting. Shopware besteht seit 18 Jahren, hat aber insbesondere in den vergangenen 5 Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Inzwischen hat das Unternehmen 150 Mitarbeiter*innen und plant bis 2020 diese Zahl mit 275 fast zu verdoppeln. Die Shopware-Software ist mittlerweile mehr als 60.000 Mal installiert. Es handelt sich um eine Standardsoftware speziell für Online-Shops, d.h. sie wickelt die Prozesse im Hintergrund ab und wird für das jeweilige Unternehmen angepasst. Besonders spannend am Konzept von Shopware fand Matthi, "dass die Software komplett als Open Source bereitgestellt wird. Über eine Community können zusätzlich Drittanbieter Erweiterungen anbieten. Ich habe aus dem Gespräch außerdem mitgenommen, dass wir gemeinsam mit der Branche an konkreten Lösungen arbeiten müssen, um die Informatik-Kenntnisse bei Schülerinnen und Schülern, aber auch die Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrern zu verbessern. Zugleich muss der Zugang für qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland erleichtert werden – das ist gerade für Unternehmen im ländlichen Raum eine ungeheuer wichtige Frage.“

Nächster Stopp: Triboot Technologies in Mülheim an der Ruhr. Triboot bietet Lösungen für 3D-Visualisierungen, Virtual und Augmented Reality sowie App-Entwicklung und Smart Controls. Unter Smart Control versteht man bspw. eine intelligente Steuerungs-App, die basierend auf der Beantwortung personalisierter Fragen zum Tagesrhythmus, die Beleuchtung Zuhause steuert. Bei Triboot hat Matthi sich mit Issa Pourgholam und Peter Seydel ausgetauscht.
Matthi:„Die jungen Unternehmer haben darauf hingewiesen, dass die Rahmenbedingungen für junge, technologieorientierte Unternehmen im Ruhrgebiet, gerade mit der dichten Hochschullandschaft, hervorragend sind. Dennoch werden die Bekanntheit und die Reputation als Technologieregion als verbesserungsbedürftig wahrgenommen. Für sie wäre die Stärkung des Standorts in der öffentlichen Wahrnehmung daher wünschenswert. Wichtig ist auch das Thema Gründungsförderung: Ein kurzer Draht für Fragen, z.B. zu einer oder einem „Startup-Kümmerer*in“ bei der Wirtschaftsförderung wäre sehr hilfreich. Zudem sollten wir bei den Förderstrukturen stärker auf Nachhaltigkeit achten und gewährleisten, dass gut angenommene Unterstützung nicht nach wenigen Jahren ausläuft und neu aufgebaut werden muss.“

24. Januar

Im Hub MünsterLAND sprach Matthi mit Hubmanager Tom Malessa und verschiedenen Gründer*innen. Der Hub wirkt in die Region und arbeitet eng mit der Hightech-Werkstatt FabLab Münster zusammen, die einen offenen Zugang zu digitalen Werkzeugen bietet. Hier stehen komplexe Maschinen wie 3D-Drucker, Lasercutter, CNC-Fräsen und Elektronik zur Verfügung. Gründer*innen können die Werkzeuge nutzen, um schnell Prototypen zu fertigen. Dabei stehen neben Bastlern und Studierenden natürlich die Unternehmen und Startups ganz besonders im Fokus. Matthi zeigte sich beeindruckt: „Der Hub MünsterLAND stellt das „Intrapreneurship“ in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet, dass nicht allein Startups gefördert und mit Mittelständlern vernetzt werden, sondern die Digitalisierungsprozesse werden direkt in den bestehenden Unternehmen unterstützt. Dafür sollen künftig Satelliten des HUB die Konzepte und Formate in die Fläche tragen. Eine spannende Umsetzung des Hub-Konzepts der Digitalen Wirtschaft NRW. Aus den Gesprächen mit den Gründer*innen nehme ich mit, dass wir die Förderprogramme des Landes und besonders der Europäischen Union optimieren müssen. Sie müssen leichter zugänglich sein und unbürokratischer werden. Unsere digitalen Verwaltungsstrukturen müssen wir stärker aus Nutzersicht denken und weniger aus bestehenden Verwaltungsstrukturen.“

 

Die Celano GmbH in Bottrop bietet Softwarelösungen, die überwiegend in der Stahlproduktion zum Einsatz kommen. Die komplexen Prozesse in der Stahlproduktion erfordern auch für die Programmierung und Wartung von Software großes Prozesswissen über die Stahlherstellung. Hinzu kommen die Bedingungen in Stahlwerken, die empfindliche Technik vor große Herausforderungen stellen. Im Forschungsprojekt „DamokleS 4.0“ („Dynamisches, adaptives und mobiles System zur kontextbasierten und intelligenten Unterstützung von Mitarbeiter*innen in der Schwerindustrie“) versucht Celano diesem Problem entgegenzutreten. Hierbei werden – auch unter Einsatz von Virtual und Augmented Reality – Systeme entwickelt, die Mitarbeiter*innen bei ihren Arbeitsprozessen in der Schwerindustrie unterstützen und so für mehr Sicherheit sorgen. Für Matthi ist „Celano ein Positivbeispiel für ein mittelständisches Softwareunternehmen, dass sein Know-How in innovativen eigenen Projekten nutzt und sich aktiv in die angewandte Forschung einbringt. Gemeinsame Forschungsprojekte mit Hochschulen gehören zur gelebten Unternehmenskultur. Und Celano zeigt, dass viele smarte Ideen auch grüne Ideen sind. Das erste Celano-Forschungsprojekt optimierte Software so, dass in der Stahlproduktion 1,5 Prozent weniger Energie verbraucht werden musste. 1,5 Prozent ist eine ganze Menge, wenn man weiß, dass eine Stahlproduktionsstraße so viel Energie verbraucht wie einer 100.000-Einwohner-Stadt. Digitale Innovation hat hier einen erheblicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet.“

22. Januar

Schmitz Cargobull ist mit 6.000 Mitarbeiter*innen und einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro ein internationales Schwergewicht in der Produktion von LKW-Aufliegern. Allein im vergangenen  Geschäftsjahr fertigte das Unternehmen aus dem Münsterland fast 60.000 Fahrzeuge.
Doch auch einen solchen Global-Player stellt die Digitalisierung vor neue Herausforderungen, auf die digitale Antworten gefunden werden müssen. So entstand aus einem internen Prozess heraus das Startup „Kubik X“. Hier werden digitale Produkte und Geschäftsmodelle entwickelt, die von Schmitz Cargobull und anderen Partnern auf  den Markt gebracht werden. Der Besuch zeigte Matthi: „Die Digitalisierung fordert die „Kleinen“ genauso heraus wie die „Großen“. Bei Schmitz Cargobull beeindruckt mich, mit wie viel Offenheit das Thema angegangen wurde. Auch aus Grüner Sicht bietet die Digitalisierung viele Möglichkeiten für die Logistikbranche, etwa wenn mehr und komplexere Daten ein besseres Fuhrparkmanagement ermöglichen und Leerfahrten ausbleiben. Oder wenn exakte Sensoren in Kühlaufliegern eine hohe Qualität von Lebensmitteln garantieren, sodass keine Lebensmittel mehr beschädigt und weggeworfen werden.“

Bei Kremer Stahltechnik in Metelen traf Matthi den Gründer und Geschäftsführer, Ansgar Kremer. Das Unternehmen wurde 2015 gegründet und war 2017 für den Gründerpreis.NRW nominiert. Inzwischen arbeiten hier 45 Mitarbeiter*innen - darunter zehn Geflüchtete. Das Unternehmen leistet damit einen beeindruckenden Beitrag zur Integration. Laserschneidemaschinen werden programmiert und Aufträge digital abgewickelt. Schweißarbeiten erledigt ein moderner Roboter. Matthi: „Ich habe aus dem Besuch zwei wesentliche Aspekte mitgenommen. Innovationen machen auch vor klassischen Handwerksbetrieben nicht halt. Geht das Handwerk diesen Weg mit so viel Leidenschaft an wie Ansgar Kremer, bleibt es attraktiv und bietet jungen Menschen viele Perspektiven. Dennoch macht sich auch hier der Fachkräftemangel immer stärker bemerkbar. Wir brauchen deshalb eine Debatte darüber, wie wir früher und zielgenauer für das Handwerk werben können.
Der zweite Aspekt hat mich besonders gefreut: "Das Unternehmen bietet Menschen mit Fluchtgeschichte eine echte Chance. Was die großen Unternehmen offensichtlich nicht können, macht ein Mittelständler aus dem Münsterland vor - und berichtet mir von Problemen etwa mit der Ausländerbehörde. Da müssen wir dringend Lösungen finden.“

19. Januar

Dass stationärer und Online-Einzelhandel kein Gegensatz sind, zeigte Matthis Besuch bei der Lokaso-Niederlassung in Arnsberg einmal mehr. Das Unternehmen bietet eine Software für lokale Online-Marktplätze sowie entsprechende Dienstleistungen für Einzelhandelsunternehmen an, etwa die Organisation von Lieferung am gleichen Tag, Zahlungsabwicklung und Digitalisierung des Angebots. In Siegen stellt Lokaso inzwischen für 50 Händler mit 1,5 Millionen Artikeln eine Plattform bereit. Nun erweitert das Unternehmen sein Angebot in Arnsberg. Matthi sprach über diese Pläne mit Jens Steinberg (Lokaso-Initiative Arnsberg) und Timo Eckel (Geschäftsführer Lokaso). Matthis Fazit: "Der Besuch bei Lokaso hat gezeigt, dass die Zukunft des stationären Einzelhandels auch digital ist. Nur wenn wir die Händler*innen darin unterstützen online präsent zu sein, bleiben unsere Innenstädte lebendig und vielfältig. Lokaso zeigt, wie eine Plattform-Lösung die Ansprüche der Kund*innen an das Einkaufen des 21. Jahrhunderts und den Unterstützungsbedarf der Händler*innen gleichermaßen erfüllen kann."

15. Januar

Das Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) ist auf angewandte Forschung ausgerichtet. Matthi traf Institutsleiter Prof. Dr. Matthias Jarke, den Leiter des Forschungsbereichs Kooperationssysteme, Prof. Martin Prinz (PhD) und Dr. Markus Eisenhauer, der den Forschungsbereich User-Centered Computing leitet. Matthi ist sich sicher, dass im FIT die richtigen Fragen gestellt und mit den richtigen Kooperationspartnern bearbeitet werden. „So forschen etwa die Wissenschaftler im Blockchain-Labor nicht nur an dieser Technologie und entwickeln sie mit Partnern aus der Wirtschaft weiter. Sie erdenken auch konkrete Konzepte, um Blockchain gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen nutzbar zu machen, damit diese nicht allein den großen Marktakteuren ausgesetzt sind.“  Die im FIT ebenfalls forcierte Forschung an immer besserer Sensorik und daran, wie sensorisch gewonnene Daten besser verknüpft werden, schafft laut Matthi „die Grundlage für Energie- und Ressourceneinsparung in der Produktion oder im Dienstleistungssektor. Perfekte Sensoren brauchen wir auch, um Industrieprozesse auf fluktuierende Energieversorgung umzustellen. Und das ist zentral, damit die Energiewende gelingt.“



Das Holocafé in Troisdorf ist das erste Franchise eines Düsseldorfer Startups. Hier können bis zu vier Spieler*innen gemeinsam virtuelle Realitäten entdecken. Für Matthi ist klar: "Gaming ist einer der treibenden Motoren der IT-Entwicklung. Natürlich steht beim Holocafé der Spaß im Vordergrund, aber wir haben es auch mit einer ernsthaften Entwicklung zu tun: VR revolutioniert nicht nur die Games-Branche. In wenigen Jahren werden etwa Architekt*innen ihren Kund*innen nicht mehr nur Planzeichnungen präsentieren, sondern die Bauherr*innen vorab virtuell in ihren neuen Häusern probewohnen lassen, um diese auf Alltagstauglichkeit zu testen. Es wird massive Umbrüche in vielen Bereichen geben – und die müssen wir gestalten.“

11. Januar

Das 2015 gegründete Social Impact Lab in Duisburg begleitet Gründer*innen in der Früh- und Gründungsphase ihres Unternehmens. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sozialen Innovationen. Aktuell betreut das Lab 44 Teams. Matthi sprach mit den Gründer*innen von tausendundeinplateau, Chronikit und ichó. Großes Thema war die Finanzierung von Gründungen. Die Probleme reichen dabei von grundsätzlichen Vorbehalten bei Banken und Fördergebern gegenüber sozial orientierten Unternehmen bis hin zu praktischen Problemen, etwa wenn ein Technologie-Startup eine Komponente für sein Produkt bei den Fachhändlern nur als Unternehmen kaufen kann, aber wegen Förderrichtlinien noch nicht gründen darf. Matthi erklärt dazu: „Wir können uns absolut glücklich schätzen, dass wir eine Institution wie das Social Impact Lab bei uns in NRW haben. Die Gründer*innen berichteten, dass Social Entrepreneurship immer größere Anerkennung erfährt. Erneut zeigte sich aber auch, dass wir die Förderung von Gründungen verbessern müssen: So wurde ichó von einer unabhängigen EU-Jury zu einem der zehn innovativsten Unternehmen Europas gewählt. Bis heute konnte das Startup aber nicht auf öffentliche Förderung zurückgreifen. Das zeigt: In Deutschland liegt noch vieles im Argen.“



Copago
sitzt in Oberhausen, wurde 2015 gegründet und war 2017 für den Gründerpreis NRW nominiert. Das Startup entwickelt innovative Kassensysteme mit intuitiver Bedienung. Die Gründer sind etwas Besonderes, denn sie gründeten nicht am Beginn ihrer Karriere oder direkt aus dem Studium heraus, sondern nach langjähriger beruflicher Tätigkeit. Copago kooperierte von Beginn an mit regionalen Partnern, die insbesondere den Service bei den Kunden übernehmen und sehr schnelle Reaktionszeiten gewährleisten. Doch Copago hatte auch mit Problemen zu kämpfen, wie Matthi berichtet: „Auch bei Copago war die Finanzierung ein großes Thema. Die beiden Gründer wurden von der KfW finanziert, mussten aber eine ungewöhnlich hohe private Bürgschaft hinterlegen. Das zeigt: Technologieorientierte Gründungen werden von öffentlichen Förderbanken noch nicht optimal gefördert. Dass auch private Banken sich nicht offener gezeigt haben, macht die Sache nicht besser.“

10. Januar

Der Projektträger Jülich setzt Forschungsprogramme des Landes und Bundes um, indem er Wissenschaftler*innen und Unternehmen unterstützt. Insgesamt bewilligt er jährlich 1,6 Milliarden Euro. Matthi erkannte gleich mehrere Herausforderungen: „Die Förderlandschaft für Innovationen ist ungemein vielfältig, wird aber oft als unübersichtlich empfunden. Die große Herausforderung besteht also darin, für Unternehmen und Gründer*innen das jeweils passende Angebot zu finden. Ich würde mich freuen, wenn die Förderberatung – zum Beispiel mit der einheitlichen Förderhotline 0800 26 23 008 – noch bekannter würde. Denn je früher die Beratung ansetzt, desto erfolgversprechender sind die meisten Förderanträge und umso schneller können sie auch bewilligt werden. Wir brauchen aber auch eine Diskussion über die grundsätzliche Ausrichtung der Förderung: Einerseits wird hier Steuergeld verwendet, was eine kritische Begleitung durch Prüfbehörden und Öffentlichkeit rechtfertigt. Andererseits sollte dies nicht dazu führen, dass spannende - aber wirtschaftlich riskante - Geschäftskonzepte von vornherein aussortiert werden. Hier brauchen wir eine neue Balance.“

Das Aldenhoven Testing Center ist eine gemeinsame Einrichtung der RWTH Aachen und des Kreises Düren. Automobilhersteller und –zulieferer testen hier ihre Produkte und die RWTH Aachen nutzt das Center für anwendungsorientierte Forschung. Das neue 5G Mobility Lab von Vodafone deckt die Teststrecke mit dem nächsten Mobilfunkstandard ab. So kann vernetzte Mobilität in einem wirklichkeitsnahen Umfeld getestet werden, beispielsweise indem Tester*innen die Funktionalität ihrer Produkte im chinesischen Mobilfunknetz simulieren und überprüfen. Für Matthi ist das ein absolutes Zukunftsthema: „Im Fokus steht in Aldenhoven der Aufbau einer Infrastruktur für die Mobilität der Zukunft. Die ist nicht nur emissionsfrei, sondern auch vernetzt. Wir brauchen eine Infrastruktur, die sicher den Informationsaustausch zwischen allen Verkehrsteilnehmer*innen gewährleistet. Das Thema birgt Zukunftsfragen, auf die wir politische Antworten brauchen: Wem gehören welche Daten? Wie schützen wir die Privatsphäre, wenn immer mehr Informationen zwingend gebraucht werden? Auf welcher offenen und demokratisch kontrollierten Plattform werden sie ausgetauscht?“

8. Januar

Bei bei der zentralen Anlaufstelle für Digitalisierung im Ruhrgebiet, dem ruhr:HUB, traf Matthi den Geschäftsführer, mehrere Gründer junger Start-up-Unternehmen sowie Kooperationspartner*innen des Hubs. Sie tauschten sich über die aktuellen Bedingungen und Herausforderungen für Start-ups aus. Matthi fasst zusammen: "Viele Menschen bei uns im Land haben den Mut etwas Neues zu schaffen. Dabei brauchen sie konkrete Unterstützung, wie sie der ruhr:HUB bietet. Das Gespräch zeigte, dass Gründer*innen in der Früh- und Gründungsphase individualisierte und übersichtliche Angebote brauchen. Arbeitet ein Start-up bereits erfolgreich, fehlt heute noch Unterstützung bei der Weiterentwicklung. Hier sollten wir neue Beratungsmöglichkeiten schaffen."

Das eine gute Gründungsgeschichte nicht mehr als einen Balkon in Unna braucht, lernte Matthi von den zwei Gründern von Urlaubsguru. Bei einem Rundgang durch das Unternehmen schaute Matthi sich das Erfolgsrezept der jungen Unternehmer an: "Etwa mit der dichtesten Hochschullandschaft Europas bietet NRW gute Gründungsbedingungen. Dafür ist Urlaubsguru ein gutes Beispiel, denn die beiden Gründer blieben auch als Unternehmer ihrer Heimat im Kreis Unna treu. Das Unternehmen zeichnet sich durch vielfältige Maßnahmen für Mitarbeiterzufriedenheit aus und hat sich auch mit 180 Mitarbeiter*innen die Start-up-Kultur mit flachen Hierarchien erhalten."

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