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Zu Besuch

Gudrun Zentis trifft Simone Peter an der Abbaukante in Garzweiler

Erhard Dohmen bekommt für einen kurzen Moment feuchte Augen. Auf seiner Hofzufahrt erzählt er uns von dem Tag, der für ihn und seine Nachbarn in Dackweiler den vorläufigen Endpunkt im Kampf um ihre Heimat bedeutete. Die rot-grüne Landesregierung hatte kurz zuvor bekannt gegeben, dass die vierte Umsiedlungsstufe nicht kommen wird. Damit war klar, dass die Gemeinde Holzweiler, die Siedlung Dackweiler und der Hauerhof, anders als Mitte der neunziger Jahre noch geplant, nicht mehr abgebaggert werden.


Wir sind mit Gudrun Zentis, Sprecherin für Bergbausicherheit der GRÜNEN Fraktion im Landtag NRW, Simone Peter, der GRÜNEN Bundesvorsitzenden, und zahlreichen Interessierten am Tagebaurand unterwegs. Treffpunkt ist der Aussichtspunkt hoch über dem Tagebau. Von dort lassen sich am Horizont vereinzelt Windräder erkennen. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit der Energieversorgung sind wie in einem Postkartenmotiv vereint. Simone Peter ist zum ersten Mal vor Ort:

„Braunkohleabbau zerstört nicht nur das Klima, sondern auch die Heimat. Es ist deshalb ein gutes Signal, dass mit Garzweiler erstmals ein bestehendes Abbaugebiet verkleinert wurde.“

Foto Simone Peter, Gudrun Zentis und Gerhard DohmenIn luftiger Höhe erläutert Gudrun Zentis die zukünftigen Abbaugrenzen und beschreibt, wie die Landesregierung zu ihrer Entscheidung gelangte. Harte Verhandlungen seien es gewesen. Im Mittelpunkt stand das Wohl der betroffenen Menschen im Abbaugebiet:

„Mit der Entscheidung haben wir Klarheit für das Rheinische Revier geschaffen. Rund 1.350 Menschen müssen nicht mehr umsiedeln. Nach einer 25jährigen Auseinandersetzung um das Abbaugebiet war das eine bedeutende Zäsur.“

Mit diesen Hintergrundinfos machen wir uns auf den Weg nach Dackweiler. Auf dem Weg dorthin passieren wir Immerath, das schon fast komplett umgesiedelt ist. Es zeugt wenig davon, dass hier noch eine Handvoll Menschen lebt. Das Ortsbild wird von zugenagelten Fenstern und leeren Straßen bestimmt. Anders das Bild in Holzweiler, durch das wir anschließend fahren. Es ist eine für diese Region typische Gemeinde: eine jahrhundertelange Geschichte, ein paar Fachwerkhäuser, eine Kirche in der Ortsmitte, rundherum Felder. Knapp 1300 Menschen leben hier. Holzweiler bleibt. Seit sechs Wochen haben die Menschen Gewissheit, in ihrer Heimat bleiben zu können. Lange Zeit sah das anders aus.

Dann erreichen wir Dackweiler, Erhard Dohmens Heimat. Bevor wir auf seinem Hof über die Zukunft rund um den Tagebau diskutieren, erzählt er uns von jenem 28. März – der Tag an dem ihm, seiner Familie und seinen Nachbarn die Gewissheit gegeben wurde, bleiben zu können. Man habe gleichzeitig gefeiert und geweint. Es ist eine berührende Geschichte von Hoffen und Bangen, vom stetigen Kampf gegen die heranrückende Abbaukante, von der Bedeutung von Heimat. Als Zuhörer kann man in diesem Moment nur erahnen, was die Menschen hier in den letzten Jahrzehnten haben durchmachen müssen. Die Freude ist groß, und wir freuen uns mit ihnen. 

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