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Neue Broschüre herausgegeben

Demokratie – Leben und Lernen

Gerade in Zeiten, in denen Rechtspopulist*innen und antidemokratische Bewegungen, wie Pegida und AfD, versuchen ihren Einfluss zu vergrößern, ist es besonders wichtig Heranwachsenden unsere demokratischen Werte näher zu bringen. Wie das in der Schule gelingen kann, zeigt unsere Broschüre »Demokratie – Leben und Lernen«. Darin werden exemplarisch die Erfahrungen und Konzeptionen der Laborschule Bielefeld vorgestellt. Es wird gezeigt, wie Demokratie im Unterricht praktisch umgesetzt werden kann, um Schüler*innen zu einem demokratischen Bewusstsein und Verhalten zu verhelfen.

Schüler*innen müssen mitbestimmen dürfen

Demokratie fällt nicht vom Himmel – sie muss erlernt und gelebt werden. Denn wer Demokratie selbst erlebt hat und seine Rechte kennt, lässt sie sich (und anderen) nicht wegnehmen und wird als frei denkender Mensch gestärkt.

Kinder können schon in der Kita und noch viel mehr in der Schule erfahren, dass sie mitentscheiden dürfen und mitgestalten können. Die Botschaft muss dabei deutlich werden: »Du bewirkst etwas. Wir nehmen dich ernst. Wir hören dir zu. Du hast uns etwas zu sagen«, erklärt Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion. So erfahren Schüler*innen Wertschätzung und Würdigung und das schafft den Sinn für eine demokratische Kultur. Durch die aktuelle Vertrauenskrise der Demokratie hat das wieder eine besondere Bedeutung.

Demokratie-Vermittlung an der Schule

In der Laborschule Bielefeld, der Versuchsschule des Landes NRW, wurden erfolgreiche Konzepte zur Demokratie-Vermittlung im Unterricht erarbeitet. Dabei wird neben der Vermittlung von Wissen vor allem das Lernen durch Erfahrungen betont – wie zum Beispiel die Projektarbeit. Die Wünsche und Ansprüche der Schüler*innen beteiligt zu werden und mitzugestalten werden ernst genommen. Es gibt deshalb konkrete Möglichkeiten zur Mitbestimmung für die Bereiche, die die Schüler*innen im Unterricht und im Schulleben betreffen. Rainer Devantié, Leiter der Laborschule Bielefeld, betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Versammlungen: »Jeden Montagmorgen in der ersten Stunde treffen sich die Schüler*innen in ihren Gruppen und sitzen im Kreis, so dass jede*r jede*n sehen kann. Wichtig ist, dass die Lehrperson Teil der Gruppe ist und mit im Kreis sitzt und nicht schon durch die Wahl des Sitzes eine hervorgehobene Stellung einnimmt. Ein Kind übernimmt die Gesprächsleitung. Besprochen wird, was den Kindern wichtig ist.«


So haben die Pädagog*innen der unteren Jahrgangsstufen eine Verfassung erarbeitet. Diese legt auf der einen Seite klar fest, dass das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen nicht zur Disposition steht. Dr. phil. Reinhild Hugenroth, Demokratiepädagogin, fordert, dass alle Formen der Beteiligung in der Schule, auch unter dem Blickwinkel betrachtet werden sollten, ob sie demokratische Kompetenzen fördern. Hierzu zählten sowohl der Unterricht, als auch außer-unterrichtliche Arbeitsgruppen, demokratische Gremien, Engagement in außerschulischen Lernorten oder Austauschprogramme. Ferner sagt sie: »Utopie-Kompetenz gehört dabei sicherlich zu jenen besonderen Qualitäten, deren Anwendung nachfolgenden Generationen ein gutes Leben ermöglichen sollen.«

»Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«

Die Laborschule steht exemplarisch für eine Vielzahl an Schulen in NRW, die sich dafür einsetzen demokratische Werte, Respekt und Solidarität im Unterricht zu vermitteln.

1995 war das Immanuel-Kant-Gymnasium in Dortmund die erste Schule in Deutschland, die am Projekt »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« teilnahm. Ende 2010 hatten sich diesem Netzwerk in NRW 208 Schulen angeschlossen, bundesweit sind es mittlerweile rund 620.

Unsere Broschüre: Ideengeber und Mutmacher

Unsere Broschüre soll Ideengeber und Mutmacher sein, denn die Erfahrungen und Ideen der Laborschule Bielefeld lassen sich auch auf andere Schulen übertragen. Wir als GRÜNE Fraktion wollen dieses Wissen und die praktischen Erfahrungen aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Relevanz anderen Schulen zur Verfügung stellen. Aber auch außerschulische Einrichtungen können von den Konzepten profitieren.

Im Schlusswort der Broschüre steht: »Wenn Kinder und Jugendliche in der Schule lernen sollen, Demokratie zu leben, muss Politik den Schulen Raum dafür geben, entsprechende Lernstrukturen und -gelegenheiten zu entwickeln. Demokratie in der Schule zu ermöglichen, ist also nicht zuletzt schulpolitische Verpflichtung und Aufgabe.«

Genau das wollen wir GRÜNE und setzen es unter anderem auch mit der individuellen Lernzeit um.

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